Kapitel 3: Das Südtirolproblem

3.1 Die Teilung Tirols in St. Germain und die „liberalen Jahre“1919-22

Am 26. April 1915 schloss das Königreich Italien mit den Ententemächten in London einen Geheimvertrag. Dieser krönte die Bemühungen der Entente mit Erfolg, Italien aus dem Dreibund mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich zu lösen und es zur Aufgabe seiner Neutralität und zum Kriegseintritt an ihrer Seite zu bewegen. Als Siegespreis versprach man den Italienern Gebietsgewinne, unter anderem Südtirol bis zur Brennergrenze. Bald schon löste dieses Versprechen allerdings bei jenen Bedenken aus, die im Selbstbestimmungsrecht der Völker und dessen Durchsetzung in der Nachkriegszeit die Garantie einer dauerhaften europäischen Friedensordnung erblickten. Die „14 Punkte“ des US – Präsidenten Woodrow Wilson, eines der wichtigsten Dokumente dieser Haltung, sprach in dieser Angelegenheit deutliche Worte. Unter Punkt IX hieß es dort: „Es sollte eine Berichtigung der Grenzen Italiens nach den klar erkennbaren Grenzen der Nationalität durchgeführt werden.“

Das billigte Italien die Erfüllung seiner Irredenta – Wünsche, Trento e Trieste zu, aber es war gleichzeitig eine bündige Absage an seine Ansprüche auf die Brennergrenze. Denn die „klar erkennbaren Grenzen“ lagen de facto bei Salurn, etwa fünfzig Kilometer südlich von Bozen. Südtirol nördlich davon Italien zuzuschlagen, so wusste Wilson, würde bedeuten, eines der unzähligen Minderheitenprobleme im Vielvölkerstaat der Habsburger Doppelmonarchie nicht zu lösen, sondern lediglich umzukehren. Diese Bedenken waren schnell verdrängt, als die Sieger in St. Germain zusammenkamen, um über die Auflösung und Aufteilung Österreich-Ungarns zu beraten. Frankreich war an einer weitgehenden Zerstückelung des österreichisch – ungarischen Erbes interessiert und unterstützte die Südtirol Ansprüche Italiens vorbehaltlos, England war skeptisch, schloss sich aber dennoch an. Ausschlaggebend war letztlich, dass auch der Widerstand der USA gegen die Brennergrenze bei den Pariser Verhandlungen rasch erlahmte. Wilsons „Lieblingsprojekt“, die Schaffung eines jugoslawischen Staates, kollidierte mit italienischen Balkaninteressen. Wollte er sich durchsetzen, mussten Italien an anderer Stelle Konzessionen gemacht werden, da es unmöglich war, dem Bündnispartner Italien „nichts zu geben“. Wilson entschied sich schließlich für Südtirol als Preis, ohne seine Bedenken aufzugeben. Am 2. Juni 1919 wurden die Bedingungen des Vertrages von St. Germain verkündet, Italien rückte zur Brennergrenze vor. Die formale Annexion folgte am 10.Oktober 1920.

Für Italien entstand durch die Angliederung Südtirols eine neuartige Situation. Eine so große geschlossene Minderheit, wie es die deutschsprachigen Südtiroler waren, hatte es auf seinem Staatsgebiet bis dato nicht gegeben. Südtirol war kein „unerlöstes Gebiet“ gewesen und seine Einverleibung widersprach im Prinzip dem liberalen Staatsverständnis – der „italienischen Ideologie“ – wonach der homogene Nationalstaat den Fortschritt verkörperte. Aufgrund dieser Ideologie nämlich erhob der italienische Staat seit der Zeit des Risorgimento Anspruch auf die überwiegend italienisch sprechenden Gebiete Österreichs wie dem Trentino. Die Brennergrenze war hingegen kein Ziel der Italienischen Irredenta.

