Die Venediger Kriege

650 Jahre Tirol bei Österreich. Leider nicht mehr das ganze Tirol - Südtirol,  Welschtirol  und noch andere Gebiet gingen verloren und wurden zwangsweise an Italien angegliedert. Wie kamen Riva (Reif) Rovereto (Rofreit), Ala und Ampezzo (Haiden) zu Tirol.

Vorgeschichte:

Das 15. Jahrhundert in Tirol war geprägt durch drei Personen – Friedl mit der leeren Tasche, seinem Sohn Sigmund, den man im Gegensatz zu seinem Vater „den Münzreichen“ nannte obwohl er nie mit seinem Geld auskam, und schließlich durch den Habsburger Maximilian, den einzigen Sohn Kaiser Friedrichs. Alle drei prägten Tirol nicht nur in seiner Ausdehnung, sondern auch in seiner ständischen Verfassung und auch hinsichtlich der Landeverteidigung. Denn es waren unruhige Zeiten, die Tirol in diesem Jahrhundert erlebte.

Friederich hatte, im Gegensatz zu Maximilian, weniger unter äußerlichen als unter innerlichen Feinden zu leiden. Die Rivalität der Adelsgeschlechter, die ihren Elefanten- und Falkenbund zu einer verschworenen Gemeinschaft gegen den Landesfürsten ausgebaut hatten, war jedoch nur ein Teil seiner Schwierigkeiten. Fast noch größer waren die berüchtigten kirchlichen Auseinandersetzungen, gab es doch um 1410 gleich drei Würdenträger, die vom Konzil von Pisa abgesetzt wurden, das Alexander der V. zum neuen Papst wählte. Als Alexander V. 1419 starb, wurde Kardinal Baltasar Cossa als Johannes XXIII, sein Nachfolger – allerdings auch nur als Gegenpapst, da die beiden anderen Päpste die Entscheidung des Konzils nicht anerkannt hatten. 1414 berief Kaiser Sigismund, König von Ungarn und Böhmen und Kurfürst von Brandenburg, das Konzil von Konstanz ein; hier sollte endlich der Streit der Päpste beigelegt werden und die Christenheit wieder geeint werden, vor allem deshalb, weil ja die Reformation – Hus in Böhmen z.B. – aber auch der immer heftiger das Abendland bedrohende Islam (so wie heute) echte Gefahr für Religion und Reich darstellten.

Aber es kam noch schlimmer. Kardinal Cossa, der unter dem Schutz von Friedrich, dem Tiroler Landesfürsten stand, vermochte in Konstanz seine Politik nicht durchzusetzen, als einziger Papst aus dem Konzil hervorzugehen, ja, er sah sich sogar veranlasst, aus Konstanz mit Friedrichs Hilfe zu fliehen. Kaiser Sigismund tobte und sprach über Friedrich die Acht aus, über das Konzil den Bann.

Was nun folgte, war Plünderung der Besitztümer des Landesfürsten, wie es die Geschichte noch nicht gesehen hat. Zahlreiche Tiroler Adelige, vor allem die Starkenberger (heute braut man dort eingutes Bier) und die Wolkensteiner, aber auch die Schweizer fielen über Friedrichs Güter her, der Thurgau ging in die Hände der Eidgenossen über, bis Friedrich nicht mehr anders konnte. Er stellte sich dem Konzil und dem Kaiser (April 1415), der den Tiroler Landesfürsten sofort in Gewahrsam nahm. Über ein Jahr lang blieb Friedrich Gefangener des Kaisers. Aus jener Zeit stammt das Spotwort vom „Friedl mit der leeren Tasche“, dann aber gelang ihm die Flucht. Unter abenteuerlichen Bedingungen floh er aus Konstanz über Vorarlberg, das Kaunertal und das Ötztal nach Meran. Er wusste aber auch, dass ihm die Bevölkerung Tirols treu ergeben war und auf seinen gefahrvollen Wegen über die Alpen hatte er immer wieder Zeugen dieser Treue gefunden. (Die Rofnerhöfe im Ötztal sind seit jener Zeit Schildhöfe). So kam es, dass es wieder die Bauern waren die an der Seite des Landesfürsten gegen den Adel antraten – und letztlich siegten. Selbst Kaiser Sigismund musste Friedl mit der leeren Tasche von Acht und Bann befreien. Für Tirol verloren blieben jedoch die Gebiete

von Thurgau und Schaffhausen. Der Kampf gegen  den Tiroler Adel dauerte allerdings mit Unterbrechungen bis 1426, als die Starkenberger sich nach langer Belagerung ihrer Burg Greifenstein ergaben und sich Herzog Friedrich unterwarfen.

