Immer wieder versuchen Politiker, Medien usw. aufrechte Patrioten, speziell wenn sie sich mit der Süd-Tirolfrage beschäftigen, in das extrem “Rechte Lager“ einzuordnen. Daher wird in den kommenden Sandwirtsbriefen versucht klarzustellen, weich traurige Rolle die Nationalisten (Nationalsozialisten und Faschisten)  in der Süd-Tirolfrage gespielt haben, bzw. teilweise noch heute spielen.

Immer wieder versuchen Politiker, Medien usw. aufrechte Patrioten, speziell wenn sie sich mit der Süd-Tirolfrage beschäftigen, in das extrem “Rechte Lager“ einzuordnen. Daher wird in den kommenden Sandwirtsbriefen versucht klarzustellen, weich traurige Rolle die Nationalisten (Nationalsozialisten und Faschisten)  in der Süd-Tirolfrage gespielt haben, bzw. teilweise noch heute spielen.

Die deutsche Rechte und das Südtirolproblem. Auch heute noch wird gelegentlich die Meinung vertreten, der Nationalsozialismus habe Südtirol nicht verraten. Das stimmt nachweislich nicht.

1.1 Einleitung, Ankündigung: Nur wer die Geschichte kennt, begreift das Südtirolproblem aus der heutigen Sicht. Die Angst vor Rom ist auch heute noch weit verbreitet. . 

„… und ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht – Südtirol 1938/39

Im März 1938 zog Hitler aus Dankbarkeit über die positive Reaktion Mussolinis beim Anschluss Österreichs eine „klare Grenze“ gegenüber Italien am Brenner. Kurz darauf begannen Gespräche zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem faschistischen Italien, um das Problem der Südtiroler deutschsprachigen Volksgruppe, das zwischen den Parteien der „Achse Berlin-Rom“ stand, einer dauerhaften „Lösung“ zuzuführen. Was folgte, war die sogenannte Option: Die Südtiroler wurden vor eine kurzfristig zu treffende und endgültigen Wahl gestellt: Umsiedeln ins Reich und damit Aufgabe der Heimat, oder Beibehaltung der italienischen Staatsbürgerschaft, verbunden mit dem unwiderruflichen Verzicht auf alle kulturellen Rechte als deutschsprachige Minderheit. Der Fluchtpunkt jeder Auseinandersetzung mit der Südtirolfrage in der Zwischenkriegszeit wird letztlich immer  in den Jahren 1939 – 1943 liegen. Die Option traumatisierte die Südtiroler Gesellschaft, spaltete sie in „Optanten“ und „Dableiber“, in „Heimatverräter“ und „Volksverräter“. 1938/39 traf der von Hitler vollzogene Schritt viele Südtiroler unvorbereitet. Denn gerade die Saar-Abstimmung 1935 und der Anschluss Österreichs hatten Hoffnung  genährt, es könne nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Südtirol „heim ins Reich“ geholt werde. Das „Vermächtnis des Führers“, seine „Preisgabe Südtirols“, zerstörte diese Hoffnung und löste Entsetzen aus.

Auch im Deutschen Reich war dies keineswegs populär. Hitler gab einen Gebietsanspruch auf, den weite Teile des deutschen Nationalismus seit dem 1. Weltkrieg erhoben hatten. In der NSDAP begann sich unmittelbar nach der Märzrede Hitlers deutliche Unzufriedenheit zu regen, so deutlich, dass Rudolf Hess, sein „Stellvertreter“, es für angeraten hielt, die „Parteigenossen“ und SA-Kameraden“ im November 1938 zu warnen:

      Die deutsch-italienische Grenzziehung ist endgültig. Alle offenen und versteckten Erörterungen des für uns abgeschlossenen Themas stören deshalb die Außenpolitik des Führers. Jeder Parteigenosse ist verpflichtet, ihm bekanntgewordene Störversuche unaufgefordert und sofort einer vorgesetzten Dienststelle zu melden. Die Beteiligung an Schulungsvorhaben für Südtirol oder ihre indirekte Unterstützung wird mit schärfsten Mitteln geahndet. Rücksichtslose  Entfernung  aus  der  Partei  und  strafrechtliche Verfolgung werden den Beteiligten für alle Zukunft jede Lust nehmen, sich über wohlbegründete Entscheidungen des Führers hinwegzusetzen.

Die Frage, die sich diejenigen, die empört über die Aufgabe Südtirols waren, allerdings stellen mussten, lautete: Kam der Verzicht überraschend? Die Antwort konnte nur negativ ausfallen: Es war nichts weiter als eine logische Konsequenz der Haltung, die Hitler zu Südtirol bereits seit den Zwanzigerjahren einnahm und die – kurz gesagt – in einem bedingungslosen Verzicht um eines erhofften Bündnisses  mit Italien willen bestand. Er hatte diese Position immer offen vertreten und auch seine praktische Politik nach 1933 stets an ihr ausgerichtet. Er konnte mit gutem Recht behaupten: „Diesen Entschluss habe ich nicht 1938 gezogen, sondern gleich nach dem Ende des großen Krieges, und habe nie ein Geheimnis daraus gemacht.

