Italien als Angreifer im Krieg gegen Österreich – Ungarn

Seit den Julitagen 1914 hatte Italien mit Österreich – Ungarn verhandelt. Es gab ca.100.000 italienischsprachige Tiroler (Welschtiroler), die nicht unbedingt Untertanen des italienischen Königs werden wollten.

Im August 1914 waren die Positionen klar: Italien verlangte für seine Neutralität – nicht für den Kriegseintritt – immer größer Gebiete Österreichs. Das Deutschen Reich war zu diesen Abtrennungen bereit, nicht aber Österreich – Ungarn. Auf der anderen Seite hetzten die Ententemächte (Frankreich, Großbritannien und Russland) mit ihrem Angebot für einen italienischen Kriegseintritt an ihrer Seite.

Italien war aber innenpolitisch gespalten: Die Katholiken waren gegen einen Kriegseintritt, die Sozialisten waren gegen jeden Krieg. Die mächtige Parlamentsfraktion der Liberalen wollte Gewinne aus Verhandlungen. Zunächst waren eigentlich nur Splittergruppen für einen Kriegseintritt. Aber die Fraktionen der Interventionisten wurden täglich stärker.

Eine Person war an vorderster Front gegen Österreich – Ungarn beteiligt und putschte die Massen für den Krieg auf. Sein Name: Benito Mussolini!

Schritte zum Krieg:

Telegramm des König von Italien, Vittorio Emanuel III., an Kaiser Franz Josef, vom

4. August 1914:

„Ich habe nicht nötig, Eurer Majestät zu versichern, dass Italien – welches alle möglichen Anstrengungen gemacht hat, um die Aufrechterhaltung des Friedens zu sichern, und das alles, was es kann, beitragen wird, um ihn baldmöglichst wieder herzustellen, - eine herzlich freundschaftliche Haltung gegen Verbündete beobachten wird, dem Dreibundvertrag, seinen aufrichtigen Gefühlen und den großen Interessen entsprechend, die es beobachten muss.“

Mit diesen freundlichen Worten erklärte Italiens König, dass Italien entgegen seiner Bündnispflicht aus dem Dreibund neutral bleiben würde. Der österreichische Generalstab ersucht, nun bereits voll Argwohn, den italienischen Verbündeten um Besprechung darüber, wie die Sicherheit der südlichen Grenzen Österreich-Ungarns sichergestellt werden könnten. Die Antwort kommt postwendend.

Telegramm des Chefs des italienischen Generalstabes, General Graf Cadorna, an den Chef des österreichischen Generalstabs, General der Infanterie Conrad von Hötzendorf, Rom 4. August 1914:

„Konferenz gegenstandslos, da Ministerrat Neutralität Italiens beschlossen. Leichte Mobilisierung angeordnet. Wenn Österreich-Ungarn Lovcen* nicht besetzt und Gleichgewicht in der Adria nicht stört, wird Italien niemals gegen Österreich - Ungarn vorgehen.“

September 1914

Verschiebung italienischer Truppen aus dem Inneren an die Grenze.

*Lovcen ist ein Hochgebirge Montenegros. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Massiv mit französischer Hilfe zu einer starken Befestigung ausgebaut, die mit ihrer Artillerie den österreichisch-ungarischen Kriegshafen von Cattaro beherrschte. In der Zeit vom 8. zum 11. Jänner 1916 wurde der Berg im Zuge des Feldzuges gegen Montenegro von Österreich erobert.

19. März 1915

Das Deutsche Reich stellt der italienischen Regierung in Aussicht, dass Österreich-Ungarn gewisse Gebiete an Italien abtreten würde, um dadurch das Verhältnis zwischen Österreich-Ungarn und seinem Verbündeten Italien auf eine neue freundschaftliche Basis zu stellen.

Ende März bietet Österreich die Abtrennung der italienischsprachigen Gebiete Tirol, des Trentino, an.

