Entstehungsgeschichte (Besiedelung) unseres Landes

DIE  ANFÄNGE DER TIROLER  FREIHEIT UM DIE LEIDER AUCH NOCH HEUTE, ZWAR MIT FRIEDLICHEN  MITTELN, IMMER NOCH GEKÄMPFT WERDEN MUSS.  SIEHE SÜD – TIROL -  IMMER NOCH  FREMDBSTIMMT

 „Eyn clausen, schilt und porten“

Im Jahre 1490 schrieb Kaiser Maximilian, der „letzte Ritter“, an den Papst; „Die namhafte Grafschaft Tirol ist eyn clausen, schilt und porten der Teutschen gegen Welscher Nation.“

Ein Klause, ein Schild und eine Pforte gegen die welsche Nation.

Tirols Schicksal lag seit frühestem Beginn seiner Geschichte in dieser dreifachen Funktion. Das zerfurchte Land war durch seine hohen Berge abgeschlossen und ließ sich mit wenigen „Klausen“ gegen äußere Feinde relativ leicht abschirmen. Die Treue seiner Bewohner zu ihren Landesfürsten bot ein sicheres Schild; und Tirols niedrige Pässe ließen es eine ideale Pforte für alle werden, die in friedlicher Absicht kamen. Eine Klause, ein Schild, eine Pforte.

Schon den Ur-Tirolern, wenn man sie so nennen mag, war es nicht gegönnt, in Ruhe und Frieden dieses Land zu bebauen. Noch vor Christi Geburt drangen die Römer (wie 1918 auch), die ihr Reich weiter auszudehnen begannen, auch in Tirol ein (das diesen Namen damals natürlich noch nicht trug), denn dieses Passland im Norden des römischen Reiches bot die idealste Durchzugsmöglichkeit für die römischen Legionen. Drusus und Tiberius, die Stiefsöhne Kaiser Augustus, die Germanien unterwerfen wollten, zogen eineinhalb Jahrzehnte vor unserer Zeitrechnung mit einem gewaltigen Heer durch die Poebene nach Norden in das heutige Süd- und Nordtirol, wo das Volk der Isarcen und Genaunen lebte. (Der italienische Name für Gossensaß, „Colle Isarco“, „Hochgenein“ im Schmirntal sowie der Weiler Valgenäun = Tal der Genaunen bei Trens, erinnert heute noch an diese Stämme im Ur – Tirol“.) Bei Bozen kam es zum erbitterten Kampf in dem die Isarken unterlagen. Tiberius zog über den Reschen ins Inntal und über den Fernnpass ins Alpenvorland, Drusus über den Brenner, schlug hier die Genaunen ebenso vernichtend wie Tiberius vorher die Isarcen, zog weiter durch das Gebiet der Breonen, die im Inntal ansässig waren, und über den Seefelder Sattel ebenfalls  ins Alpenvorland.

Aber schon viel früher hatten die „Ur-Tiroler“ gegen äußere Feinde zu kämpfen. Bereits aus der Jungsteinzeit (ca. 3000 bis gegen 1800v.Ch.) sind uns sogenannte „Wallburgen“ bekann, Zufluchtsstätten der Menschen im Falle einer Gefahr, meist auf schwer zugänglichen Hügeln, versteckt hinter dichten Wäldern. Diese Burgen (das Wort Burg kommt  von „bergen“) waren von starken Steinwällen umgeben, die, meist ringförmig, oft sogar mehrere Ringe aufwiesen. Unsere Archäologen haben eine ganze Reiche von Wallburgen ausgegraben: das „Himmelreich bei Wattens, das Gratterbergl bei Wörgl, den Piperbühel auf dem Ritten, den Sinikopf bei Meran , den Gschleisbühel bei Matrei am Brenner und noch viele andere.

Wer aber waren diese Menschen, die hier im heutigen Tirol lebten?

Lechthaler schreibt in seiner „Geschichte Tirols“: „Das der Süden Tirols naturgemäß zuerst eisfrei wurde, erhielt er auch die erste Besiedelung. Aus der Poebene zogen Angehörige der mittelländischen oder mediterranen Rasse, Menschen kleinen zierlichen Wuchses, von dunkler Haar- und Augenfarbe, ins Land. Menschen solchen Schlages tauchen im Oberinntal und noch häufiger in den Tälern Südtirols auf.

Von Südosten und Norden kamen Angehörige des veneto-illyrischen Volksstammes. Ihr Name gibt schon einen Hinweis auf ihre Herkunft: Veneter, die Bewohner der Landschaft Venetien im nördlichen Hinterland der Adria (auch die heutige Stadt Venedig gehörte dazu). Der Name Wenden oder Windische ist dem gleichen Volksstamm eigen, und sicher wissen wir, dass die Träger der Hallstattkultur, ja sehr wahrscheinlich auch die der bronzezeitlichen buntkeramischen Kultur, die das ganze mittlere und untere Donaugebiet einnahmen, Menschen dieses Volksstammes waren. Wenn wir schließlich den Namen Illyrer hören, so wissen wir, dass mit der Bezeichnung Illyrer das östliche Hinterland der Adria gemeint ist,

das die Dinarischen Alpen durchzieht. Man spricht darum auch von der dinarischen Rasse, deren überwiegendes Kennzeichen hoher athletischer Wuchs sowie dunkle Haut- und Haarfarbe sind.“

Im Laufe der Jahrhunderte kamen immer neu Volksstämme, teils friedlich, teils mit Waffengewalt, in dieses Gebirgsland: um 400 v. Ch. die Kelten, um 113 v. Ch. die Zimbern, deren stürmischer Zug  im Jahre 191 v. Ch. in der Schlacht von Vercälla durch den römischen Feldherrn Marius endgültig gestoppt wurde. Kimbrische Sprachreste lassen sich noch heute in einigen Dialekten Südtirols nachweisen.

