Die Stellungnahme des AHBT zur italienischen Kolonie in Innsbruck

Aus Anlass der Großdemonstration des Süd-Tiroler Schützenbundes am 08. 11. 2008 gegen den in Süd-Tirol (und Italien) immer noch aktiven Faschismus, erinnert die Schriftführung des Andreas Hofer Bundes für Tirol daran, dass auch Nord-Tirol in der Zeit von 1923 bist 1938 nicht vom italienischen Faschismus verschont blieb.

Die Existenz einer ziemlich umfangreichen italienischen Kolonie in Innsbruck war dem Andreas Hofer – Bund naturgemäß ein Dorn im Auge, allerdings muss man ihm zugestehen, dass hinter dieser strikten Ablehnung alles Italienischen an sich kein übersteigerter Nationalismus stand, sondern die Ohnmacht darüber, dass trotz der Zugeständnisse, die man Italien gewährte, die Behandlung der deutschen und ladinischen Südtiroler durch Italien jeder Beschreibung spottete. Dieser Punkt war dann auch die Grundlage jeder Stellungsnahme bzw. Kritik des Andreas Hofer – Bundes. 

Mit seinem Kampf gegen diese italienische Kolonie hatte der Hoferbund bereits 1923 begonnen. Im Februar dieses Jahres machte man Landeshauptmann Stumpf darauf aufmerksam, dass in der Adamgasse in Innsbruck ein „Faschistennest“ bestehen würde und forderte die Ausweisung der Faschisten.

Tatsächlich berichtete die Tiroler Landesregierung an den Bundeskanzler, dass die Aktualitäten der Italiener stark  im Zunehmen wären. Ursprünglich war diese Gruppe von italienischen Faschisten nur etwa acht bis zehn Mann groß, die im Bankhaus Stockinger und bei der Speditionsfirma Gottardi arbeiteten. Mit dem verstärkten Ausbau der Auslandsfascio schlossen sich im Laufe der Zeit fast alle in Innsbruck ansässigen Italienern dieser Gruppe an, meist auf den Druck der Faschistenführer hin (wer nicht bereit war, musste  mit Passschwierigkeiten bzw. mit Problemen bei der Erlangung von Aus- und Einfuhrbewilligungen rechnen, wovon insbesondere die Händler und Kaufleute betroffen waren; weiters zählten noch Eisenbahner, Handelsagenten und niedere Bedienstete zur Kolonie).

Auf diese Weise wurden auch die großen italienischen Exportfirmen in Innsbruck, Italo – Austria, Comper, Ischia, Gottardi und Vedovelli, die über Innsbruck Südfrüchte nach Bayern und in die Tschechaslowakei versandten, faschistisch durchsetz.

Überhaupt bereitete sich diese faschistische Gruppe sehr rasch aus, bald gab es Mitglieder in allen Großen Orten Tirols, in Matrei, Steinach, Kufstein und Landeck (also entlang der Bahnlinien), die Fäden liefen im italienischen Konsulat in Innsbruck zusammen.

Die faschistische Organisation zog in Tirol einen regelrechten Spitzeldienst auf, der zur Überwachung deutscher Südtiroler bzw. der völkischen Vereine und deren Kundgebungen und Versammlungen herangezogen wurde (Z.B. wurde eine Protestkundgebung des Andreas Hofer – Bundes anlässlich der Konfinierung des ehemaligen Tiroler Landtagsabgeordneten Michael Malfertheiner am 8. April 1931 oder die Enthüllung des Innerhoferdenkmales am Rennweg bespitzelt).

1924 wurde Giuliano Ricciardi zum italienischen Konsul bestellt, der gleichzeitig die Leitung der faschistischen Ortsgruppe übernahm, deren bisheriger Leiter, Andreis, nach München versetzt wurde, um die dortige AHB-Bundesgruppe, die in den 20er Jahren die Richtung des Bundes maßgeblich mitbestimmte, zu überwachen.

Neben weiteren Spionageaufträgen (Erkundigungen über die Heimwehren und das österreichische Bundesheer einziehen usw.) war diese  Überwachung der völkischen Vereine die Hauptaufgabe der Spitzel, zu deren auch Einheimische gehörten; 1928 wurde z.B. die Kanzlei die der AHB und der DSS gemeinsam in der Museumstrasse unterhielten, beobachtet und jeder registriert, der sie betrat.

Im Jahre 1925 legte der italienische Konsul der Tiroler Landesregierung die Statuten für den „Verein der in Tirol lebenden Italiener zur gegenseitigen Hilfeleistung“ vor, hinter dem sich, wie jeder wusste, der Auslansfasisco  verbarg.

