5. Teil: Die Südtirolpolitik aus der Sicht des Andreas Hofer – Bundes Tirol
Zukunftsperspektiven

Staatsbürgerschaft: Das Staatsbürgerrecht schafft Integration oder Seperation. Staatsrechtlich gelten Österreicher in Südtirol als Ausländer, Südtiroler in Österreich. Im Sinne einer gezielten und vernünftigen Doppelstaatsbürgerschaft sollte Österreich die Staatsbürgerschaft allen Südtirolern  (Deutschen und Ladinern) verleihen, die sie beantragen. Die Südtiroler können damit an den österreichischen National- und Bundespräsidentenwahlen teilnehmen und die Zukunft des gemeinsamen Vaterlandes mitgestalten. Der Landeswahlkreis Tirol sollte auf Südtirol ausgedehnt werden und die Südtiroler mittels Wahlkarte oder Briefwahl wählen können. In Wien sollten von Bundespräsident, Regierung und Parlament alle Südtiroler Volksgruppenparteien angehört und in einen konstruktiven Dialog eingebunden werden

Heimatrecht: Unterhalb der Staatsbürgerschaftsebene sollte ein Tiroler Heimatrecht eingeführt werden, das in allen Tiroler Landesteilen gleichermaßen Geltung entfaltet. An dieser Heimatbürgerschaft ist der Zugang zu einer Reihe von Dienst- und Sozialleistungen gebunden. Damit stärkt sich das Land seine Gliedstaatssouverenität als Gegengewicht zur Aushöhlung des Staatsbürgerrechtes durch die Eurokratie und Massenzuwanderung.

Wirtschaft:  Tirol ist eine historisch gewachsene Größe, die sich als Einheit auch in beachtlicher wirtschaftlicher Kategorie definiert. Tirol erwirtschaftet ein Bruttoinlandsprodukt, das größer ist als das von sieben EU – Mitgliedsstaaten. Alle Tiroler Landesteile sind durch Arbeitsethik und Fleiß blühende Landschaften. Zusammengenommen ergäbe sich auch wirtschaftlich wieder jene natürliche Einheit und gegenseitige Ergänzung, die durch Zwang verlorengegangen ist. Das gilt  besonders für die geteilten Talschaften Vinschgau, Wipptal und Pustertal (Ansätze sind bereits vorhanden). Die gebündelte Tiroler Wirtschaftskompetenz stellt auch in der EU eine starke Kraft dar und garantiert Sicherheit, Wohlstand und Stabilität. Jeder Landesteil hat Herzeigbares und Geleistetes in die Einheit einzubringen.

Die Entwicklung und Vermarktung von Tiroler Waren und Dienstleistungen können auf dem internationalen Markt unter einer gemeinsamen Dachmarke als unverwechselbarem  corporate identity des Tiroler Raums und seiner Produkte beworben werden. Die weltbekannte Marke „Tirol“ mit ihren hohen Marktwert würde durch die Landeseinheit alle Produkte und Dienstleistungen des Landes repräsentieren, wodurch auch die Südtiroler Produkte endlich wieder davon profitieren könnten. (und Südtirol müsste seine Weine im Ausland nicht mit dem Markenzeichen  ALTO ADIGE wines of the italien Alps und den Farben der Trikolore anbieten) Tirol ist international ein klar indentifizierbarer und lokalisierbarer Begriff. Entsprechend hat Nordtirol Anteil an internationalen Touristenströmen von Japan, Rußland, den arabischen Golfstaaten bis in die USA, währen Südtirol abseits davon liegt. Wer Österreich besucht, will neben Wien und Salzburg auch Tirol mit Innsbruck sehen. Wer Italien besucht, will auch Italien sehen und hält sich in Rom, Florenz und Venedig auf, aber nicht in Bozen und Südtirol. (Ausnahmen bestätigen die Regel)

Sport: Der Sport stellt in den westeuropäischen Staaten eines der wenigen zugestandenen Ventile nationaler Begeisterungsbekundungen dar. Die Südtiroler Sportler müssen die Uniform italienischer Polizei- und Militäreinheiten tragen und bei Wettkämpfen unter der italienischen Fahne antreten, um in den Genuss der notwendigen Trainigsmöglichkeiten und Sportförderungen zu kommen. Der Sport führt so zum Schwingen der falschen Fahne, zum Strammstehen bei der falschen Hymne und schließlich zur Identifikation mit dem falschen Staat. Damit sich Südtirols sportbegeisterte Jugend nicht länger als Aushängeschild des italienischen Nationalstolzes missbrauchen lassen muss, braucht es auch ein sportliches „Los von Rom“. Dafür sollte Österreich seine Sportförderung, Trainingsmöglichkeiten und Nationalkader für alle Tiroler öffnen. Damit werden Südtiroler Sportler neue Wege geöffnet und österreichischen Trainern und Sportclubs die Möglichkeit geboten, auch in Südtirol über Sportvereine und das Sportgymnasium sportliche Talente zu erwerben. Genauso können Sportvereine in österreichische Meisterschaften eingebunden werden, nachdem bereits ungarische und slowakische Clubs bei den österreichischen Eishockeymeisterschaften mitspielen.