11. April 1915

Italiens Außenminister Sonnino forderte die sofortige Abtrennung des Trentino und Deutschsüdtirols einschließlich Bozens, von Görz, Gradisca, Istrien mit Triest, der dalmatinischen Inseln und von Stützpunkten in Albanien. Unter diesen Bedingungen wird wohlwollende Neutralität zugesichert. Österreich – Ungarn und das Deutsche Kaiserreich unterbreiten, vom Freiherrn von Macchio namens Österreich – Ungarns und von Freiherrn von Bülow namens des Deutschen Kaiserreiches folgendes Gegenangebot in Rom:

Österreich – Ungarn bietet:

das gesamte Trentino, den von Italienern bewohnten Teil Tirols (damals ca. 4o% deutsch 60 % italienisch);

das Isonzogebiet einschließlich Gradisca;

sehr umfassende Autonomie der Stadt Triest samt Universität und Freihafen;

Desinterissierung Österreichs zugunsten Italiens in Südalbanien und sofortiger Anerkennung der italienischen Besitzergreifung von Valona.

Österreich – Ungarn und Deutschland erklären sich bereit, mit freundschaftlichen Absichten die italienischen Forderungen der Abtrennung der Stadt Görz und einiger dalmatinischen Inseln zu prüfen.

Die Durchführung dieser Zugeständnisse wird von Deutschen Reich garantiert,

Österreich war den Wünschen Italiens weit entgegengekommen. Lediglich das deutsche Südtirol war nicht preisgegeben worden. Franz Josef soll geäußert haben, er gehe eher noch als einfacher Soldat in den Schützengraben, bevor das deutsche Südtirol preisgegeben wird.

26. April 1915

Italien betreibt ein Doppelspiel und unterzeichnet in London einen Geheimvertrag mit den Ententemächten, die Rom alle gewünschten Gebietszuwächse (die ihnen gar nicht gehörten) einschließlich des deutschen Südtirols versprechen, wenn Italien bis zum 24. Mai Österreich den Krieg erklärt und es angreift. Italien unterzeichne aber bereits hinter dem Rücken der Vertragspartner (Dreibund) Deutschland und Österreich mit Frankreich 1902 einen Geheimbund.

4.Mai 1915

Italien kündigt den Dreibund

6. Mai 1915

Der deutsche Botschafter in Rom, Fürst von Bülow, verhandelt eine Stunde lang mit König Vittorio Emanuel und erläutert die äußeren Zugeständnisse Österreichs und die deutsche Durchführungsgarantie. Der italienische König lässt von Bülow in dem Glauben, das über die Forderungen und Zugeständnisse noch weiter verhandelt werden kann. In Wahrheit laufen die italienischen Kriegsvorbereitungen bereits an.

10. Mai 1915

Österreich – Ungarn das falsche Spiel nicht durchschauend, präzisiert seine Vorschläge an Italien, doch die Würfel sind schon längst gefallend:

Der Teil von Tirol, der von Italienern bewohnt ist, wird an Italien abgetrennt.

Ebenso das westliche Ufer des Isonzo, soweit die Bevölkerung rein italienisch ist, und die Stadt Gradisca.

Triest soll zu einer kaiserlichen freien Stadt gemacht werden, eine den italienischen Charakter der Stadt sichernde Stadtveraltung und eine italienische Universität erhalten.

Die italienische Souveränität über Valona (Hafenstadt in Albanien) und die dazugehörige Interessensphäre soll anerkannt werden.

Österreich – Ungarn erklärt seine politische Uninteressiertheit hinsichtlich Albaniens.

Die nationalen Interessen der italienischen Staatsangehörigen in Österreich – Ungarn werden besonders berücksichtigt.

Österreich – Ungarn erklärt eine Amnestie für militärische oder politische Verbrecher, die aus den abgetretenen Gebieten stammen.

