Der 1. Weltkrieg Italien gegen Österreich-Ungarn

1914 – 2014 vor hundert Jahren begann der „Große Krieg“ den man später, erst nach dem „Zweiten Weltkrieg“, den „Ersten Weltkrieg“ nannte. Welche Auswirkungen hatte dieser Krieg ab 1915 auf Tirol, ein kurze Überblick.

Der Gebirgskrieg gegen den Aggressor Italien in den Dolomiten

Das Königreich Italien war seit dem 20. Mai 1882 mit den beiden Kaiserreichen Deutschland und Österreich-Ungarn im „Dreibund“ verbündet. Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Joseph I. hofften, dadurch den „Heiligen Egoismus“ Italiens in Schach zu halten, nachdem dieser 1859 und 1866 zum Verlust der Lombardei und Venetiens geführt hatte.

Trotz dieses Dreibundes traute man dem jungen Königreich und seinem „Sarco Egoismo“ nicht. Um sich in einem möglichen Krieg verteidigen zu können, wurden in ganz Tirol Forts und Sperrwerke angelegt, da man glaubte, eine Offensive könne nur in den Tälern und Hochflächen erfolgen. An einen Krieg im Hochgebirge dachten nur wenige, so unter anderem der - aus Nord - Mähren stammende - Reichskriegsminister und General Franz Kuhn von Kuhnenfeld, der bereits 1870 ein Buch mit dem Titel „Der Gebirgskrieg “ verfasste.

Schon vor der Kriegserklärung Italiens an die österreichische – ungarische Monarchie war die Tiroler Verteidigungsfront in fünf Subrayone eingeteilt. Der Dolomitenabschnitt bildete den Subrayon V mit den Grenzabschnitten 9 und 10. Er reichte vom Pordoijoch bis zur Kärntner Grenze und hatte eine Ausdehnung von fast 90 km. Jeder Grenzabschnitt zerfiel in Grenzunterabschnitte, diese wurden wieder in Kampfabschnitte unterteilt.

Am 28. Juni 1914 fiel der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo den Schüssen eines bosnisch-serbischen Nationalisten zum Opfer. Da die Spur der Attentäter nach Belgrad führte, erklärte Österreich-Ungarn am 28. Juli 1914 den Krieg – und löste ungewollt den Ersten Weltkrieg aus. Es folgte Kriegserklärung auf Kriegserklärung. Italien erklärte am 3. August seine Neutralität, da es angeblich einen österreichisch-ungarischen Gebietszuwachs am Balkan fürchtete für beendet.

Zur Jahreswende 1914-15 begann Italien immer unverhohlener, im Gegenzug für die Neutralität österreichische Gebiete zu fordern; Tirol bis zum Brenner, Görz und Gradiska sowie Teile von Dalmatien. Kaiser Franz Joseph I. erklärte sich zur Abtretung von Welschtirol (dem heutigen Trentino) und von den italienischen Städten in der Gradiska bereit mit einem Sonderstatus für Triest, verweigerte jedoch die Herausgabe des deutsch besiedelten Süd-Tirols. Daraufhin schloss Italien am 26. April 1915 mit den Alliierten in London einen Geheimvertrag, der ihm Tirol bis zum Brenner, Görz und Gradiska sowie fast ganz Dalmatien zusprach, wenn es innerhalb von vier Wochen der Donaumonarchie den Krieg erklärte. Infolgedessen trat Italien am 4. Mai 1915 aus dem Dreibund ausund erklärte am 23. Mai 1915 seinen ehemaligen Bundesgenossen Österreich – Ungarn den Krieg!

Der Wortbruch Italiens rief in ganz Österreich-Ungarn eine Welle der Entrüstung, zugleich aber nochmals Begeisterung für den gerechten Krieg gegen denn Erzfeind hervor. Kaiser Franz Joseph I erließ noch am 23. Mai 1915 folgendes Manifest:

An meine Völker!