       Gerade in den an Südtirol interessierten Kreisen im Deutschen Reich, ob in der NSDAP oder außerhalb, müssen in diesem Moment und den folgenden Jahren Erinnerungen wach geworden sein an die Zeit von 1926 bis 1928: Hitler hatte seine Positionen erstmals öffentlich und in aller Deutlichkeit präsentiert und sah sich massiven Angriffen ausgesetzt. Aber dann war die Auseinandersetzung verebbt, ohne dass Hitler seine Position modifiziert oder auch nur zu verschleiern versucht hatte. Das führte schließlich dazu, dass er 1933 nicht mehr gezwungen gewesen war, den Mantel des Schweigens über die Südtirolfrage auszubreiten, weil die gewünschte Ruhe bereits zuvor eingekehrt war.

      Dieser überraschende Befund ist Ausgangspunkt und Leitfaden für die Beschäftigung mit dem Thema unter verschiedenen Fragestellungen und Gesichtspunkten. Die in Zukunft folgenden Sandwirtsbriefe des Andreas Hofer – Bundes Tirol werden daher versuchen, von dieser Sachlage ausgehend, Inhalt, Bedeutung und Konsequenzen von Hitlers Haltung in der Südtirolfrage und die daraus entstandenen Konfrontationen mit der Rechten im Reich zu ergründen.

1.2 Problemstellung und methodisches Konzept :

Der Untersuchungsgegenstand dieser Briefe ist die Karriere der Debatte um Südtirol als grundlegender Streitpunkt des deutschen Nationalismus. Das Erkenntnisinteresse besteht darin, die Bedingungen ihres Aufstieges und ihres Abklingens verstehen zu können. An das Thema werden hierfür einige zentrale Fragen gestellt: Worin bestand das Interesse der Rechten an Südtirol, und wodurch war es bedingt? Welche Differenzen ideologischer oder sonstiger Art bestanden an der Südtirolfrage, zunächst zwischen Hitler und seiner Partei – denn Hitlers Meinung war auch hier zu Anfang die Minderheit – zwischen der NSDAP und anderen  Gruppen der Rechten? Warum konnten sie überwunden werden, und welche Mechanismen traten dabei in Kraft? In komprimierter Form lautete die Frage: Welcher „Wert“  kam Südtirol in der Konzeption des deutschen Nationalismus zu, und um welchen „Preis“ war man bereit, diesen zurückzustellen?

Um die Diskussion um Südtirol bewerten zu können, werden zwei Faktorengruppen unterschieden, die ihren spezifischen Charakter prägten: Zum einen solche, die den nationalistischen Diskurs insgesamt bestimmten, Kategorien, die die Rechte zur Bewertung außenpolitischer Fragen im allgemeinen heranzog. Sie werden in dieser Arbeit auf die Begriffe „Revisionismus“ und „Volkstumsideologie“ verdichtet. Zum anderen  solche  Faktoren, die die Besonderheit des Themas ausmachen.

Ein „Südtirolproblem“, wie es in diesen Briefen formuliert wird, entstand dabei für die deutsche Rechte in mehrfachem Sinn: Südtirol war ein Problem für die deutsch/österreichische Rechte, da hier in besonderem Maße der Versuch verübt wurden, Deutschen durch Zwangsassimilierung ihr „Deutschtum“ zu nehmen, sie mithin dem „Volkskörper zu entreißen“ und damit auch territoriale Ansprüche zu tilgen. Das Schicksal der Südtiroler war unter allen deutschsprachigen Minderheiten in Europa der Nachkriegszeit das gravierendste – nirgendwo anders wurden die kulturellen Rechte einer deutschsprachigen Minorität derart missachtet wie im faschistischen Italien.

Es wurde auch ein Problem innerhalb der Rechten, weil es die einzige Minderheitenfrage war, in der sich durch die abweichende Haltung Hitlers und der NSDAP überhaupt grundsätzliche Differenzen in der Bewertung ergaben. In allen anderen ähnlich gelagerten Fällen herrschte Einigkeit darüber, dass der Versuch anderer Staaten vereitelt werden müsse, den unter ihrer Hoheit lebenden Deutschen (österreichische Minderheiten) ihr Deutschtum zu „rauben“. Und zuletzt ergab sich ein drittes Problem gleichfalls innerhalb der Rechten, weil die  Sympathien für den italienischen Faschismus hier eine breite Basis hatten und sich somit im Widerstreit mit der nationalen Empörung über die italienische Politik gegenüber der deutschen Minderheit in Südtirol befanden. Diese drei Besonderheiten waren das Spannungsfeld, auf denen die Debatte innerhalb der deutschen Rechten ausgetragen wurde. 