Wohlwollende Berücksichtigung von weitern Wünschen Italiens über die Gesamtheit der das Abkommen bildenden Fragen wird zugesagt.

Österreich – Ungarn wird nach dem Abschluss des Vertrages eine feierliche Erklärung über die Abtretung geben.

Gemischte Kommissionen zur Regelung der Einzelheiten der Abtrennung werden eingesetzt.

Nach Abschluss des Abkommens sollen die Soldaten der österreich – ungarischen Armee, die aus den abgetretenen Gebieten stammen, nicht mehr an den Kämpfen teilnehmen.

17. Mai 1915

Der ungarische Ministerpräsident Graf Tisza bestätigt die Zugeständnisse Österreichs.

18. Mai 1915

Der deutsche Reichskanzler gibt im Reichstag bekannt, dass das Deutsche Reich bereit ist, als Garantiemacht für alle österreichischen Zugeständnisse zu fungieren.

23. Mai 1915 – Die italienische Kriegserklärung:

„ Im Auftrage S.M. des Königs, des erhabenen Herrschers, habe ich die Ehre, S.M. dem Minister des Äußeren von Österreich-Ungarn folgendes zu erklären:

Schon am 4. Mai wurden der k.u.k. Regierung die Motive mitgeteilt, auf Grund welcher Italien im Vertrauen auf sein gutes Recht sich entschlossen hat, das Bündnis mit Österreich – Ungarn für gekündigt zu erklären, da es von Österreich – Ungarn verletzt wurde. Es wurde für alle Zukunft für null und nichtig erklärt und die königliche Regierung behielt sich Handlungsfreiheit vor.

Die königliche Regierung ist fest entschlossen, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Rechte und Interessen Italiens zu verteidigen und alle Maßnahmen gegen wen immer zu ergreifen, der die Verwirklichung der nationalen Aspirationen Italiens bedroht. S.M. der König erklärt, dass sich Italien ab morgen mit Österreich – Ungarn im Kriegszustand befindet.

Der Unterfertigte hat die Ehre, gleichzeitig dem österreichisch – ungarischen Minister des Äußeren mitzuteilen, dass dem österreichisch – ungarischen Gesandten in Rom heute die Pässe zugestellt werden. Es wird gut sein, dasselbe zu tun“.

24. Mai 1915 – Aufruf des König Vittorio Emanuel II, an die Kampftruppen.

„Soldaten zu Wasser und zu Lande!

Die feierliche Stunde der nationalen Vereinigung hat geschlagen. Folgend dem Beispiel meines großen Ahnen, übernehme ich heute das oberste Kommando über sämtliche Land- und Seestreitkräfte, mit dem sicheren Glauben an den Sieg, den uns eure Tapferkeit, eure Bescheidenheit und Disziplin verbürgt. Der Feind gegen den ihr in den Kampf zieht, ist kriegstüchtig und euer würdig. Begünstigt durch das Terrain und klug angelegte Festungen, wird er euch hartnäckigen Widerstand entgegensetzen, aber eure wunderbare Stoßkraft wird ihn zu überwinden wissen.

Soldaten: Bei euch liegt der Rum; die Trikolore aufzupflanzen auf den heiligen Grenzen, die die Natur unserem Vaterland als Begrenzung gesetzt hat. Bei euch liegt der Rum, endlich das Werk zu vollenden, das unsere Väter mit solch Eroismo begonnen haben.

Großes Hauptquartier, am 24.Mai 1915. Vittorio Emanuele

Der Aufruf der Kriegstreiber vom Schlage eines Gabriele d´Anunzio machten der italienischen Jugend weis, dass sie für die Wiedererlangung der „unerlösten Gebiete“ des Trentino und Julisch – Veneziens in den Kampf ziehen. Nur wenige wussten es in Italien und wagten es zu sagen, dass Österreich bereits alle billigen Forderungen zugestanden hatte und die Jugend Italiens nun für das imperialistische Ziel der Erwerbung nichtitalienischer Gebiete auf die Schlachtbank geführt wurde. Sie wurden der Lüge bezichtigt und als Vaterlandsverräter beschimpft. Die Einzelheiten des Londoner Geheimvertrages kamen ja erst ans Tageslicht, als in Petersburg die russische Revolution gesiegt hatte und das schändliche Papier (von Großbritannien, Frankreich und Russland verfasst und von Italien unterzeichnet) aus dem Geheimarchiv geholt und veröffentlicht wurde.