Der König von Italien hat mir den Krieg erklärt. Ein Treuebruch, dessengleichen die Geschichte nicht kennt, ist von dem Königreich Italien an seinen beiden Verbündeten begangen worden.

Nach einem Bündnis von mehr als dreißigjähriger Dauer, während dessen es seinen Territorialbesitz mehren und sich zu ungeahnter Blüte entfalten konnte, hat Uns Italien in der Stunde der Gefahr verlassen und ist mit fliegenden Fahnen in das Lager Unserer Feind übergegangen.

Wir haben Italien nicht bedroht, sein Ansehen nicht geschmälert, seine Ehre und seine Interessen nicht angetastet; Wir haben Unsern Bündnisverpflichtungen stets getreu entsprochen und ihm Unseren Schirm gewährt, als es ins Feld zog.

Wir haben noch mehr getan: Als Italien seine begierlichen Blicke über Unsere Grenzen sandte, waren Wir, um das Bundesverhältnis und den Frieden zu erhalten, zu großen und schmerzlichen Opfern entschlossen, zu Opfern, die Unserem väterlichen Herzen besonders nahe gingen.

Aber Italiens Begehrlichkeit, das den Moment nützend zu sollen glaubte, war nicht zu stillen. Und so muß sich das Schicksal vollziehen. Dem mächtigen Feinde im Norden haben im zehnmonatigen Ringen und in treuester Waffenbrüderschaft mit den Heeren Meines erlauchten Verbündeten Meine Armee siegreich stand gehalten.

Der neue heimtückische Feind im Süden ist ihnen kein neuer Gegner. Die großen Erinnerungen an Novara, Custozza und Lisse, die den Stolz Meiner Jugend bildeten, und der Geist Radetzkys, Erherzog Albrecht von Tegetthoff, der in Meiner Land- und Seemacht fortlebt, bürgt Mir dafür, dass Wir auch gegen Süden hin die Grenze der Monarchie erfolgreich verteidigen werden.

Ich grüße meine Kampfbewährten, siegerprobten Truppen. Ich vertraue auf sie und ihre Führer! Ich vertraue auf Meine Völker, deren beispiellosem Opfermut Mein innigster väterlicher Dank gebührt.

Den Allmächtigen bitte Ich, daß er Unsere Fahnen segne und Unsere gerechte Sache in seine gnädige Obhut nehme.

Noch in derselben Nacht griff die österreichische Flotte die italienische Adriaküste an mehreren Stellen an und konnte dadurch den Aufmarsch des Feindes verzögern.

Österreich-Ungarn war an der neuen Südwestfront stark unterlegen: Sämtliche Truppen standen in Galizien oder Serbien, nur Standschützen und das zur Hilfe eilende Deutsche Alpenkorps konnten zur Verteidigung der Monarchie aufgeboten werden.

Die Einheiten der Dolomitenfront

Die Standschützen: Nachdem der Landsturm (Schützen zwischen 33. und dem 42. Lebensjahr) bereits zu Kriegsbeginn ausgehoben worden war und bis Mitte 1915 an allen Fronten kämpften, bevor er nach Tirol zurückkehrt, wurden am 18. Mai 1915 zur Verteidigung Tirols die Standschützen aufgeboten: Diese bildeten das letzte

Aufgebot und umfassten Männer, die nicht älter als 16 Jahre waren, einschließlich Untauglicher und nicht Kriegsdienstpflichtiger Freiwilliger. (siehe Sandwirtsbrief Nr. 40 unter www.ahb-tyrol.at Standschützen an die Front )

Die Landesschützen / Kaiserschützen

Aufgrund des neuen Landesverteidigungsgesetzes wurden am 19. Dezember 1870 die Tiroler Landeschützen, bestehend aus zehn Bataillonen und zwei Kompanien zu Pferd, als Teil der k.k. Landwehr aufgestellt. Die Wehrpflicht bei den Landesschützen bestand vom 21. bis zum 32. Lebensjahr. Gemäß Befehl des Landesverteidigungskommandanten von Tirol und Vorarlberg, Josef Freiherr von Philippovic, zierte von Anbeginn an der Spielhahnstoß die Kappe der neugegründeten Einheit. 1893 wurden 10 Bataillone in drei Regimenter umgewandelt, von denen das dritte im Jahr 1901 aufgelöst und 1909 wieder errichtet wurde.

