Das Selbstbestimmungsrecht in der Geschichte Tirols

Vortrag, gehalten auf der Bundesversammlung des Andreas Hofer-Bundes für Tirol am 21. Mai 1921
von Dr. Otto Stolz

Friedrich Schiller, der große Dichter und Kündiger deutschen Wesens, hat in einem seiner vollendetsten Werke, den Wilhelm Tell, die Erhebung eines Volkes gegen ungerechten Zwang geschildert. In dem Auftritt, in dem er die Geburt der Eidgenossenschaft darstellt, der berühmten Rütliszene, da lässt er einen der Führer, Werner Stauffacher, vorerst die bisherige Geschichte der drei Landsgemeinden, ihre alten Rechte und Freiheiten darlegen. Und aus der Schilderung der Taten und Gesinnungen der Vorväter erwächst den Lebenden der Geist und die Kraft des Widerstandes gegen verhasste Zwingherrschaften.

So sprachen unsere Väter! Sollen wir

Des neuen Joches Schändlichkeit erdulden,

Erleiden von dem fremden Knecht, was uns

In seiner Macht kein Kaiser durfte bieten?...

Unser ist durch tausendjährigen Besitz

Der Boden – und der fremde Herrenknecht

Soll kommen dürfen uns Ketten schmieden

Und Schmach antun auf unserer eignen Erde?

Ist keine Hilfe gegen solchen Drang? –

Nein, eine Grenze hat Thyrannenmacht,

Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden.

Wenn unerträglich wird die Last – greift er

Hinauf getrosten Mutes in den Himmel

Und holt herunter jene e`wgen Rechte,

Die droben hangen unveräußerlich

Und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst

Auch unser Vaterland Tirol befindet sich seit dem Frieden von St. Germain in einem Zustand der Vergewaltigung, der jedem Gefühl für Menschenrechte und Menschenwürde hohn spricht. Wohl hat Amerika, die Macht, die es in der Hand gehabt hätte, einen gerechten Frieden dem zerfleischten Europa zu bringen, den Grundsatz der nationalen Staatsabgrenzung und der freien Selbstbestimmung der Völker und Länder verkündigt, solange der Krieg tobte: und das deutsche Volk, das in seiner übergroßen Mehrheit nie einem anderen Kriegsziel als der Wahrung des allen Völkern gleich heiligen Rechtes auf Leben, Sicherheit und Freiheit gehuldigt, legte im Vertrauen auf Willsons Programme seine Waffen nieder. Als es dann aber galt, jene schönen Grundsätze in den Friedensverhandlungen durchzuführen, da wich auch Amerika vor der Ländergier und Rachesucht unserer alten Feinde zurück. Tirol wurde vom Londoner Vertrag geopfert, nicht nur Welschtirol, sondern auch Deutsch -Tirol Italien zugesprochen, ein geschlossenes deutsches Land, das mit seinem Rücken überall an das einheitlich deutsche Siedlungsgebiet anstoßt. Von einer Befragung der Bevölkerung, ob sie mit dieser neuen staatlichen Zuweisung einverstanden sei, war nun keine Reden mehr; konnte auch keine sein, denn das Ergebnis wäre für die Diktatoren allzu schmählich gewesen. Tausendjährige völkische, kulturellestaatliche und landschaftliche Bande wurden rücksichtslos zerschnitten, ein Volk von seiner natürlichen Lebensquelle, seinem Muttervolk, weggerissen und mit einer fremden Nation in eine Staatengemeinschaft gezwungen,   die ihm nie anders als mit dem Fluche der Fremdherrschaft beladen erscheinen kann: die auch gegen ihn nie eine andere Politik verfolgen kann, als sein Selbstbewusstsein gewaltsam zu brechen oder seine Seele langsam zu vergiften. Mann erwäge nur was es heißt: der Staat, der nach der heute einzig möglichen Auffassung nur als sittliches Gebilde denkbar und berechtigt ist, muss diesem preisgegebenen Volksteil als Feind und Verderber der obersten sittlichen Grundsätze gegenübertreten. 

Gewiss ist es in der Not unseres Landes und unserer Volks- und Landesgenossen jenseits des Brenners ein großer Trost, dass in Amerika bereits sehr viele und gewichtige Männer das an Tirol geschehene Unrecht einsehen. Allen voran hat ja Langfing, Wilsons Minister des Äußeren, jetzt in einem Buch öffentliche den Anwurf erhoben, dass in St. Germain und Versailles das nationale Selbstbestimmungsrecht preisgegeben und Deutsch – Südtirol gegen den Willen seiner Bevölkerung an Italien ausgeliefert worden ist.

Aber wir besitzen noch ein anderes Mittel, um uns in unserer Not Rat und Mut zu holen. Es ist das Mittel, das Schillers Stauffacher  anwendete, das Mittel, das jedem einstmals freien und nun unterdrücktem Volke am nächsten liegt und so auch uns. Denn es ist aus unserem Eigensten geschöpft, aus unserer Geschichte, aus dem geistigen Erbe unserer Ahnen.