Doch zurück zu den Römern und ihrem Einfall in die Alpenprovinzen in den Jahren 16 und 15 vor Christi Geburt. Nach den eroberten Heeren kamen die Verwaltungsbeamten. Das Abendland wurde aufgegliedert in Rätien und Noricum, zwischen den der Zillerfluss die Grenze bildete. Es ist bezeichnend, dass gerade der Ziller immer wieder im Laufe der Geschichte eine solche Grenze darstellte – und sie auch heute noch ist, wenn wir an die Grenzen des Erzbistum und der Diözese Innsbruck (früher Brixen) denken.  Rätiens Grenzen im Süden reichte von Thinnebach  (Klausen) bis zur Töll bei Meran (telonium = Zollstation), Hauptstadt Rätiens war Augusta Vindelicorum, das heutige Augsburg.

Zwar konnte die Bevölkerung Tirols unter römischer Verwaltung ein relative friedliches Leben führen, und das durch mehrere Generationen hindurch, aber das Paradies auf Erden hatte auch diese Zeit nicht gebracht. Als der Hunnensturm die Völkerwanderung auslöste, wurde auch der Alpenraum intensiv und nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen. Vor den Hunnen flüchteten zahlreiche romanisierte Bewohner der bedrohten Gebiete in die relative Sicherheit des Berglandes, aber es kamen auch Franken und Goten, deren König Theoderrich als Dietrich von Bern (=Verona) noch heute nicht nur in der Geschichte, sondern in Sage und Legende bei uns lebendig ist und dessen Standbild wir jederzeit in der Innsbrucker Hofkirche bzw. am Laurinbrunnen in Bozen bestaunen können. Auch die Langobarden zogen durch das Land – und natürlich die Bayuwaren, die den stärksten Einfluss ausübten und bis heute unser Volk und unsere Sprache prägten. Die Bayuwaren waren aus den Markomannen in Böhmen hervorgegangen, die von den keltischen Bojer den Namen erhalten hatten. Sie besetzten zwischen 500 und 550 n.Ch. das Gebiet zwischen Inn und Lech, der ja bis zum heutigen Tag die Sprachgrenze zwischen bayuwarisch und allemannisch  bildet.  Alles, was außerhalb ihres sprachlichen und zivilisatorisch-kulturellen Einflusses lag, nannten sie „wälsch“, auch ein Wort, das selbst heute noch diesen leicht negativen Beigeschmack in sich trägt. Noch viele Jahrhunderte später bedeutet „Welsch“ alles Fremdländische, und wenn Kaiser Max 1490 die eingangs erwähnten Worte „clausen, schilt und porten der Teutschen gegen Welsche Nation“ gebrauchte, so meinte er nicht nur die Italiener, die auch wir heute noch die „Welschen“ (Walschen) nennen, sondern jeden Fremden außerhalb des Reiches.

Um 700 wurden im Süden Tirols erneut die Langobarden stark, die Pavia zu ihrer Hauptstadt machten. Seither sind bis zum heutigen Tag in diesen norditalienischen Provinzen (Lombardei nach den Lombarden benannt) noch immer erstaunlich viele blonde und blauäugige Bewohner zu finden.

Fürwahr eine ungewöhnliche Geschichte, die aber im ersten nachchristlichen Jahrtausend noch nicht ihr Ende fand, um Tirol – seinem Namen und seiner historischen Bedeutung im zweite Jahrtausend – zu seinem Recht zu verhelfen. 907 kam es zur großen Schlacht an der Leitha gegen die Magyaren, bei der der Bischof von Säben, Zacharius von Brixen, ums Leben kam. Wir werden später noch des Öfteren sehen, wie streitbar die Geistlichkeit  der römisch-katholischen Kirche war; sie reicht von diesem Zacharias über Pater Haspinger bis zu Bruder Wilram, und wenn wir weiter gehen wollen in der österreichischen Geschichte, sogar bis zu Bundeskanzler Prälat Ignaz Seipl.  Im Jahre 995 kam die große Revanche. Die Magyaren, ein ursprünglich fast reinrassiges mongolischen Reitervolk, wurden von Otto dem Großen im                            

Jahre 955 auf dem Lechfeld südlich von Augsburg geschlagen und in ihr letztes  Stammland, nach Ungarn, zurückgedrängt. Wieder kam eine lange Reihe von Jahrzehnten, in denen Tirol sich allmählich zu dem herauskristallisierte, was es zu Beginn des Jahrtausend wurde – erneut zu „clausen, schilt und porten“ nun aber bereits mit dem stolzen Namen „TIROL“