Ab 1930 versuchten die Italiener noch mehr Fuß zu fassen, italienischen Gewerbebetreibenden wurde, wenn sie sich in Innsbruck ansiedelten, Unterstützung zugesichert. Dies ging  Hand in Hand mit dem Bemühen Italiens, sich größeren Einfluss auf die österreichische Wirtschaft zu sichern.

Bereits im Jahre 1920 hatte man sich vom Andreas Hofer – Bund aus entschieden, gegen die Gründung einer neuen Bank, die mit deutschem, tirolischem und italienischem Kapital  errichtet werden sollte, ausgesprochen, „mögen die Grundsätze der hohen Politik, mag die elende Wirtschaftslage unseres armen Landes es anscheinend rechtfertigen, dass sich Deutschland und Italien wenige Tage vor der Annexion Deutsch - Südtirols (….) zu gemeinsamen Handeln an einen Tisch setzen; Der Masse des Volkes, dem heimat- und nationalstolzen Teil unserer Landsleute nördlich und südlich des Brenners wird und darf ein derartiges Vorgehen nicht verständlich sein“.

Man forderte dazu auf, bei jedem Zusammentreffen mit italienischen Finanzleuten gegen die Unterdrückung in Südtirol zu protestieren, diesen klarzumachen, dass ein freundschaftlicher Geschäftsverkehr moralisch unmöglich wäre, wenn keine bessere Behandlung der Südtiroler eintreten würde: aber vor allem sollte alles unternommen werden, den italienischen Einfluss solange zu verdrängen, „insolange nicht Deutsch -Tirol wieder vereint ist“.

Diese Bank blieb aber nicht der einzige Versuch Italiens, sich wirtschaftlich in Nordtirol festzusetzen. Dazu zählten weiters der Plan , ein Warenlager in Innsbruck, das als Umschlagplatz für den Warenverkehr Italiens mit der Schweiz gedacht war, zu errichten, der Vorschlag einer Zoll- und Münzunion im August 1922, sowie die Versuche, die Wasserkräfte, Holzwirtschaft und die Eisenbahn (die Strecke Innsbruck – Brenner) zu kontrollieren; hier scheiterte Italien aber am massiven Widerstand in Wien und Innsbruck, da man die wirtschaftliche Selbstständigkeit Österreichs gefährdet sah. 

Auch die Absicht Italiens, in Innsbruck einen internationalen Bahnhof zu installieren, der sich in italienischer Hand befinden sollte, wurden zunichte gemacht, nicht zuletzt durch die scharfen Proteste des Andreas Hofer – Bundes und der Deutschvölkischen Arbeitsgemeinschaften, die sofort auf erste Presseberichte reagierten und vor Repressalien gegen in Innsbruck  lebende Italienern warnten.

Das Hauptziel der Italiener war es, sich in Nordtirol noch mehr festzusetzen. Auf den Druck hin, den auch die Tiroler Landesregierung ausübte, ließ man in Wien das Projekt wieder fallen, auch in Deutschland hatte darüber eine gewisse Unruhe geherrscht. Dahinter stand aber in erster Linie die Angst vor einem weiteren verstärkten Zuzug von Italienern.

Die Bildung einer italienischen Kolonie konnte aber nicht verhindert werden, vor allem in den 30er Jahren war sie ein Hauptangriffspunkt für den Andreas Hofer – Bund; schon 1926 kritisierte der Leiter der Wiener Bundesgruppe, Pater Innerkofler, in seiner Rede anlässlich des Annexionsgedenkens 1927 in Innsbruck, dass man eine italienische Bahnverwaltungsstelle mit ca. 50 bis 60 faschistische Beamten sowie deren Vereinshaus duldeten würde. Ein besonderer Schlag für den Schutzverein war schließlich die Eröffnung einer Italienischen Schule im Haus der „Alba“ in der  Straße der Sudetendeutschen in Innsbruck.

Der Andreas Hofer – Bund hatte anfänglich beschlossen, dagegen nichts zu unternehmen, solange sie sich auf Kinder von Reichsitalienern beschränkte. Man wollte aber die Bundes- und Landesregierung  darauf aufmerksam machen und diesen bei Gelegenheit eine Denkschrift über zusammengefasste  nationale und politische Gründe, die dagegen sprechen würden, überreichen, da die Errichtung einer Schule „ein weiterer Schritt zur Durchdringung der Wirtschaft durch italienisches Kapital sei“.