Tirol hat nicht zum ersten mal ein Schicksal gestreift, oder bis zur Neige durchgekostet, das seinem heutigen gleicht. Als Grenzland ist es fast bei allen großen europäischen Krisen in arge Mitleidenschaft gezogen worden. Aber schließlich ist es immer mit Ehren und mit dem, wenn auch schwer erkämpften Preis der Selbstbehauptung daraus hervorgegangen. Und fragen wir um den Grund! Weil das Land, die breite Masse der Bevölkerung, einen festen Willen zur Selbstbehauptung hegte, von dem Rechte auf eigene Gestaltung des politischen Schicksals nicht abgewichen ist, sondern es mit aller Tatkraft stets in Anspruch genommen hat.

Die landläufige Staatslehre kennt die Anwendung und Formulierung des staatlichen Selbstbestimmungsrechtes von Ländern und Gemeinden erst seit dem Zeitalter der französischen Revolution. Sie versteht darunter die Forderung, dass einem Lande eine Änderung seiner staatlichen Zugehörigkeit nur dann zugemutet werden könne, wenn es sich in freier allgemeiner und direkter Abstimmung seiner gesamten Bevölkerung, durch ein sogenanntes Plebiszit, dafür entscheidet. Gewiss, in dieser Form und als Ergebnis theoretischer Erwägungen erscheint diese Forderung erst seit der erwähnten Epoche. Den ihr eigentümlichen Grundgedanken  finden wir aber in der tatsächlichen politischen Geschichte viel früher wirksam. Und gerade die Geschichte Tirols zeigt uns oftmals und zwar an ihrem wichtigsten Wendepunkt, das Walten seines Geistes, der dem Landvolk einen entschiedenen Anteil an der Gestaltung seiner politischen Daseinsform zuwies. Und wenn auch nicht immer dieses Streben vom Erfolg des Augenblicks gekrönt war, für unsere Betrachtung ist auch schon der Versuch von Bedeutung, das Recht der Selbstbestimmung in Anspruch  zu nehmen.

Man muss in der Geschichte unseres Landes schon sehr weit zurückgreifen, bis die Anfänge seiner Bildung, um das erste Auftauchen jenes Geistes festzustellen. In den frühesten verfassungsmäßigen Aufzeichnungen des Landes, dem Weistümern der uralten Dingstühle oder Gerichtsgemeinden, finden wir es oft ausgesprochen, dass die darin enthaltenen Freiheiten und Rechte von dem Gründer der Grafschaft Tirol dem Herzog Meinhart verliehen und bekräftigt worden seien. Da die Verleihung dieser Freiheitsbriefe und die Vereinbarung der betreffenden Gerichtsgebiete mit der Grafschaft Tirol zeitlich sich decken,  muss man zwischen diesen beiden Tatsachen auch einen inneren ursächlichen Zusammenhang annehmen. Die Politik der Grafen von Tirol hat zumindestens an der Bevölkerungen der neu zugewinnenden und genommenen Gebiete eine Stütze gesucht und gefunden, indem sie ihnen die Erhaltung ihrer noch aus alter Zeit stammenden Freiheiten gewährleisteten. Die Bevölkerung hat um diesen Preis den Anschluss an die Grafschaft Tirol gerne gesehen und gefördert, sie erkannte in ihm die Möglichkeit, sich aus den damals alles überwuchernden System der Grundherrschaft in ein großzügigeres und freieres Staatswesen zu retten. So ist schon damals jenes enge Verhältnis zwischen dem Landesfürstentum und dem Volk hergestellt  worden, das die Geschichte Tirols auch weiterhin beherrscht hat.