Lediglich eine Hand voll Ultranationalisten erhoben vor dem Ersten Weltkrieg den Anspruch auf das gesamte Südtirol. Ihr zunächst bedeutungsloses, dann aber folgenreiches Wirken ist untrennbar mit dem Namen Ettore Tolomeis (1865-1952) verbunden, den der italienische Historiker  Marco Ferrandi als „den Mann der das Alto Adige erfand“ apostrophierte. Die Ideologie Tolomeis und seiner Mitstreiter war eine „Synthese von pervertierten Risorgimentoideale und österreichischem Fin-de-siecle (Ende des Jahrhundert) - Rassismus“ Es war ein Gewaltakt, wie sie alle in Österreich-Ungarn versammelten Nationalitäten in solcher  oder ähnlicher Form im 19.Jahrhundert hervorbrachten und entstand nicht zuletzt in der Konfrontation mit deutschen chàuvinistischen Volkstumsdenken im alten Tirol, worauf ein späteres Kapitel noch näher eingehen wird. Tolomei vertrat die Auffassung, dass Südtirol erst im 19. Jahrhundert „germanisiert“ worden sei, es sich bei den Bewohnern mithin um „verdeutschte“ Italiener“ handle. Den Brenner sah er als die „natürliche Grenze“ Italiens an und erblickte seine Aufgabe darin, den Anspruch auf das „uritalienische Land“ Südtirol zu proklamieren und in der italienischen Öffentlichkeit dafür zu werben. Zu diesem Zweck gaben er und einige Gleichgesinnte das „Kampf und Propagandaorgan“ ARCHIVO PER L`ALTO ADIGE heraus, in dem versucht wurde mit „wissenschaftlicher“ Methodik Ansprüche zu begründen, daneben aber auch praktische Vorschläge zur Italienisierung gegeben wurden. Durch das ARCHIVO verbreitete Tolomei von ihm selbst entworfene Ort- und Familiennamenslisten (prontuari), mittels deren deutsche Namen ins italienische „zurückgeführt“ werden sollten. Von der Etablierung einer neuen Nomenklatur versprach man sich, dass sich durch sie die Italianita des Landes Südtirol schnell in den Köpfen der Italiener festsetzen würde. Für die deutschsprachige Bevölkerung sah man Zwangsassimilierung oder, wenn „nötig“, Aussiedelung vor. Als Tolomei und seine Mitstreiter 1919 im Windschatten der Besatzungsverwaltung versuchten, ihr Programm zur Italienisierung ohne zu Zögern anzugeben, wurden sie zunächst weitgehend im Zaum gehalten. Ihre Stunde sollte erst unter dem Faschismus kommen, der ihre Gedanken und Ziele willig aufgriff und beförderte.

Die Zeit des Besatzungsregimes unter General Pecori-Giraldi und der ihm nachfolgenden Zivilverwaltung unter dem Liberalen Luigi Credaro von 1918 bis 1922 waren Jahre, in denen es Italien in erster Linie darauf ankam, seinen neuen Besitz zu konsolidieren, so dass Fakten gesetzt wurden, um den neuen Besitz zu sichern. Es wurden zwar tatsächlich erste Maßnahmen eingeleitet, um das Land „italienischer“ zu machen. Aber es gab kaum Bestrebungen, den Südtirolern ihre Kultur zu nehmen. Als der Faschismus an die Macht gelangte, wurde beispielsweise immer noch über Autonomiemodelle für Südtirol diskutiert und die kommunale Selbstverwaltung war relativ intakt geblieben.