Als Friedl mit der leeren Tasche im Alter von 57 Jahren starb, war sein Sohn Sigmund erst 12 Jahre alt. Vormund wurde Herzog Friedrich von der Steiermark, der spätere Kaiser Friedrich III. der Sigmund mit nach Graz nahm und ihn dort ausbilden ließ. Als Sigmund 1446 endlich nach Tirol kam, strömte das ganze Volk zusammen. Im Triumphzug wurde er durch Innsbruck geführt. Sigmund wurde ein guter Landesherr. Eine seiner größten Leistungen war die Münzordnung von 1449, die Tirol zu einem der bedeutenden Länder Europas auf dem Gebiet  des Münzwesens machte. Kein Wunder, dass man ihn den Ehrentitel „der Münzreiche“ verlieh. 

Schon 1420 hatte, Sigmunds Vater, Friedrich, die landesfürstliche Residenz von Meran nach Innsbruck verlegt, nicht zuletzt deshalb, weil Innsbruck näher bei den reichen Bergwerken Schwaz und Hall lag. Das Bergwerkwesen steigt unter Sigmund sprunghaft an. In manchen Jahren sollen an die 10.000 Bergknappen in Tirol tätig gewesen sein. Sigmund war tatsächlich der „Münzreiche“, und die große Zahl an Schlössern, die seinen Namen tragen, beweisen diesen Reichtum: Sigmundslust, Sigmundsburg, Sigmundskron, Sigmundsfreud und Sigmundsried.

Aber leider hielt Herzog Sigmund nicht, was er ursprünglich versprochen hatte. Mag sein, dass ihm der Reichtum in den Kopf gestiegen war, mag sein, dass es charakterliche Mängel waren, jedenfalls warf er das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinaus, kümmerte sich immer weniger um die Regierung, dafür umso mehr um die Jagd und Fischerei und um die „Schönheiten des Landes“, wie Lechthaler es nannte. Immerhin brachte es der Landesfürst auf rund 40 uneheliche Nachkommen.

Bei solchen „Geschäften“ war es nicht verwunderlich, dass auch der reichste Landesherr in Finanzschwierigkeiten geriet. Lassen wir wieder Lechthaler zu Wort kommen, der die folgenden Ereignisse in prägnanter Sachlichkeit und Kürze schildert.

 „Die ständigen Finanzschwierigkeiten veranlassten Sigmund, bei den Herzogen von Bayern Geldanleihen zu tätigen, wofür er ihnen wichtige Schlösser im Unterinntal als Pfand verschrieb. Aus demselben Grund entstand der Krieg gegen Venedig, die ehemalige Großmacht am Mittelmeer. Die gewissenlosen Räte des Landesfürsten sahen darin einen rettenden Ausweg aus ihren Geldnöten (ein in der Geschichte häufig wiederkehrender Kriegsgrund), die Herzoge von Bayern wiederum begrüßten den Krieg, weil sie Sigmund dadurch in noch weitere finanzielle Abhängigkeit zu bringen gedachten und mit einer Verpfändung ganz Tirol rechneten. Der damalige Bischof von Trient, Ulrich von Frundsberg, war kriegerischen Sinns und verhoffte von einem solchen Unternehmen Vorteile für sich“.    

Aus diesen wenigen Sätzen erkennt man die ungeheure Leichtfertigkeit, mit der Sigmund und seine Räte den Krieg vom Zaun brachen.  Die Kämpfe begannen 1487 mit der Aneignung der venezianischen Silberbergwerke im Valsugana und der Beschlagnahme venezianischer Handelsgüter in Tiroler Städten, ein Zeichen dafür, dass es sich um einen reinen Beutefeldzug handelte. Aber nicht nur Sigmund wollte sich selbst bereichern, auch zahlreich andere waren gierig auf die Beute.