Wie sehr die Bevölkerung Tirols an dem Staatswesen, an dessen Bildung es aus freier Zustimmung mitgewirkt hatte, hing und seinen Bestand aus voller Überzeugung verteidigte, das sollte sich bald zeigen. Mit Meinharts drittem Sohn Heinrich ging im Jahre 1335 das alte tirolische Grafenhaus zur Neige. Die drei mächtigsten Dynastien des damaligen Deutschland, Wittelsbacher, Luxenburger und Habsburger, bemühten sich um den Besitz Tirols. Die Hand der Erbtochter, der bekannten Margaretha Maultasch, gewann der Luxenburger Johann Heinrich, der Sohn König Johanns von Böhmen. Der Kaiser Ludwig der Bayer und die Herzöge von Österreich vereinbarten aber, Tirol gemeinsam in Besitz zu nehmen und es dann unter sich zu teilen. Bayern sollte das Inntal, Österreich Südtirol erhalten. Als dieser Plan im Lande ruchbar wurde, da gewann der luxenburgische Erbprinz, der die Einheit des Landes verkörperte, erst die richtige Anhängerschaft. Das eigentliche Schicksal des Landes nahm aber die Bevölkerung selbst in die Hand. Wie uns die darüber aufgestellte Urkunde berichtet, ward ein förmlicher Pakt zwischen dem neuen Landesherrn und den Vertretern des Landes geschlossen. Die letzteren werden bezeichnet als „Edle und Unedle gemeiniglich jeden Standes“. Wie der Sprachgebrauch dieser und der späteren Zeit stets lautete, sind damit die Vertreter des Adels, der Bürgerschaft der Städte und die Bauern der sogenannten Täler und Gerichte gemeint. Während vom Adel jedes großjähriges Mitglied persönlich bei der Landesversammlung teilnahmeberechtigt war, waren die Stadt- und Landgemeinden bei denselben durch richtige Abgeordnete vertreten, diese waren schon damals durch Wahl aus der Gesamtheit der hausgesessenen Bewohner berufen, stellten also wirklich die allgemeine Stimme der Bevölkerung dar. Es war eine besondere Eigenheit Tirols, dass die Landgemeinden von jeher mit den übrigen Ständen politisch gleichberechtigt waren und geblieben und die Landtage daher ein annähender Ausdruck der Meinung der breiten Volksmasse gewesen sind. In der Verfassung nur ganz weniger deutscher Länder des Mittelalters, in der Schweiz und in Friesland finden wir die Volksfreiheit bis zu diesem Grad zur Geltung gebracht. Zwischen dem neuen Landesfürsten und seinem Vormund, seinem Bruder Karl, dem nachmaligen Kaiser, und den Ständen als Vertreter des Landes wurde also damals vereinbart:

Erstere gelobten, dass sie das Land und seine Einheit gegen jedermann, auch gegen den Kaiser verteidigen würden, der hauptsächlich das Inntal von Tirol losreißen wolle; ferner, dass sie sich mit den übrigen weiblichen Angehörigen des alten tirolerischen Fürstenhauses vergleichen, damit dem Lande aus den erbrechtlichen Ansprüchen derselben keine Gebietsteilung erwachsen könne. Ihrerseits verpflichten sich die Stände, dass sie mit allen ihren Kräften den Fürsten bei der Aufrechterhaltung dieses Vertrages und der Verteidigung des Landes helfen werden und sie schwören ihnen Treue, wie die Urkunde sagt, einmütig und aus freien und eigenen Willen („vari voto, liberaque et spontana volumtate“). Man beachte insbesondere den Nachdruck, mit dem die Freiwilligkeit der Zustimmung betont wird. Über den Akt wurde auch eine deutsche Urkunde aufgesetzt, die, obwohl eine Grundlage der tirolischen Landesverfassung, bezeichnend genug, nicht hier in Innsbruck, sondern in Wien aufbewahrt wird. Aus der urkräftigen, gedrungenen Sprache dieser Urkunde, vernimmt man, förmlich den entschlossenen Ernst, mit dem die Vertreter des Tiroler Volkes sich und den Landesfürsten und beide gegenseitig zur Verteidigung der Selbstständigkeit, Unversehrtheit und Einheit des Landes verpflichten: Dass nämlich Karl, Johann und seine Hausfrau und Wirtin Frau Margarete „und all landsleute, edle und unedle, des überein worden sein und das gesworen haben einen eid, ob das wär, dass einerlei sache aufstunde, damit die herrschaft von Tyrol und was dazu gehört und auch das Inntal verwechselt wurd in des wider wollen sein und auch den eid, den sie darum gesworen haben, behalten wöllen und es auch wider stehen wöllen, als ferne sie leib und gut währt.“

Wir sehen, nicht das Interesse des Fürstenhauses steht im eigentlichen Mittelpunkt dieses Vorganges, sondern das Land, dessen Einheit und Unzerreißbarkeit in alle Zukunft gewahrt werden soll, auch gegen den Kaiser, der hier nicht als oberste Schirmer des Reiches im alten Sinne, sondern als Träger einer selbstsüchtigen Hausmachtpolitik erscheint. Dass dies so geschehen, dass nicht die Länderflucht benachbarter Fürsten das Land in Stücke reiße, dafür trat das Volk von Tirol durch seine berufenen Vertreter schon damals mit festem Willen und klarer Entschlossenheit ein: denn das Land war ihm schon damals nicht eine zufällige oder gar aufgenötigte, kalte staatliche Zwangsgemeinschaft, sondern eine Heimat, ein Hort seiner politischen Ideale und wirtschaftlichen Bedürfnisse, ein Gegenstand des Gemüts, ein Stück seines eigenen Wesens und Wertes. Das Volk von Tirol wollte schon damals nicht ein bloßes Objekt der Politiker der Außenwelt, eine Beute fremder Wünsche und Willkür bilden, sondern es erhob den Anspruch auf eigenes, selbstgewolltes Sein, es wollte auch im Staatsleben seine Eigenart und Eigenständigkeit durchsetzen, vor allem die ererbte Freiheit und Volkstümlichkeit seiner politischen Einrichtungen und den wirtschaftlichen Rückhalt, den es in der Einheit des Landes besaß, für die Zukunft erhalten. Der Grundgedanke der politischen Selbstbestimmung eines Landes könnte nicht eindringlicher gefasst und verwirklicht werden als er in jener tirolerischen Eidgenossenschaft vom Jahre 1335 bis 1336 geschehen ist.