Medien:  Der südliche Landesteil ist von wenigen (deutschen) Medien geprägt. Gemäß dem vorherrschenden Kanon politischer Korrektheit gibt es in Südtirol  kein relevantes Medium, das die Selbstbestimmungsforderung unterstützt. Öffentliche – rechtliches Radio und Fernsehen sind Ableger des staatlichen italienischen Rundfunks und damit per se im Gegensatz zur Tiroler Wiedervereinigung. In den Tages- und Wochenzeitungen sucht man meist vergeblich nach Kolumnen und Kommentaren für die Einheit Tirols, muss aber immer wieder triviale, teils hochpeinliche Kommentare gegen die Landeseinheit lesen. Der Mangel an Gesamttiroler Medien, die in den Alltäglichkeiten der Menschen die Gemeinsamkeit sichtbar machen und damit automatisch Begriffe und Selbstverständnis der Menschen prägen und zu Stichwortgebern eines gemeinsamen Landesbewusstsein werden, ist deutlich spürbar.

Die Phase der Doppelung ist durch gemeinsame Einrichtungen abzulösen. Gemeinsame Verantwortlichkeit überwindet die Horizontverlegung auf die jeweilige Landeseinheit.

Kulturelle Initiativen: Die Universitäten und die Europäische Akademie wurden bereits erwähnt. Die Verwaltung der Landesmuseen in ganz Tirol könnte einer gemeinsamen Landesstiftung übertragen werde, die auch die Tiroler Landesausstellung auszurichten hätte. Die administrative Zusammenfassung und gemeinsame Ausrichtung kann auf sinnvolle Weise der Qualitätshebung und Qualitätssicherung dienen, der Entfaltung von Synergien und der Festsetzung finanzieller Ressourcen; vor allem aber der Darstellung der gemeinsamen Geschichte, Tradition, sowie des Kunst- und Kulturschaffens.

Hoheitszeichen: Vereinheitlichung der Hoheitszeichen des Bundeslandes Tirol und der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol. Die allen Landesteilen gemeinsame weiß-rote Tiroler Fahne bildet eine zentrales identitätsstiftendes Hoheitszeichen, ebenso die grün-weiße Schützenfahne. Erst 1982 erlaubte Rom wieder den roten Tiroler Adler als Landeswappen zu führen, verlangte jedoch, dass sich das Wappen von jenem des Bundeslandes Tirol unterscheiden müsse. Ohne vorab einer Wappenvariante den Vorzug zu geben, sollte ein gemeinsames Tiroler Adlerwappen einheitliches Staatssymbol beschlossen werden. Die Tiroler Landeshymne „Zu Mantua in Banden“, eine der schönsten des deutschen Sprachraumes, hat gemäß Tiroler Landhausbeschluss bereits heute Gültigkeit für ganz Tirol. Dennoch sollte sie auch vom Südtiroler (Teil) Landtag als Hymne formalisiert werden. Sie besingt authentisch das heldenhafte wie tragische Schicksal Andreas Hofer in den Befreiungskriegen.

Vereine und Parteien: Tirol ist in seinem sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Gefüge in allen Landesteilen einheitlich. Es gibt dieselben kapillaren Vereinsnetze, dieselben Verbände, von traditionsreichen und traditionsbewussten Organisationen bis zu neueren Gründungen und Initiativen.

Die organisatorische Parallelität hat sich als schwerfällig und langfristig  unzureichend erwiesen. Im Alltag dem zentrifugalen Auseinanderstreben unterschiedlicher Rechtssysteme entgegenzuwirken. Vor allem der Mangel an Gesamttiroler Parteien (mit Ausnahme der STF) erweist sich in einer repräsentativen Parteiendemokratie als großer Mangel, der 1918 durch das italienische Militär erzwungen worden ist. Deshalb sollten sich Parteien und Verbände eine einheitliche Organisationsform mit einheitlichen Gremien geben, gemeinsam tagen und entscheiden. Die reduktiven „Ihr“ und „Wir“ – Empfindungen können durch die Kenntnis der jeweiligen Probleme und Befindlichkeiten der einen und der anderen durch eine neue Tiroler Sensibilität in einem gemeinsamen „Wir“ Gefühl überwunden werden mit dem klaren dynamischen Ziel, die politische Landeseinheit in Europa zu erreichen.