Die bayrischen Herzöge ebenso wie Maximilian, Sigmunds Vater, damals bereits Römischer König, später „Kaiser Max“ und Tiroler Landesherr, der 1508 einen zweiten Venediger Krieg bestreiten sollte.

Die Venediger boten alles auf, diesen „tirolerischen Überfall“ zu verhindern bzw. zu rächen. Aber als sie in den Raum Trient eindrangen, wurden sie innerhalb kürzester Zeit zurückgeschlagen und mussten sogar ihre Festung Rovereto (Rofreith) mitsamt der Stadt dem Tiroler Feldhauptmann Gaudenz von Matsch ausliefern.

Aber die stolzen Venezianer ergaben sich noch nicht. Sie stellten den erfahrenen Söldnerführer Roberto San Severino an die Spitze einer beachtlichen Streitmacht, die ins Etschtal vorrückte. Aus strategisch unerklärlichen Gründen rückte Gaudenz von Matsch, der auf der anderen Etschseite sein Feldlager aufgeschlagen hatte, plötzlich ab, gefährdete

dadurch die Stadt Trient, die Gefahr lief, den Venezianern in die Hand zu fallen, das aber traten die Tiroler auf den Plan. Stadthauptmann Friedrich von Cappel von Trient, der diese drohende Gefahr erkannte, sammelte seine Truppen, machte einen Ausfall und bereitete dem Gegner am 10. August 1487 bei Callino eine vernichtende Niederlage. Die Venezianer verloren 5000 Mann, die Tiroler nur ein Zehntel davon. San Severino, der venezianische Feldherr, ertrank in der Etsch, als er seine fliehenden Truppen auf der Etschbrücke aufhalten wollte.

Mit diesem Sieg war der erste Venediger Krieg zu Ende. Friedrich von Cappel wurde geadelt, die habgierigen Räte des Landesfürsten wurden entlassen, der Friede mit Venedig wurde dadurch gesichert, dass die einstigen Besitzverhältnisse wieder hergestellt wurden. Mit anderen Worten: einer der sinnlosesten Kriege, den Tiroler jemals geführt haben. Aber noch war Sigmund tief in der Schuld der Bayern, die ja für ihn ihre Teilnahme am Venediger Feldzug einige wertvolle Pfänder in Händen hatten. Der Landtag stellte Sigmund letztlich sogar unter Kuratel und gab ihm für die Regierungsgeschäfte 24 Räte zur Seite. Als sich auch diese Form der Regierung nicht bewährte, riet man ihm, zugunsten Maximilians, Kaiser Friedrich II einziger Sohn, abzudanken, was er 1490 auch tat. 1496 starb Sigmund; zusammen mit seiner Gemahlin Elenore von Schottland fand er in der Fürstengruft in Stift Stams seine letzte Ruhestätte.

Zwanzig Jahre später kam er erneut zum Krieg mit den Venedigern, diesmal nicht mehr unter dem ausschweifend, verschwenderischen Sigmund, sondern unter dem neuen Landesherrn der Gefürsteten Grafschaft Tirol, Maximilian, der in der Tiroler Landesgeschichte viele Jahre, ja Jahrzehnte hindurch so Bedeutendes geleistet hat, wie lange Zeit vor und nach ihm kein anderer. Von allen Tiroler Landesfürsten ist wohl Maximilian am tiefsten in das Herz der Bevölkerung eingedrungen – und das bis zu heutigen Tag.

Aber Maximilians Herrschaft war von allem Anfang an gekennzeichnet durch Krieg, wesentlich mehr durch Krieg als durch kulturelle oder politische Tatsachen. Darüber täuschen auch nicht seine Leidenschaft für die Jagd und die Fischerei hinweg, auch nicht sein prunkvoller Hofstaat, auch nicht die Hochzeit mit Maria von Burgund und, nach ihrem schrecklichen Tod bei einem Sturz vom Pferd, mit Maria Sforza. Wir werden noch öfter sehen, wie sehr Maximilian ein streitbarer Herrscher war.