Ähnliche Vorgänge wiederholten sich bei dem dynamischen Wechsel in der Folgezeit, besonders bei jenen vom Jahre 1336, durch welchen die Habsburger in den Besitz des Fürstentums Tirol gelangt sind. Nicht die Erbverträge mit der bisherigen Dynastie, nicht die Verleihbriefe des  römischen Kaisers konnten Herzog Rudolf von Österreich  (der Stifter) in den wirklichen Besitz des Landes bringen, sondern nur die Zustimmung und die tätige Beihilfe des Landesvolkes, ausgesprochen durch die Vertreter der vier Stände, Adel, Geistlichkeit, Bürger und Bauern, die damals bereits zu richtigen Landtagen zusammentraten. Vor ihnen, unter ihrer Genehmigung und Bürgschaft ließ sich Rudolf von der alternden Margareta die landesfürstliche Würde übertragen. Das Land, Edle und Unedle leisteten ihm den Treueid, nachdem er die Rechte und Freiheiten desselben bestätigt hatte. Und nur dank der gewaffneten, freiwilligen Aufgebote der Städte und Täler konnte Rudolf den ungeschmälerten Besitz des  Landes  gegen die Herzöge von Bayern. Die ebenfalls Ansprüche auf Teile desselben erhoben hatte, behaupten.

Es begreift sich, dass ein Volk, das durch seine rechtmäßigen Vertreter die wichtigsten geschichtlichen Staatsakte  beeinflusst, auch weiterhin das Recht auf die Teilnahme  an der obersten Leitung des Landes ausübt. Das 15. Jahrhundert und die erste Hälfte des 16. sind ja die Höhezeit der Macht des Landtages. Sofern sich dies, aber auf die rein inneren Angelegenheiten des Landes beziehen, hat das uns nicht zu beschäftigen. Aber es fallen in diese Zeit noch zwei Gelegenheiten, bei welchen das Land in höchst gefährlichen Verwicklungen, bei der politischen Außenwelt geriet und nur durch die feste Selbstentscheidung des Volkes vor Zerrüttung und völliger Auflösung bewahrt wurden.

Das eine Mal war es, als der jugendliche Landesfürst Herzog Friedrich in seiner politischen Unerfahrenheit auf dem bekannten Konzil zu Konstanz dem ihn übel gesinnten Kaiser Sigismund eine „Handhabe“ zu seiner Demütigung und zum Verzicht auf seine Länder genötigt wurden. Sigmund wollte dieselben verteilen, um  damit Anhänger zu gewinnen. Alle Nachbarstaaten Tirols forderte er zu bewaffnetem Einschreiten gegen das Land auf, in dieses  schickte er Boten mit der Weisung, ihm, dem Kaiser, zu huldigen. Darauf hatte da Land, dass keine Fürsten mehr besaß und vom Landtag allein geleitet wurde, nur die eine Antwort, die seinen Bestand retten konnte. Die Gewaltversuche der Nachbarn wehrte man ab. Den Boten des Kaisers aber bedeutete der Landtag, dass „hierzulande niemand gehuldigt werde, außer wer Herr des Schlosses Tirol sei“. Da dieses das Sinnbild der einheitlichen Landesgewalt war, sollte damit gesagt werden, dass das Volk nur denjenigen als seine Fürsten anerkennt, der die Einheit des Landes verbürge. Bald kam auch der Bruder Friedrich, Herzog Ernst, ins Land. Anscheinend um dessen Rechte in seiner Abwesenheit zu verwalten. Als aber binnen kurzem Friedrich sich zur Flucht aus Konstanz aufgerafft hatte und in Tirol vom Volk mit warmer Anhänglichkeit begrüßt wurde, wollte Ernst nicht sofort zurücktreten und ein innerer Krieg drohte dem Lande. Da schlossen die Stände der Landschaft, Herren und Ritter, Städte, Gerichte und Täler aus eigenem Antrieb einen Bund und verpflichteten sich gegenseitig, das Land gegen jedermann zu verteidigen, die beiden streitenden Brüder vor Gericht zu laden und ihren Schiedsspruch mit dem Aufgebot aller ihrer Macht durchzuführen. Die Stände als Vertreter des Landes nahmen es also in die Hand demselben auch gegen die Fürsten den inneren Frieden zu erzwingen. Und ihr Vorhaben gelangt auch, Herzog Ernst musste das Land räumen.