Am 1. Mai 1906 wurden die Landeschützenregimente zur Hochgebirgstruppe umgebildet – der ersten im deutschen Sprachraum. Als äußere Ehrenzeichen erhielten die Schützen den Spielhahnstoß an der Kappe und das Edelweiß am Kragenspiegel. Für das Gebiet der Dolomiten war das III. Landesschützenregiment mit Sitz in Innichen verantwortlich.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Landesschützenregimenter anfangs in Russland bzw. Galizien eingesetzt (das i. auch kurzzeitig in Serbien) und kamen ab Juli 1915 nach Tirol, Kärnten und an den Isonzo und verblieben bis zum Kriegsende an der Südwestfront.

Am 16. Jänner 1917 verfügte Kaiser Karl, dass die Landeschützen „in Anerkennung ihre hervorragenden Leistung in diesem Krieg von heute an den Namen Kaiserschützen zu führen haben.

Die sogenannte Edelweiß-Tradition der Kaiserschützen lebt noch heute in den Gebirgstruppen des Österreichischen Bundesheeres und der Deutschen Bundeswehr weiter. Letztere übernahm nach dem Abzug des Deutschen Alpenkorps aus den Dolomiten das Traditionszeichen „Edelweiß“.

Die Kaiserjäger

Feldmarschall Svetozar Boroevic de Bojna: „In meiner mehr als 40 jährigen Dienstzeit kenne ich die Kaiserjäger nur als Aristokraten der Infanterie. Ich betrachte sie daher als Gardetruppe und werde sie dort verwenden, wo ich einen todsicheren Erfolg erzielen will.“

Am 17. Mai 1815 befahl Kaiser Franz I. die Aufstellung eines neuen Jägerregimentes in Tirol und Vorarlberg. Als besondere Ehre sollte es den Titel „Tiroler Kaiserjäger“ tragen. Mit 16. Jänner 1816, dieser Tag wird als Geburtstag der Kaiserjäger gefeiert, begann tatsächlich die Aufstellung des Regimentes.

Am 1. Mai 1895 wurde die Umstrukturierung des bis dahin auf 16 Bataillone angewachsenen sog. Großen Kaiserjäger – Regiments vorgenommen: Es wurde in vier Regimenter (zu je vier Bataillone) umgebildet, die den Titel „k.k. 1., 2., 3., und 4. Regiment der Tiroler Kaiserjäger führten.

Vor dem 1. Weltkrieg wurden die Kaiserjäger 1821 in Neapel und Piemont, 1831 in Modena und Parma, 1848/49 in Lombardei – Venetien, 1849 in Ungarn, 1859 in der

Lombardei, 1866 in Tirol und Venetien, 1878 in Bosnien – Herzegowina sowie 1882 in Süddalmatien eingesetzt und galten bereits damals als Elitetruppe.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 kämpften auch Kaiserjäger an der Ostfront und hatten einen überaus hohen Blutzoll zu beklagen. Ab Juli 1915 wurden die Kaiserjäger nur noch an der Südwestfront – vom Ortler über Gardasee, die Dolomiten und die Julischen Alpen bis an den Isonzo - eingesetzt.

Spezialeinheiten

Die Sturmformationen: Sie sind gleichsam eine Frucht des Stellungskrieges. Wenn die bewaffneten Kräfte monatelang unbeweglich einander gegenüberstanden, musst die gegnerischen Front nach Schwachstellen abgeklopft, mussten Angriffsabsichten aufgeklärt, mussten nicht zuletzt die Truppen, neben dem Stellungsbau, im Einsatz geübt werden. Zu diesem Zweck wurde Anfangs 1917 eine Kaiserjäger – Sturmkompanie mit Nahkampfausbildung (Minenwerfer, Wurfgranaten, Flammenwerfer usw.) und eine hochalpine Kaiserjäger – Sturmkompanie aufgestellt.