An dieser Stelle bedarf der hier verwendete Begriff der politischen Rechten einer kurzen Erläuterung. Nach der klassischen Definition von Hans Fenske lassen sich in der Weimarer Republik als „Nationale Bewegung“

(….)  zusammenfassend alle die Personen, Gruppen und Parteien bezeichnen, die ihren Standpunkt rechts von den Parteien der Friedensresolution und der späteren Weimarer Koalition hatten und sich zugunsten einer Erneuerung des Kaiserreiches oder zugunsten einer revolutionären Wiedergeburt Deutschland aus nationalem und sozialem Geist gegen die aus dem Zusammenbruch der Monarchie erwachsende Staatsgestaltung und gegen die tragenden Parteien stellten.

Die weiteren Sandwirtsbriefe gliedern sich in zwei Teile. Der Erste (Kapitel 2+3) versucht die Hintergründe der Südtiroldebatte innerhalb der deutschen Rechten darzustellen, indem er zunächst die grundsätzlich Haltung der Rechten untersucht, mit der sie einem Thema wie Südtirol gegenübertrat, um im folgenden das Problem selbst zu skizzieren, die eigentliche Südtirolfrage.

Im Zweiten, vorwiegend deskriptiven Teil (Kapitel 4-7) werden Debatten und Haltungen innerhalb der Rechten zur Südtirolfrage in ihrem Wandel nachgezeichnet. Dabei geht es um den chronologischen Verlauf – und um eine Analyse der Motive und Ideologien der jeweiligen Akteure.

Kapitel 2 erörtert die Frage, welche Kategorie die Rechte bei der Bewertung  außenpolitischer Fragen anwendete. Dies kann in diesem Rahmen allerdings nur kursorisch geschehen. Besondere Aufmerksamkeit wird der Verwendung der Begriffe des „Volkes“ und des “Volkstums“ gewidmet, die im Südtiroldiskurs eine herausragende Rolle spielten. Ausführlich behandelt wird daher auch derjenige Teil  der Rechten, und als solcher ist er hier nach grundsätzlich übereinstimmenden Deutschtumsmuster und personellen Zusammenhängen definiert, der sich in Deutschtumsvereinen vorwiegend der „Pflege“ des Volkstums widmet. Es wird geschildert, unter welchen Voraussetzungen sich diese Vereine mit der übrigen Rechten zu Aktionsgemeinschaften zusammenfanden.

Kapitel 3 bietet einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung des Südtirolproblems 1918-1933 sowie seine Rezeption in Südtirol, Österreich und in Deutschland. Dabei muss insbesondere geklärt werden, wie das Deutsche Reich ein von allen Seiten als maßgeblich erachteter Akteur in der Südtirolfrage werden konnte, obwohl es sich im Prinzip um ein völkerrechtliches Problem zwischen der Republik Österreich und Italien handelte; darüber hinaus stellt sich die Frage, welche externen Faktoren die Debatte der Rechten mitbestimmten, aus dem Ausland wie von deutscher Regierungsseite.

Kapitel 4 soll die Bedingungen besprechen, unter denen sich  Mitte der zwanziger Jahre vorwiegend in Bayern eine breite rechte Front in der Südtirolfrage formieren konnte. Hier wird gezeigt, wie der aktivste Teil der Südtirolpropaganda im Reich in den Deutschtumsvereinen, die sich hauptsächlich mit dem Thema Südtirol befassten, mit seinen Anliegen nationalistische Gefühle ansprechend und diese zur Mobilisierung nutzen konnten.

Kapitel 5 untersucht, wie Hitler zu einer dieser Front vollkommen entgegen- gesetzten Auffassung gelangte, welche Stellung Italien, und davon abgeleitet Südtirol, in seiner Programmatik zukam. Die Frage wird sein, wie es ihm gelingen konnte, den Verzicht in seiner eigenen Partei gegen bestehende Widerstände durchzusetzen und dauerhaft aufrechtzuerhalten.

Kapitel 6 greift die heftigen Kontroversen auf, die sich an der Haltung der NSDAP in den Jahren 1926 bis 1928 entzündeten. Breiter Raum soll hier den spezifisch ideologischen Differenzen zwischen Kontrahenten eingeräumt werden, weil sie an dieser Stelle am besten fassbar sind. Außenpolitische Faktoren, die zunächst die besondere Schärfe der Auseinandersetzung bestimmten und später ihr Ende einläuteten, werden genauso berücksichtigt.

Kapitel 7 ist ein Versuch, die Gründe zu finden, warum die Front der Rechten in der Südtirolfrage zerbrach, warum und in welcher Weise sich ihre einzelnen Teile der Haltung der NSDAP annäherten. Im Mittelpunkt steht in diesen Abschnitten der Einfluss des italienischen Faschismus auf die deutsche Rechte. Schließlich werden im Schlusskapitel die Fäden verknüpft und Thesen formuliert.

Denn echte Patrioten sind keine NAZI Idioten.

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