Hier greifen wir der Geschichte etwas vor, um „seinen“ Venediger Krieg zusammen mit dem Erzherzog Sigmund behandeln zu können.

Für Maximilian, einen äußerst politischen und in allen Sparten beheimateten Mann, war das höchste Ziel seines politischen Lebens, in Rom zum Kaiser des „heiligen römischen  Reiches deutscher Nation“ gekrönt zu werden. Aber nicht nur Rom, wo Papst Julius II, ein äußerst weltlich eingestellter machthungriger Mann residierte, war gegen eine solche Krönung, die naturgemäß  mit einem gewaltigen Heerzug vom Inn zum Tiber Hand in Hand ging, sondern auch die Franzosen, die Mailand besaßen, und die Venezianer, durch deren Gebiet Maximilian ziehen musste, wollte er Rom auf dem Landweg erreichen. Was sollte Maximilian tun, um dieses höchste Ziel, diese allerhöchste Würde zu erreichen.

Erich Egg schreibt in seinem von Wolfgang Pfaundler hervorragend illustrierten Werk „Maximilian I. und Tirol“ u.a.:

„Aus dieser schwierigen Lage fand Maximilian einen Ausweg, das Gesicht zu wahren und doch auf die Propagandawirkung der Kaisererhebung nicht zu verzichten. Im Pilgergewand zieht er am 3. Februar in Trient ein, zu ´frommer Kirchfahrt´, aber in den Händen hält er anstelle des Reichsapfel ein Kanonenkugel. Er betont damit seine kirchliche Gesinnung, aber auch den Willen, mit der Waffe sein Recht auf die Kaiserkrönung zu erzwingen. Am 4. Februar zieht er in feierlicher Prozession mit allen in Trient erreichbaren Reliquien, wie es in Rom üblich war, in den Dom: gekleidet in schwarzen Samt, auf einem Schimmel reitend, vor ihm der Reichsherold mit entblößtem Schwert – eine Szene voll Wirkung auf das Publikum. Im Dom legte er Mantel und Krone des Kaisers an, schlägt einige Anwesende zu Rittern des

gegen die Türken gegründeten Georgorden und lässt durch den Bischof Matthäus Lang von der Kanzel aus verkündigen, dass er den Titel eines ´Erwählten Römischen Kaisers` angenommen habe“.

Diese Kaiserproklamation erwies sich als geschickter, wenn auch sehr theatralischer Schachzug Maximilians, denn kurze Zeit später erkannte auch der Papst den Kaisertitel an. Aber nun galt es, Venedig, das sich  immer noch halsstarrig zeigte, zu zeigen, wer wirklich Kaiser war. Obwohl Maximilians Heer relativ schwach war und praktisch nur aus besoldeten Landsknechten bestand, rückte der Kaiser in drei Kolonnen gegen die Lagunenstadt vor. Jörg Freundsberg zog mit 2500 Mann bis nach Vicenza, aber die Venezianer waren auf der Hut. Nur mit Mühen gelang es Freundberg, einem verlustreichen Kampf auszuweichen und wieder  bis zur Grenze zurückzukehren. Auch die Vorstöße ins Etschtal gegen Riva schlugen fehl und ließen die Front in der Enge von Callino südlich von Trient erstarren. Ein kühner Flankenangriff von 1300 Tiroler Knechten durch das Pustertal über Ampezzo endete am 2. März 1508 in der schwersten Niederlage bei Pleit (Pieve di Cadore), wo der Tiroler Feldhauptmann Sixt Trautson mit den meisten Knechten fiel. Der Feind verschonte nicht einmal Trautsons Frau, Dorothea von Schrofenstein (Landeck) -. auch sie wurde erschlagen.