So starben mehr als 600.000 Italiener im Gebirge und in der Hölle des Karst. Sie traten mit den sehnsüchtigen und patriotischen Liedern ihrer Heimat auf den Lippen zum Sturm gegen das „barbarische“ Österreich an und fielen für eine Lüge im Kampf gegen eine Fiktion.

Der Krieg zwischen Österreich-Ungarn (später auch Deutschland) dauerte vom 24. August 1915 bis zum 4. November 1918. Diese Zeit zerfiel grob vereinfacht in folgende Phasen.

1. Die ersten Kriegswochen mit einem gegenseitigen Abtasten. Aus diesem Krieg der Bergführer und Spähtrupps entstand in wenigen Wochen eine durchgehende Front, der entlang der Stellungskrieg geführt wurden.

2. Die österreichische Frühjahrsoffensive von den Hochflächen von Folgeria – Lavarone (Strafexpedition – Mai 1916) und der italienische Gegenangriff am Isonzo (6. Isonzoschlacht im August 1916)

3. Die Materialschlacht am Isonzo und im Hochgebirge 1916 – 1917. Am 28. August 1916 erklärt Italien dem Deutschen Kaiserreich den Krieg. Deutsche Truppen dürfen ab diesem Zeitpunkt die Italienische Grenze überschreiten.

4. Die 12. Isonzoschlacht und der österreichische (und deutsche) Durchbruch bis zur Piave mit einer fürchterlichen Niederlage der Italiener (November / Dezember 1917 - eigene Sandwirtsbriefe)

5. Neuerlicher Stellungskampf und die Konsolidierung der italienischen Armee – Jänner bis Juni 1918

6. Die letzte österreichische - ungarische (mit deutscher Unterstützung) Offensive – Junischlacht 1918

7. Der langsame Zerfall der österreichisch – Ungarischen Armee und des Staates im Hochsommer und Herbst 1818 ( Ungarn hatte z.B, seine Truppen abgezogen)

8. Der italienische und alliierte (Engländer, Franzosen und Amerikaner) Gegenstoß, der gleichzeitig den Todesstoß für die Donaumonarchie bedeutete (24. Oktober bis 4. November 1918)

Die Front selbst gliederte sich in 12 bzw. 14 geographische und historisch unterschiedliche Abschnitte 90 % davon Gebirgsfronten, teilweise sogar extreme Hochgebirgsabschnitte, die eigentlich nur geübten Alpinisten zugänglich waren.

Von Ost nach West sind die Abschnitte:

A) Ortler – Adamello –Judikarien, von der Schweitzer Grenze bis zum Etschtal, mit Stellungen bis auf 3.900 Meter Seehöhe. Mit geringen Verschiebungen Frontgebiet vom Mai 1915 bis November 1918

B) Die Hochflächen von Folgeria-Lavarone, die in Wirklichkeit in mehreren Hochebenen, getrennt durch steil eingeschnittene Täler zerfällt. Mehrere Festungen auf beiden Seiten bekämpften einander vom Mai 1915 bis Mai 1916, dann schob sich die Front zu den Abschnitte C und D vor.

C) Pasubio – einer der möglichen Einfallspforten in die Ebene, vom Mai 1916 bis November 1918 Kriegsschauplatz.

D) Die Höhen um Asiago wurden während der Frühjahrsoffensive 1916 erreicht, dann musste sich die Österreicher teilweise wieder zurückziehen, 1918 scheiterte Österreich hier ein zweites Mal.