Aus dem „Land im Gebirge“ wird Tirol

Schon in vorchristlichen Zeiten hatte es Saumstraßen durch Tiroler Täler gegeben. Auf ihr zogen Händler, Pilger, Flüchtlinge und Heerscharen. Die Straße, die heute Tirols hervorragende internationale Verbindungen ausmachen, halten sich in weiten Teilen an jene uralten Pfade. Die Römer allerdings waren es, die unsere Täler mit verbesserten steinernen Straßen durchzogen, mit Römerstraßen und Römerbrücken, deren Spuren bis zum heutigen Tag erhalten sind. Darf ich wieder Lechleitner zitieren:

„Ausgangspunkt für die Römerstraße war Aquilea im Nordosten des heutigen Italiens. Sie  führten in einem westlichen Ast durch das Valsugan über Borgo nach Trient, wo sie  mit der wichtigsten Linie durch das Etschtal zusammentraf, die als Claudia Augusta von Bozen über Mais bei Meran durchs Vinschgau nach Mals über den Reschen ins Inntal führte. Bei Pontlatz (Pons Ladis Brücke bei Ladis) vom Mittelgebirge heruntersteigend, überquerte sie den Inn, erreichte die Gegend von Landeck und führte über den Fernpass ins Alpenvorland, das von der Donau als Nordgrenze des Römischen Reiches abgeschirmt wurde. Über den Brenner wurde die Römerstraße etwas später gebaut.  Sie benutzte zuerst den Weg über den Jaufen, der trotz seiner Höhe weniger Schrecken einflößte als die Schlucht von Bozen nach Waidbruck, die man später über den Ritten umging.“ Weiter führte diese Straße über den Brenner nach Matrei, wo sie sich teilte: eine Straße führte über Ellbögen noch Volders, die andere über den Schönberg nach Wilten (Veldidena). Der erste Straßenast führte weiter über Matzen ins Unterinntal nach Kufstein, die zweite bei Martinsbühel über Zirl und Partenkirchen wieder in das endgültige Ziel, das bayrische Alpenvorland.

Alle diese Orts- und Flurnamen entlang der Straßen finden wir beim Studium der Tiroler Freiheitskriege wieder. Alle diese „Klausen“, Dörfer und Straßen, wir finden Pontlatz ebenso wie Matrei, Scharnitz und Borgo, Zirl und noch viele andere. Es waren immer wieder die geographischen zwangsläufig vorgezeichneten Wege und Einfallsstraßen, die Tirols Feinde ins Land lockten. Sie galt es, als erstes zu befestigen und zu schützen. Aber wie?

Wir dürfen nicht vergessen, dass damals, so um die Wende vom ersten zum zweiten Jahrtausend nach Christi Geburt, Tirol noch immer ein namenloses Land war, ohne festgefügte Herrschaft, ein Konglomerat von Stämmen und Völkern und Dialekten, zwar bereits geeint durch das Christentum, das nicht nur römische, sondern auch irische und germanische Glaubensboten verbreitet hatten, aber aufgesplittert in vielerlei Ansprüchen von Rittern, Burgherrn, Bischöfen und Lehensherrn.

Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass die Verteidigung dieses Landes unmöglich einheitlich zu vollziehen war, dass jeder Ritter seine Burg, jeder Graf seinen Besitz, jeder Bauer seinen Hof selbst zu verteidigen hatte. Aber mit welchen Mitteln: das Pulver war noch nicht erfunden, Kanonen und „Püxen“ waren unbekannt, Spieß und Bogen, Schwert und Streitaxt waren die einzigen Waffen, wenn man von der Unbill (Unannehmlichkeiten) der Bergwelt und der Witterung, den reißenden Strömen und den Sümpfen und Wäldern absieht.

Trotzdem dürfen wir uns Tirol zu jener Zeit nicht als barbarisches, unzivilisiertes Land vorstellen. Bereits im 9. und 10. Jahrhundert entstanden stattliche Kirchen, wurden die Grundlagen der späteren Märkte und Städte geschaffen, entstanden Klöster und in ihrem Gefolge neue Siedlungen. Der Handel blühte weit über die Grenzen Tirols hinaus, ebenso die kulturelle, geistige und religiöse Erneuerung. Die Sümpfe in den Talniederungen wurden

entwässert, die Wälder gerodet (viele Ortsnamen künden davon; Ried, Reith, Reutte u.a.), man brannte ganze Wälder nieder, um fruchtbares Ackerland zu erhalten. Das Wort „Asche“ kommt in mehr Tiroler Namen vor, als man glauben möchte: Aschau, Aschen, Aschwald, aber auch Brand, Schwand, Schwend u.v.a. Zwar hatten nun Orte und Fluren ihre Namen, aber das gesamte Land trug immer noch die Bezeichnung, die auf viele Landstriche in den Alpen passte, „Land im Gebirge“. Wann bekam es den herrlichen, wohlklingenden Namen Tirol?