Einen harten Widerstand setzte dann die Tiroler Landschaft dreißig Jahre später dem Plan Kaiser Friedrichs II. entgegen, der den noch unmündigen Herzog Sigmund von Tirol zum dauernden Verzicht auf die selbstständige Regierung bewegen und  das Land mit dem übrigen Besitz des Hauses Habsburg unmittelbar vereinigen wollte. Die Landschaft wollte aber einen eigenen Landesfürsten für Tirol haben, weil sie die Selbstständigkeit des Landes für  dessen Gedeihen als  Grundbedingung ansah und in seiner  Verbindung mit anderen Ländern eine Gefahr für die rückhaltlose Wahrung seiner Interessen witterte. Auch in diesem jahrelangen Widerstreit zeigte die Landschaft  in ihren Verhandlungen und Beschlüssen eine unbeugsame Zielsicherheit und als es galt, den Beschlüssen durch bewaffnetes  Auftreten nachzuhelfen, waren alle Stände, besonders die Bürger und Bauern, zur Durchführung der Selbsthilfe bereit. Die zeitgenössischen Berichte erzählen von der ungeheueren  Erregung im Lande, als die Kunde sich verbreitete, der Kaiser wolle die Tiroler mit Gewalt zur Raison bringen. Im geschworenen Rate, dem Vollzugsausschusse des Landtages, wurden die harten Worte bekannt und protokolliert, die der Kaiser gegen die Tiroler damals ausgestoßen hatte: „Wie er doch denen von der Etsch den Strick an die Hälse legen wolle, dass sie für ihn niederknien müssen“. Aber diese Drohungen erreichten nur das Gegenteil ihrer Absicht. „Das sei Gott vor, dass er uns erobere “. und in Wien sprach man von nicht anderem, als dass die Tiroler vom Schweizergeist angesteckt seien. Der Kaiser  musste  schließlich gegenüber der einmütigen Haltung des Landes seine Absicht aufgeben.

Unter der Regierung Kaiser Maximilians I. war die Macht der Stände nur noch im Wachsen. In dem Land-Verfassungsgesetze, das damals zustande kam, dem Landllibell vom Jahre 1511, setzen sie sogar die Bestimmung durch, dass der Landesfürst ohne Genehmigung des Landtages keine Kriegserklärung erlassen dürfe. Bekanntlich hatte keine von den Verfassungen der konstitutionellen Monarchien des 19. Jahrhundert eine solche Bestimmung, die dem Volke auf diese folgeschwerste Staatshandlung einen maßgebenden Einfluss eingeräumt hätte.

Seit der Mitte des 16. jahrhundert verbreitete sich von den romanischen Staaten besonders Spanien und Frankreich aus, das System des fürstlichen oder, besser gesagt, des ministeriellen Absolutismus über ganz Europa. Vor dem Willen des einzelnen Staatslenker hatte des Volkes zu schweigen, es war Material in seinen Händen, aber nicht Träger einer selbstständigen Meinung. Auch in Tirol sinkt im folgenden Jahrhunderten die tatsächliche Macht der Stände als Vertreter der Bevölkerung, sie verlieren die frühere Führung in den Hauptfragen des Landes und müssen sich mehr oder weniger mit der Rolle einer politischen Staffage begnügen.

Aber bei den allerwichtigsten Schicksalsfügungen tritt auch jetzt das Tiroler Volk  selbstherrlich und selbsthandelnd in den Vordergrund der Geschichte und durchleuchtet dann blitzartig  die Dämmerfarbe ihres sonstigen Zustandes. So hatte Tirol in dem Krieg 1701 bis 1713, den man gewöhnlich den spanischen Erbfolgekrieg nennt, als Verbindung der beiden Hauptschauplatzen Deutschland und Italien eine besondere strategisch – politische Bedeutung und ein bayrisch – französisches Heer suchte sich in den Besitz des Landes zu setzen. Schon war Innsbruck in der Gewalt des Kurfürsten von Bayern, die Behörden übergaben ihm die Regierung, da erhob sich in allen Teilen des Landes, überall nur auf eigene Kraft angewiesen, der Widerstand der wehrhaften Bauernschaft und der Feind musste mit schweren Verlusten das Land räumen. Bezeichnenderweise knüpfte sich an diese kriegerische Selbsthilfe des Volkes eine Bewegung, welche eine Demokratisierung der inneren Landesverfassung zum Ziele hatte.

Eine weiter Epoche schwerer Prüfungen brachte hunderte Jahre später unserem Land der Cäsarengeist Napoleon, aber sie verlieh ihm auch den unvergänglichen Ruhmesglanz einer Volkserhebung, die in allen ihren Antrieben von dem Grundgedanken geleitet war, dem Land die gewaltsam geraubte Selbstbestimmung, seine Einheit, seine alte Freiheit und Verfassung aus eigener Kraft, durch blutige Selbsthilfe wiederzugewinnen. Aber nicht damit wollen wir uns heute befassen, sondern mit dem Versuch, die  damals die Vertreter Tirols gemacht haben, durch friedliche Mittel, durch Vorstellung von Recht und Billigkeit, dem Lande das Grundrecht der staatlichen Selbstbestimmung zu wahren.