Die Streifkompanie (später Hochgebirgskompanie): Die Streifkompanien sid die Hochgebirgsformationen der Kaiserjäger. Sie wurden im Sommer 1915 zusammengestellt, um die ausgedehnten Hochgebirgsstellung der Kaiserjäger mit Erfolg verteidigen zu können.

Der Kommandeur des Deutschen Alpenkorps, der bayrische General Krafft von Dellmensinger, frage beim Durchfahren einer Tiroler Ortschaft auf dem Wege zur Front: „ Ich sehe im Ganzen Dorf keine einzigen Mann. Nur Weiber, alte Greise und kleine Kinder. Wo sind denn eigentlich alle Tiroler?“ „Ihre Blüte liegt in Ostgalizien begraben. Was davon noch lebt, ist hinter den Russen her. Und die ganz Jungen und die ganz Alten stehen dort, wo wir eben hinfahren – den Welschen gegenüber“- war die Antwort des begleitenden österreichisch –ungarischen Generalstabsoffiziers. Der deutsche General legte die Hand an den Helm und sagte ergriffen: „Ich neig mich vor dem Opfermut des Tiroler Volkes. Etwas Größeres gibt es nicht auf Erden!“.

Das Deutsche Alpenkorps wurde am 18. Mai 1915 unter dem Befehl des bayrischen Generals Kraft von Dellmensingen aufgestellt. Es bestand aus dem Bayrischen Infanterie-Leibregiment („Leiber“) und insgesamt drei Jägerregimenter aus Bayern, Preußen, Hanover und Würtenberg.

Nur eine Woche später wurden die Truppen an die Dolomitenfront verlegt, wo sie von Ende Mai bis Herbst 1915 Österreichs letztes Aufgebot (Standschützen) verstärkten, bis sie durch reguläre Truppen (Kaiserjäger und Landesschützen) abgelöst wurden. Dabei durften die Deutschen nur innerhalb Österreich - Ungarn kämpfen und keinesfalls die italienische Grenze überschreiten, da Italien dem Deutschen Reich erst am 27. August 1916 den Krieg erklärte.

Italiens Haupt-Streitmacht lag am Isonzo und sollte versuchen, nach Triest vorzudringen.

Die Truppe des Gegners: Die Alpini

Im Jahre 1872 war die italienische Gebirgstruppe errichtet worden und erhielt den Namen Alpini. Sie ist die älteste Hochgebirgstruppe der Welt. Sie bestand 1916 aus 8 Regimentern, die an der gesamten Südwestfront zum Einsatz kamen.

Der Kriegsverlauf:

1915
23.06. – 07.07.: 1. Isonzo - Schlacht
17.07. – 10.08.: 2. Isonzo - Schlacht
18.10. – 04.11.: 3. Isonzo - Schlacht
10.11. – 11.12.: 4. Isonzo - Schlacht

1916
11. – 16.03.: 5. Isonzo - Schlacht
15.05. – 17.06.: Österreichisch – ungarische Offensive in Südtirol zwischen Etsch und Val Sugana

Um weiter blutige Schlachten am Isonzo zu vermeiden, beschloss Österreich, eine Offensive aus Südtirol zu starten, um bis an die Adria vorzudringen und somit die italienische Isono - Armee einzukesseln. Da Deutschland gleichzeitig bei Verdun angriff, konnte Wien keinerlei Hilfe von Berlin erwarten.