Wir müssen bis Karl dem Großen zurückgehen, der ja zu seiner Königskrönung im Jahre 800 durch Tirol nach Rom gezogen war. Ihm verdankt das fränkische Reich die Einteilung  in kleinste Verwaltungsbezirke, die sogenannten Grafschaften oder Gaue. Die Bezeichnung Gaue ist noch heute in vielen Teilen Tirols und Salzburgs lebendig: Vinschgau, Pinzgau,. Pongau, Tennengau u.a. Und hier finden wir etwas, was sich bis weit in die Neuzeit erhalten hat: dass aus einem solchen Gau im Kriegsfall bis zu tausend Mann „aufgeboten“ werden konnten.  Hier erscheint bereits das erste Mal das Wort vom „Aufgebot“, das wir in seiner stolzesten und gleichzeitig tragischen Form im „Letzten Aufgebot“ 1809 und 1915 wiederfinden. Wir sehen also bereits hier, dass Tirols Landeverteidigung in einer eigentümlichen und eigenständigen Form auf über tausend Jahre zurückgeht. Aber wir sehen noch mehr: dass die Verteidigung dieses „Landes im Gebirge“ in Jahrhunderten zu einer Selbstverständlichkeit geworden war, dass die Menschen, die dieses Land bewohnen, bereit waren, schon um 800, es zusammen mit ihren Landesherren, Grafen und Burgherren zu verteidigen. Ich glaube, man geht nicht fehl, wenn man annimmt, dass Kaiser Maximilians Landlibell, 1511 geschrieben, auf  solche Überlegungen beruhte, dass man dieses Volk nicht für fremde Kriegsdienste zwingen konnte, sondern dass man an besten fuhr, wenn man es ausschließlich zur Verteidigung seiner eigenen Heimat einsetzte. Man gewann damit zweierlei – das Land wurde nicht entvölkert, wie man seine stärksten und gesundesten Männer zu Waffendiensten in ferne Länder rief, und diese Männer waren die besten Krieger, weil sie ja ihr eigenes Hab und Gut verteidigten. Mag Karl der Große auch als „Sachsenschlächter“ in die Geschichte eingegangen sein, für Tirol war seine Verwaltungseinteilung ein Segen. Aber gegen Tirol hat er ja auch nicht Krieg geführt …

Doch dürfen wir hier nicht stehen bleiben. In der karolingischen Gliederung erhielten die Gaugrafen auch noch andere Vollmachten, die vor allem jene „Freien“ betrafen. Die Grafen waren berechtigt, alle „Freien“ zum Heerbann, Gerichtsbann und zum Verwaltungsbann aufzurufen – und das im Namen des Königs. Unter „Bann“ verstand man das Recht des Königs, zu ge- und zu verbieten, also nicht nur Negatives, wie wir es mit dem Wort „Verbannung“ noch kennen. Man verstand darunter aber auch das Ge- und Verbot selbst. Falls Kriegsgefahr drohte, hatten die Grafen das Recht, alle Freien zum Krieg aufzurufen; drei oder vier Hufen (eine Hufe war der Anteil einer Bauernfamilie an der gesamten Gemeindeflur) hatten einen Wehrpflichtigen auszurüsten.

Anders wurde es in der Ottonischen Zeit (Mitte des 10. bis in das zweite Viertel des 11. Jahrhunderts) als das Lehnwesen immer größere Bedeutung erhielt. Um den fortgesetzten Kriegsdienst und den damit verbundenen Kosten zu entgehen, konnte man sein Gut von einem starken Herrn zu Lehen nehmen und dessen Vasall werden. Allmählich wurde dieses Lehen sogar erblich und die Lehensinhaber wurden ermächtigt, im Kriegsfall ihre Leute selbst aufzubieten, ja selbst die Gerichtsbarkeit auszuüben und auch die Verwaltungsgeschäfte. Verbunden damit waren verschiedene „Regalien“ (Königsrechte), wie etwa das Zollregal, das Münzregal und das Bergwerksregal. Allein daraus ersieht man, dass die königliche Macht im gleichen Ausmaß sank, in dem die einzelnen Landherrn und Landesfürsten an Machtfülle gewannen. Kein Wunder, dass ein Mann wie Otto der Große auf einen Ausweg sann. Er fand ihn, indem er diese Machtfülle auf die Geistlichkeit übertrug, die, da die Äbte und Bischöfe ja kinderlos waren, ihr Lehen auch nicht mehr weitervererben konnten. Als sein Interesse immer mehr auch auf Italien übergriff und er das Heilige Römische Reich gründete, wobei das „Land im Gebirge“ eine immer größere Bedeutung erhielt, da gab es an dieser Nord-Süd-Achse eigentlich nur noch drei große Machthaber. Es waren dies die Bischöfe von Säben, Trient und Chur.

Aber diese kirchliche Herrschaft konnte sich nicht auf Dauer halten. Die meist adeligen Bischöfe übergaben die Herrschaftsgewalt immer häufiger ihren weltlichen Verwandten, wodurch die einzelnen Grafen erneut zu Macht kamen. Die Kirche jener Zeit war durch zahlreiche innere Konflikte in sich uneins. Vom burgundischen Kloster Cluny ging eine starke Bewegung aus, die sich gegen die Verweltlichung der Kirche und des Klerus wandte, vor allem gegen die Sidonie, worunter man die Erwerbung kirchlicher Würden durch bares Geld oder großzügige Schenkungen verstand, und gegen die Laieninvestitur, d.h. die Einsetzung kirchlicher Würdenträger durch weltliche Machthaber.