Als aber die Eröffnung am Tag der faschistischen Feiern des Marsches auf Rom stattfand, und mehrere Persönlichkeiten der Tiroler Behörden wie der Landeshauptmannstellvertreter und der Landesamtsdirektor sowie zwei Vertreter der Heimwehr daran teilnahmen, zeigte sich der Andreas Hofer – Bund entrüstet. Seine Reaktion bestand in einer Denkschrift an den Landeshauptmann, in der  er seiner Empörung Ausdruck gab, gleichzeitig aber die Bitte äußerte, die kulturellen Rechte der Südtiroler wahrzunehmen.

Ganz besonders strich man die Diskrepanz zwischen dem Entgegenkommen der österreichischen bzw. tirolischen Behörden zur Behandlung der Südtiroler durch Italiener heraus:

Der Andreas Hofer – Bund hält es für seine Pflicht, darauf hinzuweisen, dass die gegenwärtige Unmöglichkeit, solche Ereignisse vor die Öffentlichkeit zu bringen, deren Tragweite  nicht aus der Welt schafft. (….), dass in der deutschen Stadt Innsbruck zur Zeit der vollkommenen Unterdrückung des Deutschtums in Südtirol eine italienische Schule unter feierlicher Intervention der Tiroler Landesregierung trotz der Beteiligung so übler Gestalten, wie eines Dr. Crespi und des in Südtirol bestgehassten Fanatikers Don Paisani, stattfinden konnte.“

Entschieden wandte man sich auch gegen diverse Kulturveranstaltungen dieser italienischen Kolonie in Innsbruck.

Als der italienische Generalkonsul im Jahre 1935 für italienische Kulturpropaganda die Freiwillige Rettungsgesellschaft um die Überlassung eines Kinos (Kammerspiele) ersuchte, richtete der Andreas Hofer – Bund, als er davon Kenntnis erhielt, an diese die Bitte, das Ansuchen abzulehnen, solange in Südtirol keine Filme mit deutschem Text gezeigt werden dürfen; und wirklich weigerte sich die Rettungsgesellschaft daraufhin, das Kino den Italienern zu überlassen.

Im Jahre 1937 registrierte der Andreas Hofer – Bund erneut eine Welle von Veranstaltungen der Italiener in Innsbruck, worauf er sofort bei lokalen Persönlichkeiten Einspruch erhob.

Am meisten kritisierte man dabei, dass zahlreiche „österreichisch Staatsangehörige in angesehener Stellung“ an diesen Veranstaltungen kulturellen und propagandistisch-politischen Inhalts der Italiener (Vorträge, Konzerte, Filmvorführungen usw.) teilnahmen, was den Andreas Hofer – Bundes zur Feststellung veranlasste,

„es ist schlechthin erstaunlich, dass die Italiener angesichts der beispiellosen kulturellen Missachtung unserer Landsleute in Südtirol in Innsbruck solche Veranstaltungen unternehmen. Dies kann wohl nur im sicheren Gefühl gewagt werden, dass uns nationales Selbstbewusstsein mangelt“.

Auf seine Proteste erhielt der Andreas Hofer – Bund aber nur die lakonische Antwort, „ auf Grund des Kulturabkommens zwischen Österreich uns Italien ist es der italienischen Kolonie in Innsbruck gestattet, Kulturveranstaltungen durchzuführen“.

Es sei hier an die die Worte der 10 Gebote aus den 1930er Jahren des italienischen  Schriftstellers und Abgeordneten im römischen Parlament F.T. Marinetti (vom punto di partenza) erinnert, der den Brenner nur als Ausgangspunkt italienischen Einflusses bezeichnete.

Die Trikolore auf dem Brenner:

Die 10 Gebote für die „Trikolore am Brenner“ (Nationalerhebung für die Wacht am Brenner: Präsident. Abgeordneter F.T.Marinetti)

  1. Göttliches Italien
  2. Die alten Römer haben alle Völker der Erde unterjocht. Der Italiener von heute ist unüberwindlich.
  3. Der Brenner ist kein Endziel, sondern ein Ausgangspunkt.
  4. Der letzte Italiener ist mehr wert als tausend Ausländer.
  5. Die italienischen Erzeugnisse sind die besten der Welt.
  6. Die italienischen Landschaften sind die schönsten der Welt.
  7. Um die Schönheit einer italienischen Landschaft begreifen zu können, muss man geniale Augen, d.h. italienische Augen haben.
  8. Italien genießt alle Rechtsansprüche, denn es hat von jeher das absolute Monopol schöpferischen Geistes besessen, und wird es auch in Zukunft innehaben.
  9. Alles, was jemals erfunden worden ist, haben Italiener erfunden.
  10. Deshalb hat jeder Ausländer Italien mit dem Gefühl religiöser Ehrfurcht zu betreten.

Kein Wunder, dass es heute in Italien noch so viele Faschisten gibt.

Ing. Winfried Matuella

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