Als Ende 1805 in Tirol die bevorstehende Abtretung an Bayern bekannt wurde, richteten die Stände an Kaiser Franz I. eine Eingabe, in der sie vorerst die Loslösung des Landes von Österreich beklagten. Wenn aber das unausbleiblich sei, „so wagen die getreuesten Stände“, fährt die Eingabe wörtlich fort, „die letzte, obschon schmerzliche Bitte, wenigstens nicht gestatten zu wollen, dass das Unglück des Landes durch die Teilung desselben vergrößert und so seine seit Jahrhunderten  aufrecht erhaltene Verfassung  und seine mit dem Nahrungsstande alle einzelner Landesteile auf das engste verbundene Ökonomikum mit einem Male auf immer zerstört werden – dass daher Tirol ungeteilt mit der Verbürgung der ständischen Verfassungsrechte dem neuen Regenten durch den Frieden zuerkannt werde.“  Mann ersieht, das  Land Tirol hatte selbst damals als mit Ländern und Völkern gleich Sachen gehandelt und geschoben wurde, den Willen zur Selbstbehauptung noch nicht verloren, wenigstens seine Einheit wollte es als sein letztes treuestes Gut erretten.

In der kurzen Zeit, da Andreas Hofer als Führer und oberster Vertrauensmann des siegreichen Aufgebotes in der Hofburg zu Innsbruck regierte, schloss er einen Vertrag ab, der auf rein demokratische Weise, durch die freieste Selbstentscheidung der betroffenen Bevölkerung, eine Vergrößerung Tirol herbeiführte und in seine Art in der  Geschichte unseres Landes  wie auch in ganz Deutschland einzig dasteht. Der größte Teil des Zillertales hatte nämlich damals zum Fürstentum des Erzstiftes Salzburg gehört, das 1803 säkularisiert, an einen Habsburger zur Entschädigung für sein italienisches Fürstentum und 1805 an das Kaisertum Österreich gegeben wurde, selbstverständlich ohne jemals die Bevölkerung zu befragen. Als nun im Jahre 1809 der Tiroler Landsturm zu seiner Sicherung auch das Salzburger Gebirgsland besetzte, ward dort eine lebhafte Bewegung zum Anschlusse an Tirol entfaltet worden, wobei den bisherigen salzburgischen Untertanen die alte Freiheit des Tiroler Bauernstandes als lockender Preis in Aussicht gestellt wurden. Nach reiflichen Beratungen erschienen die gewählten Vertreter der salzburgischen Gerichte des Zillertales in Innsbruck und schlossen am 25. September 1809  mit Andreas Hofer einen förmlichen Vertrag ab, durch den die Vereinigung ihrer Heimat mit Tirol ausgesprochen und sofort alle verwaltungsrechtlichen Folgen derselben in Kraft gesetzt wurden.  Auch die Pinzgauer verhandelten bereits mit Hofer in der selben Sache, und  der Plan, den mancher Tiroler Führer des Jahres 1809 hegte, aus dem ganzen österreichischen Hochgebirgsländern einen freien Bauernstaat zu gründen, hätte wohl noch weitere Fortschritte gebracht, wäre nicht die Niederlage von Wagram dazwischengekommen. Wir aber müssen heute feststellen: es ist gewiss kein Zufall, dass in dem Zeitpunkte, das der unverbildete, gerade Sinn des Volkes, seine heilige Einfalt, auf einige Wochen die Regierung  des Landes ergriffen, ein politischer Akt zustande kam, der in seinem Grundgedanken das heißersehnte Ideal eines ganzen späteren Zeitalters, das staatliche Selbstbestimmungsrecht wie selbstverständlich in die Tat umsetzte.

Nach dem unglücklichen Ende des Aufstandes von 1809 beschloss Napoleon die völlige Zerreißung des Landes, das gewagt hatte, ihm in den Weg zu treten. Das östliche Pustertal sollte zur französischen Provinz Illyrien, das Etschtal südlich von Klausen und Meran zum Königreich Italien kommen und nur das übrige bei Bayern bleiben. Die Tiroler hatten gewiss keine Veranlassung, gerade jetzt bei der bayrischen Regierung auf eine besonders freundliche Behandlung zu rechnen. Dennoch richteten die Ausschüsse, fast aller deutschen Gerichte, die auf diese Weise an Italien fallen mussten, nämlich die Gerichte Villanders, Kastelruth, Gufidaun, Neumarkt, Salurn und Enneberg, Eingaben an den bayrischen König er möge sich für ihr Verbleib bei dem übrigen Deutschtirol und bei Bayern verwenden. Als Gründe werden angegeben, wie das Gesuch wörtlich sagt:  Im allgemeinen „die angeborene Anhänglichkeit der Deutschen an ihr liebes deutsches Vaterland, der Kontrast in dem Charakter, den Sitten und Gebräuchen der Deutschen und Italiener,“  im besonderen:“ liegen diese Gerichte jenseits jener südlichen Gebirgskette, welche das deutsche vom welschen Tirol scheidet, herrscht in ihnen durchaus die deutsche Sprache, sodass sie auch in dieser Hinsicht für die italienische Gesetzgebung ganz und gar nicht geeignet sind, endlich beruht der Wohlstand des deutschen Anteils von Südtirol vorzüglich auf den freien Verkehr seiner Warezeugnisse an Wein und Getreide gegen das nördliche Tirol. Diesem Verkehr würde durch die erwähnte Teilung, wenn nicht aufgehoben, doch wenigstens sehr erschwert und somit der Wohlstand von Tirol im gleichen Maße herabgesetzt oder vernichtet.“

Auch die Stadt Bozen, wo anfangs die Abneigung gegen Bayern die Stimmung vorherrschte, richtete an die bayrische Regierung schließlich doch noch eine Erklärung, dass auch ihre Bewohner von dem Wunsche beseelt seien, mit den übrigen Tirolern ungeteilt bei der Krone Bayern zu bleiben.