3.2 Südtirol 1922-1933 – Unter der Herrschaft des Faschismus

Nach dem „Marsch auf Rom“ änderte sich die Südtirolpolitik des italienischen Staates schlagartig. Der Faschismus und demokratische Minderheitenpolitik waren „zwei notwendigerweise konträre Prinzipien“. Nationale Minderheiten waren gemäß der faschistischen Ideologie eine Gefahr, die es auszuschalten galt. Sie bedrohten aus Sicht der Faschisten die Integrität des Staates durch ihre bloße Existenz und wurden als „fünfte Kolonne“ des Feindes im eigenen Land verdächtigt. Das faschistische Regime verfolgte deshalb über die Dauer seines Bestehens nur ein Ziel: die volle Italienisierung Südtirols und seiner Einwohner. Wie alle radikalen Nationalisten glaubte Mussolini nicht an die Loyalität von nationalen Minderheiten gegenüber dem Staat. Da die deutschsprachigen Südtiroler nicht – noch nicht – einfach ausgesiedelt werden konnten, musste man sie zu Italienern machen, und zwar nicht nur formal zu italienischen Staatsbürgern, sondern vor allem zu italienisch Sprechenden und wenn möglich auch zu italienisch Denkenden. Vor diesem ideologischen Hintergrund war jede Diskussion über Kulturautonomie ausgeschlossen. Bereits vor dem Machtantritt Mussolinis am 22. Oktober 1922 drängten die Faschisten in Rom die liberale Regierung dazu, in Südtirol schärfer „durchzugreifen“. Straßenterror und immer wiederkehrende Überfälle auf deutschsprachige Verlagshäuser oder Umzügen der Südtiroler Heimatvereine sollten ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Im Parlament zeigte sich Mussolini zu allem entschlossen: „Wenn die Deutschen zertreten und zerstampft werden müssen, um Vernunft anzunehmen, wohlan, wir sind bereit!“

Übergriffe auf Volksgruppen wie am „Bozner Blutsonntag“, dem 21. April 1921, als ein mit Handgranaten bewaffnetes Rollkommando aus Trentiner Faschisten einen Messeumzug überfielen, einen Mann tötete und 48 Personen verletzte, war keine Seltenheit. Bereits einen Monat vor dem „Marsch auf Rom“ wurden beim „Marsch auf Bozen“ die Bürgermeister und Gemeinderäte der größeren Städte zum Rücktritt gezwungen.

Nach dem Oktober 1922 begann die konsequente Umsetzung des faschistischen Südtirol – Programms, das sich in weitesten Teilen an den Vorgaben Tolomeis orientierte. Bei der Entnationalisierungspolitik bis 1933 sind zwei Phasen voneinander zu unterscheiden, in denen auf jeweils unterschiedliche Weise versucht wurde, aus Südtirol „italienisiertes“ Land zu machen. Von 1922 bis 1926 versuchte man, die deutschsprachige Bevölkerung mit allen verfügbaren Mittel zu zwangsassimilieren. Hierbei kam ein von Tolomei, nunmehr Senator und seit 1923 als „Kulturkommissar“ in Südtirol tätig, ausgearbeiteter Maßnahmenkatalog, die provvedimenti per l´Alto Adige, zu Anwendung. Als diese Politik bis 1926 noch nicht zum erwünschten Erfolg geführt hatte, behielt man sie zwar unverändert bei, begann aber parallel dazu, das Land selbst zu italienisieren und die deutschsprachigen Südtiroler durch Ansiedlung von Italienern zu einer Minderheit im eigenen Land zu machen. Diese zweite Phase dauerte bis 1943, als deutsche Truppen das Land besetzten.

Die ersten Maßnahmen betrafen die Verwaltung. Am 23. Jänner 1923 wurde die neue Einheitsprovinz Bozen – Trient geschaffen, der Sitz der Präfektur war Trient. 1925  wurde die Gemeindeverwaltung aufgelöst und nach dem Vorbild des restlichen Italien durch Amtsbürgermeister, die podesta, ersetz. Alle Behörden unterstellte man der Leitung von Italienern. Das politische Leben der Südtiroler kam vollends zu Erliegen. Die Parteien wurden nach und nach verboten, die Presse gleichgeschaltet.