Verwaltungsangleichungen: Bereits als Vorstufe zur Landeseinheit sind Verwaltungsangleichungen zwischen den getrennten Landesteilen möglich. Damit können vor allem für die Bürger wichtige Teile der alltäglichen Bürokratie auf Gemeinde- und Landesebene vereinheitlicht werden bis hin zur Schaffung gemeinsamer Verwaltungseinheiten auf Bezirksebene (Bezirkshauptmannschaften / Bezirksgemeinschaften) zum Beispiel mit der Wiedereingliederung von Nauders in den Vinschgau und die Zusammenführung der Bezirkshauptmannschaft Lienz und den übrigen Oberpustertal. Noch vorhandene unterschiedliche Rechtssysteme müssen dabei kein Hindernis sein. Bedarfsorientierte Verwaltungssoftware kann problemlos noch unterschiedliche Rechtordnungen bewältigen.

Post / Dienstleitungen: Zusammenlegung und Vereinheitlichung von Dienstleitungen des öffentlichen Interesses. Im öffentlichen Nahverkehr bei Bus und Bahn durch die Überwindung der Dienstleistungen in Südtirol durch staatliche österreichische Unternehmen bzw. die Schaffung eigener Tiroler Gesellschaften. Ebenso die Übernahme des Postdienstes in Südtirol durch die Österreichische Post, wie Erwin Zangerle, Postgewerkschafter und nunmehriger Präsident der Arbeiterkammer bereits Ende 2007 vorgeschlagen.

Gesundheitsregion Tirol, Tiroler Landessozialplan, Landeswasserplan:    Bereits heute können von den beiden Landesregierungen in Innsbruck und in Bozen ganz Tirol umfassende Planungen vorgenommen werden und z.B. eine gemeinsamer Landessozialplan, Landeswasserplan oder eine einheitliche Gesundheitsregion entwickelt werden. Der Gesundheitsbereich z.B. umfasst den kostenintensiven Posten der Landeshaushalte nördlich wie südlich des Brenners. In Südtirol erfolgte zur Effizienzsteigerung, aber auch zur Kosteneinsparung zunächst die Zusammenfassung aller Krankenhäuser und Gesundheitsdienste in vier Sanitätseinheiten. Wegen der Kostenexplosion wurden sie dann zu einer einzigen

Verwaltungseinheit zusammengeschlossen. Als nächster logischer Schritt ergäbe sich die Schaffung einer einheitlichen Tiroler Gesundheitsregion. Damit würde auch die letzte Hürde für die gegenseitige Nutzung der teils hervorragenden medizinischen Einrichtungen und des exzellenten Fachpersonal überwunden. Sillianer, Abfaltersbacher und Karditscher sollen in das nähergelegene Krankenhaus Innichen können statt nach Lienz zu müssen. Die ladinischen Haydner nützen bereits heute diese Möglichkeit, weil die Einrichtungen in der Provinz Belluno dürftig und zu weit entfernt sind.

Der Gedankengang ist konsequent weiterzudenken: Einrichtungen eines gemeinsamen Landesrettungsdienstes, Zusammenlegung und Koordinierung der Flug- und Bergrettungsdienste. Gleiches ist für das Krankenkassen- und Sozialversicherungswesen denkbar, ebenso das Bankwesen. Gesellschaften mit Landebeteiligung sollten gesamttirolerisch ausgeweitet werden.

Die Zeichen der Zeit weisen einen deutlichen Weg: Es ist der Zeitpunkt gekommen und es besteht die realistische Möglichkeit, das 1918 vom Ungeist des Imperialismus geschaffene Unrecht wieder gutzumachen und die italienischen vom Nationalismus geschlagenen Wunden zu schließen sowie die Versöhnung in einer gemeinsamen Anstrengung zur Wiedererrichtung eines geeinten Tirols als Zeichen der historischen Gerechtigkeit zu besiegeln. Indem ein Tirol geschaffen wird, das tatkräftig in seinem wieder gewonnenen natürlichen Rahmen auf die Herausforderung unserer Zeit reagieren kann und allen im Lande lebenden Menschen aller drei historischen Sprachgruppen eine lebenswerte, menschenwürdige und sicher Heimat ist. Die Verwirklichung dieses einzigartigen Zieles fällt weitblickenden, volksnahen und heimatbewussten Verantwortungsträgern zu, die die Fähigkeit haben, die bereits zu lange anhaltende Erstarrung aufzubrechen und durch die Verwirklichung von Freiheit und Gerechtigkeit in neuen Ideen zu überwinden

Die Europäische Union und Schengen garantieren, dass Südtirol heute alle Kontakte, die es mit Italien haben will, auch pflegen kann. Politisch geht es aber darum, endlich jene „Kontakte“ auszuschließen, die Südtirol nicht haben will, und den italienischen Staat und dessen Einfluss unter die Linie von Salurn zu verbannen.

Keine Macht der Erde kann einem Volk die Selbstbestimmung auf die Dauer vorenthalten, auch Italien (und die SVP) den Südtirolern nicht, aber wollen und verlangen muss man sie“

Zugegeben einiges mag wie ein Traum bzw. wie eine Vision erscheinen. Aber Träume und Visionen kann man, wenn man den nötigen Willen und die nötige Kraft dazu besitzt, verwirklichen.

„Denn Tirol isch lei oans“

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