Diese Eingaben vom Jahre 1810 berühren bereits alle Gründe, die gegen die  Zerreißung 1920 Tirols anzuführen sind.  Sie beweisen uns,  dass die Bevölkerung der betroffenen Gebiete schon damals die Staatszugehörigkeit nicht als Zufallswerk der augenblicklichen Macht auffassten, sondern als ein zwingendes Erzeugnis und eine Forderung der nationalen und kulturellen Lebensverhältnisse. Damals, heute vor 100 Jahren (heute 200), stand das Nationalitätenprinzip als Faktor der europäischen Geschichte am Ausgangspunkt seiner Entwicklung. Und haben es die Tiroler von damals schon in seiner ganzen Bedeutung erfasst, was müsste man von den Tirolern  von heute sagen, wenn sie zur Verletzung dieses Prinzips durch den aufgezwungenen Frieden von St. Germain schweigen würden? Es sind wahrlich schon mächtigere Gebilde der Geschichte durch ihren eigenen Gang überwunden worden, als dieses Machtwerk des Hasses und der Gier nach fremdem Eigentum.

 Das zutreffendste und bestimmteste über die Kernfrage des Aufstandes vom Jahre 1809, nämlich über die Vergewaltigung eines bisher freien Volkes und die

Berechtigung der Abwehr desselben, hat unter allen Stimmen der Zeit Erzherzog Johann, der Vertrauensmann Tirols bei der österreichischen Dynastie und Regierung gesagt, als ihm die Kaiserin die Aufwiegelung der Tiroler gegen die durch den  Friedensvertrag anerkannte bayrische Herrschaft zum Vorwurf machte.  „Die Kaiserin vergisst“  schreibt der Erzherzog „dass Tirol Österreich entrissen wurde nicht allein gegen den Willen des Regenten, sondern des gesamten Volkes, dass die Bedingungen, wodurch die Verfassung aufrecht erhalten  werden sollte, vielfach verletzt wurden…. Napoleon, seinem Ehrgeiz folgend, hat schonungslos alle Verhältnisse mit Füßen getreten, die Länder behalten, genommen und anderen gegeben, zertrennt und diese  Mäkelei getrieben. Andere Mächte folgten diesem Beispiel. Wurden je die Völker gefragt? Hätte man Tirol, das eine Verfassung besaß, wo alle Stände der Nation das Wort führten, gefragt, so wäre die Antwort gewesen, bei Österreich wollen wir bleiben, weil wir es da am besten haben und unsere Rechte da gewahrt werden. Solange nicht der Grundsatz unverletzt erhalten wird, dass jeder Staat sich mit dem begnüge was er hat, und seine Vergrößerungen in seinem Inneren zur Beglückung derer, welche den Staat bilden, sucht, solange wird kein dauernder Friede, keine Ruhe und Zufriedenheit herrschen. Das lehrt die Geschichte, das beherzige man.“

Diese Gedanken, die ihrem Ursacher als einem ebenso tief wie idealen gerichteten  das schönste Zeugnis ausstellen, böten in der Tat die einzig mögliche Grundlage für eine dauernde Befriedigung der Völker und Staaten, denn diese kann nur von der Überzeugung ausgehen, dass jedes Volk das Recht hat auf freie Entfaltung seiner natürlichen Lebenskräfte auch in staatlicher Hinsicht besitzt, sofern es dadurch nicht das Recht anderer Nationen verletzt. Diese Gedanken sind freilich der politischen  Praxis von damals weit vorausgeeilt, nicht bloß der Napoleons, sondern auch derjenigen, die nach seiner Besiegung auf dem Wiener Kongress die Führung in Europa an sich betrachten. Und wir wissen, wie weit die Friedensdiktate von 1919 von diesem Gedanken entfernt sind, obwohl dieselben seither im allgemeinen Jdeenschatze  der Menschheit eine unantastbare Geltung errungen haben. Aber gerade deshalb werden wir und die Gewissensfrage stellen: Wenn die Führer Tirols schon vor hundert Jahren (heute 200) in so klarer und bestimmter Form die staatliche Selbstbestimmung als ein wesentliches Grundrecht erkannten und forderten, seine Verletzung verurteilten, dürfen und können wir dafür anders denken ?