E) Fleimstal, Frontgebiet 1915 – 1917, eine relativ einsame Landschaft – auch heute noch.

F) Marmolata (3.344 m) 1915 – 1917 Schauplatz eines extremen Hochgebirgskrieges.

G) Col die Lana – Lagazuoi – Fanes – Tofana, Kriegschauplatz 1915 – 1917.

H) Sextner Dolomiten, Kriegsschauplatz 1915 – 1917.

I) Karnische Alpen, mit Ausnahme des Plöckenpasses 1915 – 1917 eine relativ ruhige Front.

J) Kanaltal, 1915 – 1917 Kriegsschauplatz

K) Julische Alpen im slowenisch – italienischen Grenzgebiet, 1915 -1917 Kriegsschauplatz, wobei ein Teil bereits zur Isonzofront gerechnet wird.

L) Isonzofront mit Anteilen an den Julischen Alpen, ansonsten verlief die Front in der Ebene und über den Karst, 1915 – 1917 schwere Kämpfe.

M) Piave. Der Fluss wurde nach dem österreichisch – ungarisch – deutschen Durchbruch am oberen Isonzo erreicht. Schauplatz schwerer Kämpfe vom Dezember 1917 – November 1918.

N) Monte Grappa. Auch dieser Berg wurde nach dem Durchbruch vom Isonzo erreicht und als letzte Sperre vor der Ebene heftig umkämpft.

Die Italienische Armee:

Bis 1914 hatte das italienische Heer 12 Armeekorps (I – XII; mit Artillerie, Pionieren, Kavallerie und Bersaglieri als Korpstruppen), 24 Divisionen (1-24), 47 Linieninfanteriebrigaden mit 94 Regimentern (1-94) und eine Generalbrigade mit 2 Regimentern. Die 8 Alpiniregimenter waren separat organisiert. Die Friedenssollstärke lag 1914 bei 275.000 Soldaten, die Kriegssollstärke bei knapp 1.100.000 Mann, jedoch fehlte hierfür die notwendige Ausrüstung. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Armee im Zuge der Generalmobilmachung wesentlich vergrößert. 1915 verfügte man über 35 Infanteriedivisionen (14 Armeekorps), 1916 stieg die Zahl auf 43 Divisionen (18 Korps), 1917 auf 65 Divisionen (25 Korps), 1918 brachte man es nach dem Rückschlag von Karfreit wieder auf 55 Divisionen (24 Korps). Daneben gab es vier Kavalleriedivisionen. Die 30 Kavallerieregimenter operierten in der Regel zu Fuß, nur im Herbst 1917 und im Herbst 1918 kam es zu größeren berittenen Einsätzen.

Der italienische Generalstabschef Luigi Cadorna ließ seine Armee bis zur Schlacht von Karfreit nach altmodischen Methoden und unter Anwendung brutaler Disziplinarmaßnahmen gegen die zahlenmäßig unterlegenen, aber bei der Verteidigung der Alpen – und Isonzofront topographisch begünstigte österreichische und deutschen Armee anrennen und wurde nach der Niederlage der zwölften Isonzoschlacht von Generalstabschef Armando Diaz abgelöst, der die italienische Armee wesentlicher humaner und moderner bis zum Ende des Ersten Weltkrieges führte.

Insgesamt 5,2 Millionen italienischer Soldaten diente währen des Kriege in Italien, auf dem Balkan, in Frankreich und auf kleineren Nebenkriegsschauplätzen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen wurden in den Militäreinheiten Soldaten aus allen Landesteilen eingesetzt, und die gemeinsam durchgestandenen Schrecken des jahrelangen Stellungskrieges sowie die kritische Lage unmittelbar nach Karfreit führte 1918 zu einer nie dagewesene Solidarität. Diesem Prozess standen auf der anderen Seite 680.000 Gefallenen und 1,3 Millionen Kriegsversehrte und Verwundete gegenüber, sowie eine politische und wirtschaftliche Krise, die den Faschismus heraufbeschwor.