Der schlechte Ausgang dieses Feldzuges zwang Maximilian, wieder ins Reich zurückzukehren, um neue Mittel und neue Truppen zu sammeln. Tirol war wieder auf sich allein gestellt. Die Gefahr drohte, dass die Venezianer eindringen könnten, was ein Aufgebot von 10.000 Mann zu den Waffen gerufen. Damit war es möglich, die Schanze von Calliano zu halten, obwohl die Venediger mit über 20.000 Mann gegen sie anstürmten. Erbost über diesen Widerstand, rückten sie gegen die Festung Peutelstein vor und eroberten sie, ebenso das Schloss Ossanna im Sulztal. Gleichzeitig gingen das Friaul und Triest verloren.

Aber nun zeigte sich Maximilians politische Taktik: er schloss mit Frankreich, Spanien und dem Papst die „Liga von Cambri“ mit dem Ziel, Venedig als Landmacht auszuschalten. Vergebens kam eine venezianische Delegation auf die Weiherburg zu Innsbruck, wo sie dem Kaiser erklärten: „Es wird unter Eurer Majestät Lobsprüchen nicht der geringste sein, dass der allerdurchlauchtigste Kaiser Maximilianus der erste ist, dem die Stadt Venedig einen Fußfall getan hat“. Auch mit solchen Worten gelang es ihnen nicht, dem Kaiser von seinem Bündnis mit Frankreich, Spanien und dem Papst loszureißen.

Erich Egg hat in seinem Maximilian – Buch den Venediger Krieg in einprägsamer Kürze dargestellt: „ Inzwischen sammelte sich das Kriegsvolk in Welschtirol, der Nachschub wurde von den Tiroler Behörden reibungslos durchgeführt. Der Tiroler Landtag bewilligte ein Aufgebot von 10.000, im Notfall sogar von 20.000 Mann, das Innsbrucker Zeughaus lieferte 10.000 Spieße und 136 Geschütze. Am 1. Juli 1509 marschierte das kaiserliche Heer in einer Stärke von 15.000 Mann von Trient ab, eroberte Rovereto und Riva, stießen durch die Berner Klause (Südgrenze Tirols), zog in Verona ein, die venezianische Terra ferma wurde erobert, Belluno und Feltre besetzt, am 5. Juni ergab sich Padua einem Vertreter des Kaisers. Drei Tage läuteten die Glocken des „Santo“ zum Sieg Maximilians. Aber am 17. Juli nehmen die Venezianer im Handstreich Padua wieder und Maximilian beginnt am 20. August die erfolglose Belagerung der Stadt… am 3 Oktober musste der Kaiser die Belagerung aufheben und nach Tirol zurückmarschieren. Tausende deutsche Knechte lagen tot und Stumm vor Padua…Frankreich und der Papst, die keinen Sieg Maximilians wünschten, hatten jede Unterstützung verweigert. Die französischen Ritter wollten nicht mit den „deutschen Schustern“, wie sie die Landsknechte nannten, stürmen. Alle Eroberungen außer Isonzo und Verona, waren wieder verloren. Die Tiroler Stände boten sofort 5000 Mann auf, um die Grenzen und den Nachschubweg nach Verona zu schützen.

Die Liga von Cambri zerbrach, der Papst machte Frieden mit Venedig, Frankreich, Spanien und der Kaiser führten 1510 den Krieg sehr lässig weiter, ohne dass es zu größeren Aktionen kam. Tirol, auf sich allein gestellt, trug die Hauptlast der venezianischen Angriffe. Noch im Dezember 1509 waren 4590 Mann aufgeboten worden. Als im Dezember 1510 die Venezianer die Grenzfestung Kofel eroberten, wurden erneut 10.000 Mann an die Grenze geschickt. 1511 kam der Krieg wieder in Bewegung. Der Kaiser war im Land, der Landtag in Brixen bewilligte die Bezahlung von 5000 Landsknechten. Während die kaiserliche und französische Armee gegen Padua und Vicenza vorging, eroberten die Tiroler im September die Festung Kofel, am 20. Oktober unter dem Einsatz schwerer Artillerie das Schloss Peutelstein bei Ampezzo und besetzten Cividale. Ende 1511 wechselte das Bündnis, Frankreich stand alleine gegen den Papst, Venedig, Spanien, England und die Schweiz. Die Franzosen siegten zwar am 11. April 1512 bei Ravenna, konnten aber Italien nicht halten und zogen ab.