Man verzeihe mir diesen historischen Ausflug in die weltliche und kirchliche Politik jener Zeit, aber es ist notwendig, will man genauer erkennen, wie sich das „Land im Gebirge“ wandelte, wie der Einfluss der Kirche auch hier ungemein stark wurde und welch politische Macht sie ausübte.  Es bedurfte, heute würden wir sagen: internationaler Gegenbewegungen, um diese Macht wieder in weltliche Hände zu legen. Für unser Land wurden vier Adelsgeschlechter von Bedeutung: die Grafen von Hirschberg, die Grafen von Andechs, die Grafen von Eppan und die Grafen von Tirol. Aber noch ein fünftes Geschlecht sollte, kurze Zeit später, zu Bedeutung gelangen – die Grafen von Görz.

Den Andechsern, die ausgedehnte Besitzungen im Inntal zwischen der Melach und dem Ziller hatten, verdankt Innsbruck seine Entstehung als Markt und als Stadt, den Tiroler Grafen verdanken wir den Namen unseres Landes, aber auch dank der klugen Politik vor allem zweier von ihnen, Albrecht III. und seinem Enkel Meinhard II., eine feste Bindung der verschiedenen Landesteile an das Land.  Durch Ehen wurden die Görzer wie die Andechser an die Tiroler Grafen gebunden. Das Tirol, das sich durch Jahrhunderte hindurch behaupten sollte, erhielt allmählich Gestalt.

Aber so kompliziert, wie sich diese Formung vollzogen hatte, ging es bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts weiter. Denn dieses Land Tirol war von so eminenter politischer und wirtschaftlicher Bedeutung, vor allem durch seine ideale Lage als Durchzugsland zwischen Nord und Süd, Ost und West, dass sich immer  mehr außen stehende Herren für dieses Land „interessierten“. Die Wittelsbacher, die Habsburger und die Luxenburger, die einen in Bayern, in der Kurpfalz und in Brandenburg ansässig, die anderen in Österreich und den schwäbischen Erblanden, die dritten schließlich im eben gewonnenen Böhmen. Der Streit zwischen diesen dreien, bei dem es nicht nur zu politischen Heiraten, sondern auch zum Krieg kam, wurde bis ins Herz Tirols vorgetragen.

Der damaligen Landesregentin in Tirol, Margareta Maultasch, blieb letztlich nichts anderes Übrig, als im Jahre 1363 jenen Schritt zu tun, der sich bis zum heutigen Tag ausgewirkt hat. Im Jänner dieses Jahres übergab sie im Einverständnis mit ihren Räten Herzog Rudolf IV. von Habsburg („dem Stifter“) „Land und Herrschaft zu Tirol. An der Etsch, im Gebirg und im Inntal“. Tirol war österreichisch (habsburgisch) geworden. (Süd-Tirol leider heute italienisch)

Wehrpflicht und Landesverteidigung

Noch ehe Tirol zur Herrschaft Österreich kam, gab es sehr klare Richtlinien, nach denen das Landvolk in Kriegszeiten zur Wehr und Waffen zu greifen hatte. Für Bozen und das Gericht Terlan war z.B. schon 1296 festgelegt, dass sowohl Stadtbürger als auch die Bewohner der Landgerichte zur Heerfahrt für den Landesfürsten verpflichtet werden konnten. In alten

Dokumenten finden wir, dass mehrfach Haller Bergknappen, Bauern und Salinenarbeiter „auf Reisen“ (d.h. auf Kriegsfahrt) im Süden des Landes oder in Norden gegen Bayern eingesetzt waren, einmal sogar auf die Dauer von drei Monaten. In einer Urkunde von 1406 wird der Dienst erwähnt, den zusammen mit Herren, Rittern und Prälaten auch „alles Landvolk“ der Grafschaft Tirol „gegen Lamparten“ also in der Lombardei, geleistet hatten. Laut Landtagsabschied von 1424 wurde genau festgehalten, wann Stadt und Gericht den Landesfürsten ihre Mannschaften gegen äußere und innere Feinde zu stellen hatten. Gleichzeitig wurde bestimmt, wer als „wehrlich Mann“ galt.

Dabei war diese Wehrverfassung im Osten der Alpenländer anders als im Westen. Dort waren Bauern Erbuntertanen der Grundherren, die fast überall die niedere Gerichtsbarkeit ausübten und auch auf dem Gebiet der Verwaltung über obrigkeitliche Befugnisse verfügten, wie z.B. über das Steuerwesen, aber auch über die Durchführungen des Aufgebotes im Kriegsfall.

Im Westen jedoch, und hier vor allem in Tirol, galten alle Bauern als persönlich frei. Sie unterstanden dem Grundherrn nur in rein sachrechtlicher Hinsicht, was jedoch dank der günstigen Form der Erbleihe nicht als belastend empfunden wurde. Politisch gesehen waren sie Untertanen nicht der Grundherren, sondern des Landesfürsten. Dazu kam noch eines: das ganze Volk galt als wehrhaft und das Landesaufgebot hatte eine wesentlich höhere Bedeutung als etwa in den Ostalpen. Die Wehrpflichtleistung nicht nur im engsten Heimatbereich, sondern auch an den Landesgrenzen und sogar darüber hinaus war allgemein üblich und hing damit zusammen, dass  das Volk unter der Schirmherrschaft des Landesfürsten stand und der Wehrdienst eine Art Ehrenpflicht darstellte.