Im Zentrum aller Maßnahmen stand eine rigide Sprachpolitik: „Ubi lingua, ibi natio“ hatte Mussolini 1925 seine Überzeugung formuliert. In allen öffentlichen Lebensbereichen versuchte man das Deutsche vollständig zurückzudrängen. Italienisch wurde zunächst alleinige Amtssprache in der Verwaltung und vor Gericht. Das Hauptaugenmerk des Faschismus galt den Schulen. Die Lex Gentile vom 1. Oktober 1923, ein nach dem italienischen Bildungsminister Giovanni Gentile benanntes Gesetz, erhob Italienisch für das ganze italienische Staatsgebiet zur alleinigen Unterrichtssprache. Maria Villgrater bezeichnete es als „schwerwiegendstes Entnationalisierungsdekret dieser Zeit“. Das Gesetz implizierte das generelle Verbot des Unterrichtes in deutsche Sprache. Die deutschen Lehrer wurden suspendiert oder in die altitalienischen Provinzen versetz, auf ihre Stellen rückten Italiener nach. Deutschsprachiger Privatunterricht war nicht verboten, aber an solche unerfüllbaren Bedingungen geknüpft, dass er nicht geregelt zustande kommen konnte. Lehrerinnen und Lehrer, die sich dem Gesetz nicht unterwarfen und heimlich deutsch unterrichteten, wurden mit Gefängnisstrafen und Verbannung bedroht.

Nachdem die ergriffenen Maßnahmen nach Ansicht der Faschisten bis 1926 nicht schnell genug oder überhaupt nicht griffen, und das erwünschte Ziel, Südtirol „italienischer“ zu machen in weiter Ferne lag, unterzog man die Politik einem Wechsel. Einen Wendepunkt markierte die Errichtung der Provinz Bozen im Jahre 1927. Die Teilung der Provinz Bozen – Trient entsprach oberflächlich betrachtet einer der Hauptforderungen der politischen Vertreter der deutschen Minderheit, die nicht aus dem italienischsprachigen Trient verwaltet werden wollten. In Wirklichkeit handelte es sich jedoch um eine Verschärfung. Es ging Mussolini offensichtlich darum, dem „Hochetsch“ durch eine Bozner Präfektur dem direkten Einfluss Roms zu unterstellen, ohne durch die Zwischeninstanz Trient behindert zu werden. 

Unmittelbar nach der Einrichtung der Provinz Bozen begann die zweite Phase der Italienisierungspolitik, ohne dass auch nur eine der bisher ergriffenen Maßnahmen zurückgenommen oder modifiziert wurde. Der Faschismus versuchte nun das Land selbst zu erobern, indem er die Migration von Italienern aus den alten Provinzen noch Südtirol forcierte. Dabei versuchte eine halböffentliche Finanzierungsgesellschaft, dem Ente die Rinascia per le Venezia (E.R.A.), Land von deutschen Bauern zu kaufen, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckten. Um den Bauern ihre ökonomische Basis zu rauben, beseitigte man unter anderem das alte Tiroler Höferecht, nach dem der Besitz ungeteilt vererbt wurde. Der Landbesitz sollte zerstückelt und den Bauern damit ihre Existenzgrundlage entzogen werden. Das auf solche Art freigewordene Land wollte die E.R.A. aufkaufen und zu günstigen Konditionen an italienische Bauern weiterverpachten. Die Erfolge der E.R.A. waren bescheiden, das Land blieb trotz aller Bemühungen weitgehend in der Hand der alteingesessenen Südtiroler Bauer, die effektiven Widerstand gegen die schleichende Enteignung leisteten. Erfolgreicher war dagegen die gleichzeitig begonnene, aber erst zu Anfang der dreißiger Jahre voll wirksam werdende Industrialisierungspolitik in den Städten. Am Bozner Stadtrand begannen als herausragendes Beispiel Anfang der dreißiger Jahre die Bauarbeiten für eine große Industriezone. Dass es sich hierbei nicht um regionale Entwicklungspolitik handelte, sondern um ein Instrument zur Majorisierung der Südtiroler in den Städten, war von Anfang an klar erkennbar. Nur italienische Betriebe durften sich dort ansiedeln  und erhielten steuerliche Vorteile. Es wurden ausschließlich italienische Arbeiter beschäftigt, für die man eigene Wohnkomplexe in der Umgebung der Industriezone errichtete. Mit dieser Politik gelang es dem Faschismus tatsächlich innerhalb kurzer Zeit, die Einwohnerstruktur und das Erscheinungsbild Bozens zu verändern.