Die Kriegsziele Italiens:

Italien betrieb eine expansionistische Politik, die vor allem auf italienisch besiedelte Gebiet unter österreichisch - ungarischer Herrschaft zielte - sprich Irredenta. Das Wort Irredentismus kommt vom italienischen Begriff terre irredente („unerlöste Gebiete“) zu diesen Gebieten gehörte allerdings Süd -Tirol nicht. Nach Zustimmung Russlands zum italienischen Wunsch, auch slawisch besiedelte Gebiete zu annektieren, um die Adria als mare nostro (unser Meer) zu etablieren, kam der Geheimvertrag von London am 26. April 1915 zustande und der Angriff auf Österreich begann.

Da der Triple - Entente sehr am Aufbau einer zusätzlichen Front gegen die Mittelmächte gelegen war, um die Entscheidung im Krieg zu beschleunigen, wurden fast alle territorialen Wünsche Italiens in den Vertrag von London aufgenommen, der infolge dessen die Kriegsziele Italiens genau umriss. Der neue Bündnispartner solle demnach erhalten:

Das Trentino, Deutsch Südtirol, die Stadt und das Gebiet von Triest, die Grafschaft Görz und Gradisca, ganz Istrien, die istrischen und einige weiter kleinen Inseln, aber nicht Fiume, große Teile des kroatisch besiedelten österreichischen Kronlandes Dalmatien bis zur Bucht vom Kotor, den strategisch bedeutsamen albanischen Hafen Valona mit umfangreichem Hinterland.

Und dies alles war dem Königreich Italien 680.000 tote Soldaten wert.

Auch sollte bei einer etwaigen Teilung der Türkei eine noch festzulegende Region an der Südküste Kleinasiens an Italien gehen. Dass der Vertrag von London, insbesondere in Bezug auf Dalmatien, in den Pariser Vorortverträgen nicht zur Gänze verwirklicht wurde, lag vor allem am Widerstand des mit der Entente verbündeten Serbien.

Abschließend die nachdenklichen Gedanken des Obmanns des Andreas Hofer-Bundes Tirol:

Die Sprengschüsse im Dogna*- und im Roccolanatal* waren bereits Signal jener unterirdischen Spannung in Rom, die sich in einem Beutkrieg mit möglichst geringem Risiko entladen sollten. Es ging Italien um das Territorium um Triest, um Görz und um die Vernichtung der Monarchie. Österreich war im Mai 1915 bereit, den Erpressungen in Rom das ganze von Italiener bewohnte Welschtirol, in dem etwa 300.00 Italiener lebten, abzutreten. Es hatte sich damit abgefunden, Ostfriaul bis zum Isonzo an Italien zu verlieren. Das heißt, das ganze Land zwischen Grado, Cormons einschließlich Görz sollte an Italien abgetreten werden. Auch das Isonzotal mit seinen slowenischen Bewohnern sollte an Italien übergehen. Wien ging bis zum Äußersten. Ein Großteil der Gebiete, in denen die 700.00 Italiener der Monarchie wohnten, wollte man im Einvernehmen mit Berlin opfern.

Nicht bereit war die Monarchie zur Abtretung von Triest, nicht bereit war sie zur Preisgabe des deutschen Südtirols von Salurn bis zum Brenner. Allerdings bot Wien dem Gebiet von Triest weitgehende Sicherheit gegen den Andrang der Serben. Triest sollte eine vollständige administrative Autonomie und eine italienische Universität erhalten.

Aber die Regierung des Ministerpräsidenten Salandra und des Außenminister Sonnini wischte die Angebote vom Tisch. Die Anhänger der Neutralität standen auf verlorenem Posten. Auch jene, die den Krieg erst zu einem späteren Zeitpunkt beginnen wollten.