Außerhalb Tirols gab es Schützenlehen und auch Schildhöfe, aber ebenso ein allgemeines Landesaufgebot. In Salzburg z.B. musste im Fall der „Landnot“ jeder zehnte Mann zur „Landfahne“ einrücken. In der Steiermark hatten die Grundherren ja nach Größe der Gefahr jeden 30. 10. oder 5. Mann ihrer Untertanen aufzubieten, was in der Zeit der Türkenkriege öfter notwendig wurde. Aber im Gegensatz zu Tirol fürchtete man in diesen Ländern – nicht zuletzt wegen der häufigen Bauernaufstände – den allgemeinen Waffenbesitz des „gemeinen Volkes“. Man förderte dieses Aufgebot daher nicht so, dass im Kriegsfall neben den Söldnern, den Berufssoldaten jener Zeit, eine ernsthafte Rolle spielte. (Noch im Jahre 1797 konnte man etwa in Salzburg nicht an einen bewaffneten Widerstand des ganzen Volkes denken wie in Tirol). Ähnlich wie den Schweizer Bauernkantonen gab es auch schon damals in Tirol allgemeine Waffenübungen, und ähnlich wie dort die Schweizer über die habsburgischen und burgundischen und burgundischen Reiterheeren gesiegt hatten, so entschieden z.B. die Etschländer Bauern den Krieg zwischen Herzog Friedrich IV. und dem aufständischen Tiroler Adel durch den Sieg von Greifenstein bei Bozen zugunsten ihres Landesherrn.

Tirols alte Verfassung der Landstände hatte vom 13. bis zum 19. Jahrhundert Gültigkeit, eine Tatsache, die erst erklärlich macht, wie es zu den fortgesetzten, oft erstaunlichen Siegen der Tiroler über reguläre Truppen kommen konnte. 1342 bestätigte Herzog Ludwig von Bayern, Markgraf von Brandenburg, im „Großen Freiheitsbrief“ bei seinem Regierungsantritt als Graf von Tirol den Tiroler „Landesleuten“ oder, wie es sagte, der Tiroler Landschaft“ jene Rechte, die sie seit Herzog Meinhard gewohnheitsgemäß besessen hatten. Darin heißt es u.a.: Der Landesfürst soll die Grafschaft Tirol handeln und haben nach dem Rat der Beste, die in ihr gesessen sind, und auch das Recht bessern nur nach ihrem Rat, d.h. eben auch den Vertretern der „Landschaft“ ein Mitspracherecht in der Regierung und Gesetzgebung einräumen. Außerdem wurde festgehalten, dass keine Burg des Landes einem Ausländer verliehen werden sollte. Wer dächte dabei nicht an das heute umstrittene Grundverkehrsgesetz….

In den Jahren vor der Ausstellung des großen Freiheitsbriefes hatte Tirols Landvolk immer wieder zu den Waffen greifen müssen. So ist uns aus dem Jahre 1336 überliefert, dass Karl von Mähre, der für seinen Bruder Johann die Regierung der Grafschaft Tirol führte, der „Bauernschaft in dem Gerichte auf dem Gau bei Hall (= Thauer) die Dienste bestätigte, die sie „auff der Rayse“, also auf dem Kriegszuge gegen den Herzog von Bayern bis an die Klause von Auerberg nördlich von Kufstein geleistet hatten. Sicher war für diese „Rayse“ auch andere Tiroler Aufgebote mobilisiert worden, denn in den Weistümern etwa der Gemeinde Wattens und Kolsaß des 15. Jahrhunderts, also aus dem Rettenbergischen Gericht, wird für die bäuerlichen Hausbesitzern angeordnet, dass sie zu den „Taidingen“ mit ihrer „besten Wehre“ zu erscheinen hatten, ein Beweis dafür, dass sie allesamt bewaffnete waren, wie in übrigen Tirol.

Im Jahre 1406 erließen die Landesfürsten Leopold IV. und Friedrich IV: einen neuen Freiheitsbrief, in dem auch der Kriegsdienst des Tiroler Adels genau umrissen wurde, nämlich unentgeltlich auf Grund der Lehenspflicht nur auf einen Monat „bis an die Gemark (Grenze) des Landes“. Wie genau die Landesfürsten diese Wehrpflicht auch schriftlich festlegten, möge ein Beispiel aus dem Jahre 1448 ersichtlich machen. In jenem Jahr fällte Landesfürst  Herzog Sigmund einen Schiedsspruch zwischen Wattens, Kolsaß und Volders einerseits und den Leuten auf dem Kosaßberg andererseits. Letztere sollten für das Schloss Rettenberg Holz schlagen und liefern sowie andere Arbeiten am Schloss verrichten, dafür sollten sie von Steuern und „Raysen“, also Kriegszügen befreit sein, soweit diese Züge außerhalb ihrer Gemeindgrenzen geführt würden. Bei Kriegen „im Hause“ jedoch, also im Bereich des Schlosses Rettenberg, sollten sie zur Bewachung und Verteidigung bereit sein. Das waren Verpflichtungen, die auch sonst die „Burgfrieder“, das sind alle die in der Nähe einer Burg lebenden Bauer, hatten, wofür sie jedoch vom Auszug außerhalb der Gemeinden, und von der Landessteuer befreit waren. Die drei anderen Gemeinden, also Wattens, Kolsaß und Volders, so hieß es weiter, sollten jedoch „dem Landesfürsten getreulich Steuern und raysen nach ihrem Vermögen“. Das bedeutete nicht anderes, als dass in Tirol, wie das Beispiel aus der Geschichte Rettenberg beweist, eine Landwehrpflicht der Bauern bestanden haben.