Der Assimilierungsdruck auf die deutschsprachige Bevölkerung wuchs mit den Jahren. Der Faschismus flankierte seine Maßnahmenpolitik mit einem Krieg der Namen und Symbole, den er gegen die Minderheit führte. Hierin drückte sich der Totalitätsanspruch des Faschismus am besten aus. Der Anspruch der Italianisierungspolitik erstreckte sich nur auf die Gegenwart. Südtirol sollte keine Spuren einer deutschen Vergangenheit mehr tragen, und dort wo es möglich war, versuchte man selbst die Erinnerungen daran zu tilgen: Der Name Tirol war mit all seinen Ableitungen verboten. Das Land konnte als Alto Adige oder auf deutsch „Hochetsch“  bezeichnet werden, seine Bewohner sollten sich als atesini oder „Etschländer“ nennen. Selbst Warenbezeichnungen wie „Tiroler Loden“ waren untersagt. Alle Erinnerungen an die Habsburgerzeit wurden aus dem öffentlichen Leben getilgt, Flaggen und Wappen waren verboten, in allen öffentlichen Einrichtungen wurden sie durch das Bild des Königs und des „Duce“ ersetzt.  Nach Tolomeis prontuario stellte man allen deutschen Ortsnamen italienische voran. Auf öffentlichen Gebäuden waren nur italienische Inschriften erlaubt. Etwas später ging man daran, auch Familiennamen ins Italienische „zurückführen“, schließlich gerieten selbst Namen von Gräbern ins Visier. Auch Architektur und Stadtplanung wurden für das Italienisierungsprogramm in Dienst genommen. Alle Neubauten mussten im „italienischen Stil“, oftmals dem faschistischen, gebaut werden. Einen besonderen Stellenwert in der nationalen Symbolpolitik nahm der Kampf gegen die „deutschen“ Denkmäler ein. Nicht nur die Kriegerdenkmäler wurden überall ausgewechselt. Faschistische Monumente wurden vor allen dort errichtet, wo zuvor solche gestanden haben, die dem italienischen Nationalismus als Ausdruck des „Germanismus“ galten. Das betraf beispielsweise das Standbild von Walther von der Vogelweide auf dem Bozner Waltherplatz, das 1935 nach langen Debatten  entfernt wurde. Man zerstörte den Laurinbrunnen und baute das Bozner Museum vom gotischen in den romanischen Stil um. Die deutsche Erinnerungskultur sollte zerstört werden. Das Errichten italienischer Monumente kam oft dem Setzen der Feldzeichen im unterworfenen Land gleich (und so sollte es auch verstanden werden). Das zeigte sich vor allem im Bau des „Siegesdenkmals“ in Bozen, der 1925 begann. An die Stelle eines Kaiserjägerdenkmals errichtete man einen Triumphbogen, auf dem die Siegesgöttin gen Norden Blitze schleudert. Die Inschrift war programmatisch: „Hic patriae finis siste signa hinc ceteros excoluimus lingua legibus artibus.“  „Hier an der Grenze des Vaterlandes setzte die (Feld) Zeichen. Von hier aus bildeten wir die Übrigen (Barbaren) durch Sprache, Gesetz und Künste.“

Hier wurde versucht, möglichst sichtbar Herrschaftsanspruch zu legitimieren und in Stein zu hauen. Der zeitgenössische deutsche Historiker Paul Herre schätzte die Funktion des Monumentes durchaus richtig ein, als er 1927 davon sprach, das Bozner Siegesdenkmal solle „offensichtlich den Deutschen Südtirolern gegenüber die Rolle des Geßlerhutes spielen“. Es war unter anderem diese brachiale Symbolpolitik, die die Südtiroler und eine Vielzahl ausländischer Beobachter am meisten an der Minderheitenpolitik des faschistischen Regimes empörte. Der Faschismus bot der deutschsprachigen Südtiroler Volksgruppe keine Möglichkeit, sich ohne vollständige Aufgabe der kulturellen Identität mit dem Italienischen Staat zu arrangieren. Die Alternative bestand lediglich zwischen erzwungener oder freiwilliger Assimilation.

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