Eine ungeheuerliche Kriegshysterie ergriff vor allem die Intellektuelle Italiens. Die Straße tobte. Wer vor dem Krieg warnte wurde bedroht. Tat das Volk mit? Nur eine kleine Minderheit wagte es, sich im Parlament dem Kriegsbeschluss entgegenzustellen.

Wir wissen heute, dass die Masse der Bauern und auch die städtischen Arbeiterschaft von der Kriegshysterie unberührt blieb.

Der Krieg war eine Sache der intellektuellen Oberschicht. Einer der feurigsten Kriegshetzer war der Redakteur Benito Mussolini, Rückgrat des Angriffes wurden die Offiziere. Sie trieben später die Stumwellen oft mit der Peitsche, mit der Pistole und mit Stockhieben nach vorne.

Es gehört zu den Merkwürdigkeiten unserer Zeit, dass Italien dieser Krieg von niemand übel genommen wird. Nicht von der Geschichte, schon gar nicht von Österreich und seinen teilweise italophilen Bewohnern. (mit einigen Ausnahmen wie z.B. den Mitgliedern des Andreas Hofer – Bundes)

* Strategischer Ausbau des Verkehrsnetzes (durch Sprengungen) in der unzugänglichen Gebirgsregionen des Dognale- und Roccoanatales (Friaul, nahe der Grenze zu Österreich) für bereits im Frieden geplante Angriffe gegen Österreich.

Wie denkt das offizielle Italien heute noch nach beinahe 100 Jahren über diesen Krieg:

Vom Verteidigungsministerium wurde eine offizielle Broschüre herausgegeben (2013) wo von einem Guerra di redenzioni, also einem Befreiungskrieg die Rede ist, den Italien damals „siegreich beendet“ hat. Der Pasubio sei „das unerschütterliche Bollwerk der italienischen Verteidigung gewesen (obwohl sie einen Angriffskrieg führten. Anmerkung). Hier schreibt ein „Sieger“ die Geschichte der in Wirklichkeit nur ein politischer Sieg war! Dieser Sieg war nicht militärisch sondern politisch erzwungen worden. Italiens Grenzen waren per Geheimvertrag mit den Alliierten (Großbritannien, Frankreich und Russland) längst festgelegt worden noch ehe ein italienischer Soldat dafür bluten musste. Kein Wort davon, dass dieser sogenannte „Befreiungskrieg“ mit der Einverleibung (Annexion) des heutigen Süd-Tirols endete, in dem damals so gut wie kein Italiener überhaupt einen festen Wohnsitz hatte!

Die Grenzen sind längst gezogen wenn auch offiziell nicht überall (Südtirol). Wir leben in einem vereinten Europa und da ist die Vergangenheitsbewältigung ob Erster oder Zweiter Weltkrieg schon längst im Gange, offensichtlich aber noch nicht in Italien.

Lied der Tiroler Landes-Kaiserschützen

Es lebt der Schütze froh und frei
ja froh und frei, ja froh und frei
mit ihm die ganze Jagerei
die ganze Jagerei.
Und kommt der Feind (Italiner) ins Land herein
und soll´s der Teufel selber sein
es ruhen unsere Stutzen nicht
bis dass das Auge bricht
Tralala…

Und ist das Schwarze noch so klein
Ja noch so klein, noch so klein
Es muss ein jeder Schuss hinein
Ein jeder Schuss hinein.
Und kommt der Feind ….…

Im Tal und auf den Bergeshöhn
Bergeshöhn, ja Bergeshöhn
Woll´n wir auf treuer Wache steh´n
Auf treuer Wache steh´n
Und kommt der Feind…….

Es lebe unser Österreich
Österreich, ja Österreich
An Schönheit ist ihm keines gleich
Ist ihm keines gleich!
Und kommt der Feind ……..


Der Obmann des Andreas-Hofer-Bundes Tyrol Ing. Winfried Matuella Juni 2014

 

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