Eine geschichtliche Erörterung des staatlichen Selbstbestimmungsrechtes in Tirol kann freilich da nicht stehen bleiben, wo das Land und seiner Vertretung dasselbe für sich fordern, sondern sie hat auch zu untersuchen, ob und wie die Landesvertretung sich zur Anerkennung des selben Rechtes für andere stellt. Eine höchst merkwürdige Auffassung hierüber zeigt ein Gutachten des Matrikelausschusses des Landtages vom Jahre 1892. Damals hatten nämlich die italienischen Gebiete Tirols, die sogenannten welschen  Konfinen, eine Umänderung des Stimmenverhältnisses beim Landtag zu ihren Gunsten gefordert, das Gutachten lehnte dies ab und sagte: „Nimmermehr kann das welsche Tirol jene Rechte beanspruchen, welche dem deutschen und eigentlichen Tirol vorbehalten sind…Sind die Konfinen mit einem solchen Beschluss nicht zufrieden und glauben sie, dass ihnen mit der gänzlichen Absonderung von Tirol besser gedient sei, so wolle man ihnen diesen Wohlstand nicht missgönnen: sie mögen aus unserem Bunde austreten, eine eigene Nation bilden und gleich der Lombardei angesehen werden. Wir aber werden unsere alte Landesfreiheit und unsere herkömmliche Verfassung unabbrüchig genießen und fortsetzen, auch in Ruhe und mit biederer deutscher Eintracht unsere Landtage vollbringen“. Diese Auffassung, die allerdings der Wiener Regierung nicht genehm war, überlässt es dem freien Entschlusse der Welschtiroler den Landesverband zu verlassen und war getragen von der selbstbewussten Überzeugung, dass Deutschtirol ohne sie auch Tirol sei und bleibe. Sie ist das rückhaltlose Bekenntnis zur Selbstbestimmung der einzelnen selbstständigen Teile des Landes, der weitgehende Verzicht auf Ausübung eines staatlichen Zwanges, den man sich vorstellen kann, und man muss staunen, dass in jener Zeit des Absolutismus und der Allgewalt der bestehenden Staatseinrichtungen eine so vorurteilsfreie Meinung sich bilden und in einer öffentlichen Körperschaft Geltung finden konnte. Auch im neunzehnten Jahrhundert haben die Deutschtiroler den Autonomiegelüsten der Welschtiroler gegenüber im ganzen, wie ich hier nur andeuten will, eine mehr entgegenkommende als ablehnende Haltung eingenommen und höchstens das eine suchte man zu verhindern: dass jene Teile des welschtiroler Landvolkes, die bekannterweise lieber bei Tirol geblieben als den Herrn von Trient ausgeliefert worden wären, gegen ihren Willen dieses Schicksal erleiden, also ihres Selbstbestimmungsrechtes beraubt würden.  

Ich bin am Schluss meiner Ausführungen. Sie werden hoffe ich Ihnen das eine gezeigt haben: Land und Volk von Tirol stellen ein Wesen dar, das sich seiner Eigenart und  seines Sonderdaseins schon seit mehr als einem halben Jahrtausend voll bewusst war und stets danach gehandelt hat. Tirol ist niemals nur ein beliebiger Fetzen Landes, sein Volk niemals eine Herde Menschen gewesen, die nur der Zufall von außen zusammengehalten hätte. Sondern in diesem Körper lebte eine Seele, erfüllt von der Vorstellung des eigenen bestimmten Seins, und sein Wille, dasselbe auch stets nach außen zu tragen.

Es ist bezeichnend, dass Tiroler seit dem 18. Jahrhundert sowohl in den Werken englischer, französischer und deutscher Schriftsteller, sowie in den eigenen öffentlichen Kundgebungen als „Nation“ angesprochen werden, das Heißt als eine Gemeinschaft, die unter den übrigen Völkern und Staaten eine ganz bestimmte Selbstständigkeit einnimmt. Und diese Gemeinschaft sucht man heute gewaltsam und gegen den Willen zu zerreißen und zu zerstören, heute wo die Selbstbestimmung der völkischen Wesen sonst als idealer Rechtsanspruch und als Grundlage jeder gesunden Staatenbildung unbedingt anerkannt ist. Und wenn wir dafür kämpfen, dass dieses erste aller staatlichen Menschenrechte das Recht auf staatliche Heimat, und dem Lande Tirol wieder zurückgegeben werde, so werden wir uns immer daran erinnern, dass unser Tiroler Volk dieses Recht schon seit sechs Jahrhunderten aus voller Überzeugung gehegt und betätigt hat. Und wir werden aus dieser Erinnerung für unser heutiges Ringen einen guten Teil der Weihen des Geistes und der Kraft empfangen. Wie einer unserer ersten deutsch- österreichischen Dichter am Schluss eines seiner historischen Epen sagte:

„Es weile auf der Vorwelt unser Blick

Die Vorwelt soll uns tief im Herzen wühlen,

Dass wir uns recht mit ihr zusammenfühlen,

In ein Geschlecht, ein Leben, ein Geschick.

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