Da der Kaiser Verona nicht aufgeben wollte, verbündeten sich am 13. März 1513  Venedig und Frankreich gegen den Kaiser, den Papst, Spanien, England und die Eidgenossen. Tirol war nach einer Ruhepause abermals bedroht. Die Obristen Feldhauptleute Kaspar von Laubenberg und Jörg von Freundsberg rühmten die Landschaft`(Landstände) von Tirol als die erste und trefflichste in Österreich, denn im März 1513 waren wieder 40.000 Gulden zur

Anwerbung von 5000 Landsknechten bewilligt worden. Aber nicht nur das – auch ein allgemeines Aufgebot zu Schutz der Südgrenze wurde erlassen. Nach schweren Angriffen auf das kaiserliche Verona wurden die Franzosen am 6. Juli bei Novara von den Eidgenossen geschlagen, während Venedig das vom Tiroler Anton von Lodron mit 2000 Mann verteidigte Brecia nicht erobern konnte und sogar Bergamo verlor. Verona wurde gegen alle Angriffe von 2000 Tiroler Knechten und 1500 Spannern gehalten, denn es war das Tor nach Italien und die feste Basis aller Aktionen des Kaisers. Die kaiserlichen und Spanier belagerten Padua, streiften bis Mestre und beschossen Venedig. Der Sieg Maximilians und des englischen Königs in der zweiten Schlacht von Guinegate gegen die Franzosen (am 16. August 1513) und der Liga bei Vicenza (7. Oktober 1513) gegen die Venezianer brachte den Gesamtsieg in greifbare Nähe.

Wieder gewann die französische Diplomatie die entscheidende Schlacht. Die Liga zerfiel, Spanien, der Papst und England schlossen Frieden mit Frankreich. Venedig aber kämpfte weiter gegen den Kaiser, eroberte Brecia und belagerte Verona mit aller Macht. Der Tiroler Landtag bewilligte 48.000 Gulden für den Krieg. 1515 eröffnete Maximilian erneut den Krieg gegen Italien und marschierte mit den Eidgenossen, England und Spanien gegen die Franzosen. Bei Marignano schlugen jedoch die Franzosen die sieggewohnten Eidgenossen, schalteten die Schweiz als Großmacht endgültig aus und besetzten Mailand. Ein Zug Maximilian gegen Mailand mit 30.000 Landsknechten und Schweizern endete 1516 als Fiasko, Da jedoch auch im französischen Heer 10.000 Schweizer standen, befürchtete er, das Schicksal Lodovico Moros zu erleiden, der 1500 von seine Schweizer Söldnern an die Franzosen verraten worden war.  Ohne den Sturm auf Mailand gewagt zu haben, zog sich der Kaiser, von den Soldaten als „Strohkönig“ verspottet, nach Tirol zurück. Venezianer und Franzosen stürmten ohne Unterbrechung gegen die Festung Verona. Aber die kaiserliche Besatzung hielt unter Marc Antonio Colonna und Jörg von Freundsberg allen Stürmen stand.

Der Kampf in Italien ging zu Ende. Am 3. Dezember 1516 schloss Maximilian Frieden mit Frankreich. Gegen 200.000 Dukaten gab er Verona an Venedig zurück, behielt aber Riva, Rovereto, Ala und Ampezzo, die er seiner in diesem Krieg wahrhaft getreuen Grafschaft Tirol einverleibte. So entstand die bis 1918 gültige Südgrenze des Landes. Der Kampf um Italien war verloren, aber auch Frankreich hatte nur Mailand halten können, und Venedig war durch den Krieg so erschöpft, dass es in Zukunft keine entscheidende Landmacht mehr war.

Kürzer und einprägsamer lässt sich ein fast zehn Jahre andauernder Krieg nicht mehr beschreiben. Der Venediger Krieg Maximilians hat Tirol schwere Opfer abverlangt. Er hat aber auch bewiesen, wie die „Landschaft“ Gelder und Menschen aufzubieten bereit war, um die Grenzen des Landes zu halten, denn es ging immer UM TIROLS FREIHEIT.

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