Dies kam nicht von ungefähr. Schon sehr viel früher, noch zu Margareta Maultasch Zeiten, hatten sich die Aufgebote bestens bewährt. Nachdem die Landeherrin Tirol ihr Land 1363 den Habsburgern überantwortet hatte, fielen die Bayern, die diesen wertvollen Happen gerne verschlungen hätten, in Tirol ein, um es mit Waffengewalt Österreich zu entreißen, 1364 bestätigte der deutsche Kaiser Karl IV. die Schenkung Tirols an das Haus Österreich, aber als 1365 Rudolf der Stifter, der neue Herr Tirols, in Mailand im Sterben lag, fielen die Bayern erneut ein, zogen durch das Unterinntal bis Zirl und ließen zahlreiche Orte in Flammen aufgehen. Inzwischen war Herzog Albrecht III. als Tiroler Landesfürst rechtmäßiger Nachfolger Rudolfs geworden. Zusammen mit dem Bischof von Brixen, Johannes von Lenzburg, der  früher Kanzler der österreichischen Herzoge gewesen war, rief er, wie es seit altersher der Brauch gewesen war, die Bauern des südlichen Tirol zu den Waffen. Zwischen Brixen und Matrei wurden zahlreiche Schanzen erbaut – wie noch oft in den späteren Jahrhunderten -, und mit „Preganten“ (aufgebotene Landleute) besetzt. Obwohl die Bayern inzwischen bereits bis zum Brenner vorgestoßen waren, gelang es den Südtirolern, die Feinde bis Matrei zurückzuwerfen, wo sie sich in den Schlössern Trautsohn und Raspenbühel festsetzten. Der Kampf um das Erbe Margareta Maultasch dauerte volle fünf Monate, in denen es dem Bischof von Brixen, der mit 125 geharnischten Reitern und 85 Mann Fußvolk die beiden Burgen belagerte, nicht gelang, die Bayern zur Übergabe zu zwingen. Erst als Herzog Leopold, der Bruder des Landesfürsten, mit einem Heer anrückte, konnte Matrei entsetzt werden. Wie hart der Krieg das Volk traf, beweist vielleicht am besten die Tatsache, dass in Matrei für den Bau der Schanzen 22 Häuser abgerissen werden mussten. Aber der Krieg zog sich noch bis 1369 hin, dann konnte Herzog Leopold III. in Schärding endlich Frieden mit den Bayern schließen, nachdem sie sich endgültig bereit erklärt hatten, auf die Erbansprüche Tirols zu verzichten. Dass dieser Verzicht alles eher als „endgültig“ war, beweisen die vielen späteren Kriege in denen Bayern erneut seine Hände nach Tirol ausstreckte.

Ich habe oben erwähnt, dass es außerhalb Tirols, etwa im Salzburgischen, Schützenlehen und Schildhöfe gegeben hat. Solche Schildhöfe gab es auch in Tirol. Der erste derartige Schildhofbauer wird erstmals 1317 in Saltaus im Passeiertal erwähnt. Es war Landesfürst Heinrich, ein Sohn Meinharrs II., der diese Art Bauernwehrhaftigkeit einführte. Die Schildhofbauern, von denen es damals im Passeier bereits zehn gab, die aber auch in Nauders, auf dem Ritten, auf dem Tschöggelberg und bei Lienz sesshaft waren, hatten dem Landesfürsten zu jener Zeit mit Waffen und Pferden  und Mannschaften zu dienen, wofür sie von den Steuern befreit waren und nach Belieben jagen und fischen konnten. Sie erhielten sogar das Privileg mit ihren Waffen zur Kirche zu gehen. Ihre Rechte hielten fast 450 Jahre lang an, bis in die Zeit Josephs II.

Seit dem 14. Jahrhundert waren die Landgerichte auch die organisatorische Grundlage für die Landesverteidigung. Obwohl das eigentliche Schützenwesen in unserem Land, wie es sich in Tirol bis heute erhalten, erst im 15. Jahrhundert aufkam, gab es bereits lange Zeit vorher Veranstaltungen wehrhafter Männer zum Zwecke der Schießausbildung. Wer z.B. als Bürger von Hall aufgenommen werden wollte, musste den Besitz einer Armbrust und später einer „Puxe“ nachweisen. Nach Leopold Wagner („Hall in Tirol – gestern, heute, morgen“) benützten die Haller Stachelschützen bereits um 1300 außerhalb der Stadtmauern beim Kapellentor eine Bauhütte und die Pygarwiese südlich des Sparbereggs als Zielstatt. 1424 wurde die Sebastian-Schützenbruderschaft gegründet und schon 1432 fand das erste Freischießen statt, für das die Stadtgemeinde als Bestgabe goldene Ringe, verzierte Fahnen, Ochsen und Widder stiftete.  Der nächste Schießstand wurde bei der alten Glashütte gebaut. Die Gegend erhielt von nun an den Namen „Scheibenegg“. Die „Salzamtliche Schützenkompanie“, die sich aus Salinenarbeitern und Bergknappen zusammensetzte, hatte am Kugelanger ihre Zielstatt.  

Überhaupt hatten die Städte besondere Pflichten hinsichtlich ihrer Verteidigung. Die meisten hatten Ringmauern und Wehrgänge. Otto Stolz schreibt in seiner „Geschichte der Stadt Innsbruck“:

„Die Bürger waren zur Bewachung und zur Verteidigung der Stadt im Falle eines Angriffes verpflichtet. In einer landschaftlichen Urkunde von 1276 wird dies bereits angedeutet und in einer weiteren von 1378 eingeschärft, dass dies, ebenso wie für die Altstadt, auch für die Vorstädte gelte. Die Einwohner von Innsbruck und Hall hatten aber nicht nur ihre Städte zu verteidigen, sondern auch zum allgemeinen Landesaufgebot, das bei Feindgefahr an die Grenzen des Landes ausrückte, mitzutun. Aus Urkunden wissen wir, dass die Bürger von Innsbruck und Hall bei den Kriegen, welche die Herzoge von Österreich gegen jene von Bayern in den Jahren 1363 bis 1369 und 1410 zu führen hatten, nicht nur ihre Städte tapfer verteidigt hatten, sondern auch ins Unterinntal bis zur Landwehr bei Tratzberg ausgerückt sind. Ich haben bereits in veröffentlichten b.z.w. in kommenden Sandwirtsbriefen bei denen es immer „UM DIE FREIHEIT Tirols“ geht nachgewiesen, dass gerade auch die Stadtbewohner im Laufe der Geschichte stets ihren Mann stellten, wenn es galt, das Land und seine Freiheit zu verteidigen.

Aus Lienz  ist uns überliefert, dass die Bewohner der Stadt u.a. einen „Mauerrobot zu leisten hatten, was die Verantwortung für die Erhaltung und ständige Ausbesserung der städtischen Befestigungsanlagen bedeutete. Außerdem hatten die Bürgerschaft durch „tägliche Zirk“ (Rundgänge) und der Bereitstellung  von Wachen die Sicherheit der Stadt und der

Befestigung wahrzunehmen. In Kriegszeiten musste sie dem  Burggrafen und später dem Stadthauptmann von Lienz je nach Einschätzung und Musterung zu Fuß oder zu Pferd ins Feld folgen. Nach einer Musterliste aus dem Jahre 1410 waren es 20 Mann, die für den Waffendienst zu Pferd ausrücken mussten. Außerdem waren die Bürger verpflichtet, durchziehende eigenen Truppen Quartier zu geben und dem Troß, je nach Bedarf, Vorspanndienst zu leisten.

Aus jenen früheren Zeiten der Tiroler Geschichte wissen wir nicht ganz genau, wann jeweils die Notwendigkeit bestand, ein Landesaufgebot einzuberufen, aber es dürfte öfter der Fall gewesen sein, als unsere Geschichtsbücher verkünden. Denn in den Verwaltungsarchiven finden sich aus dem 13. und 14. Jahrhundert immer wieder Verträge, aus denen hervorgeht, dass da und dort Wiedergutmachungen geleistet worden sind, die auf Grund feindlicher Einfälle notwendig geworden waren.

Das ausgehende Mittelalter, jene Epoche, da in Europa die Grundsteine für herrliche Kathedralen gelegt wurden, da die allgemeine Begeisterung für Kreuzzüge alle Lande ansteckte, war sicherlich nicht jene stille gottbegnadete Zeit, als die sie uns manche Minnesänger und Mönche dargestellt haben.  Aber es war zweifellos eine Zeit, in der auch Tirol und Tirols Bevölkerung ihren Stellenwert in der Geschichte und in der Politik Europas zu erkennen begannen. Und den Wert der Freiheit in einer Welt, die voll äußerer und innerer Feinde war.

„Um Tirols Freiheit“ wurde viel gekämpft, auf dem Schlachtfeld ebenso wie in der Ideologie. Heute müssen wir diesen „Freiheitskampf“ nicht mehr mit Schwertern, Sensen, Morgensternen und Dreschflegel führen, auch nicht mit Landsturmregimentern, Panzern und Abfangjägern, sondern mit der Einsicht, dass dieses Tirol (Gesammttirol) aus seiner Geschichte und aus seinem Glauben die Kraft haben muss, beispielhaft der Welt zu zeigen, dass Freiheit für unseren südlichen Landesteil auch in einer unheiligen Welt ein heiliges Wort sein kann. Wir wolle der Welt durch Selbstbestimmung zeigen, wie sehr die Sehnsucht nach dieser Freiheit noch in uns lebendig ist, auch wenn sie Opfer verlangt. Aber es sind Opfer, zu denen im Laufe der Geschichte hunderttausende Tiroler bereit waren und heute immer noch breit sind.

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