Am 15. Mai 1916 begann die Offensive. Die Truppen kamen relativ schnell voran, eroberten Arsiero und Asiago am 31. Mai. Doch auf den letzten Berg vor der Ebene setzen sich die Italiener fest und verteidigten sich erbittert. Die Österreicher konnten ihr Ziel Venedig schon sehen, kamen aber keinen Schritt mehr voran. Als Anfang Juni zur Entlastung die Großoffensive der Russen (Brussilow - Offensive) begann, entschloss man sich am 17. Juni zur Einstellung des Angriffes. Am 26. Juni 1916 zogen sich die österreichischen – ungarischen Truppen auf günstigere Abwehrstellung zurück. Der Stellungskrieg ging weiter.

01. – 24.07.: Abwehrschlacht in den Sieben Gemeinden
04. – 17.08.: 6. Isonzo - Schlacht
14. – 18.o0.: 7. Isonzo - Schlacht
09. – 12.10.: 8. Isonzo - Schlacht
31.10. – 04.11.: 9. Isonzo – Schlacht
21.11.: Tod Kaiser Franz Joseph I.; Karl I. wird neuer Kaiser

1917
12.05. – 05.06.: 10. Isonzo – Schlacht
10.06 – 28. 06.: Junischlacht in den Sieben Gemeinden
18.08. – 13.09.: 11. Isonzo - Schlacht
24.10. 02.: 12. Isonzo – Schlacht

(Über die 11. und 12. Isonzo – Schlacht werden die Sandwirtsbriefe Nr. 66 und 67 genauer berichten.)

Bei nunmehr 11 Angriffen der Italiener am Isonz hatten beide Seiten schwer Verluste erleiden müssen. Die Italiener konnten als Angreifer nur kleiner Gebietsteile erobern, so unter anderem Görz in der 6. Schlacht. Da die österreicherischen Verteidiger durch andauernde Abwehrschlachten stark belastet waren, entschloss, man sich zu einer großen Durchbruchsschlacht zur Entlastung der Südwestfront. Die sieben deutschen (Italien hat 1916 auch Deutschland den Krieg erklärt) und fünf österreichisch – ungarischen Divisionen traten am 24. Oktober zu einer Großoffensive an, die sich zu einem „Blitzkrieg“ entwickeln sollten: In der sogenannten Schlacht von Flitsch Tolmein – Karfreit wurden rasche Durchbrüche erzielt; die Italiener mussten sich zurückziehen, was immer schneller in eine ungeordnete Flucht überging. Die Deutschen und Österreicher dicht auf den Fersen flohen die Italiener über den Taggliamento zum Piave – der letzten Bastion vor Venedig und der Lombardei. Dort wurde mit englischen und französischen Truppen in aller Eile eine neue Verteidigungsfront aufgebaut. Bereits am 10. November erreichten die Österreicher den Piave – dies sind 120 Kilometer in nur 17 Tagen Kampf!

Gleichzeitig griffe auch die österreichische Südtirolarmee an und zwang die italienischen Soldaten der Dolomitenfront zum Rückzug, um nicht eingekesselt zu werden. Am 2. Dezember befahl das österreichische Armeekommando die Einstellung der Offensive und rief auch die Einheiten, die schon westlich des Piave standen, an das Ostufer zurück: Nachwuchsschwierigkeiten, wenn man über die Piave weiter vorstoßen sollte. Die Gelegenheit, die Alliierten noch beim Aufbau der neuen Front zu vernichten, ließ man sich entgehen.

Zu neuen Brennpunkten der Front wurden nunmehr der Pasubio und der Monte Grappa.

24.06. – 15.07.: Angriff der Italiener an der Gebirgsfront
24.10, - 02.11.: Großoffensive Italiens (mit Verbündeten) am Piave

Im Laufe des Jahres 1918 kamen in Österreich – Ungarn die Nationalitätenkonflikte immer mehr zum Vorschein: Angetrieben von Wilsons „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ strebten die Nationen nach Unabhängigkeit und gefährdeten damit die Existenz des Vielvölkerstaates Österreich – Ungarn. Am 16. Oktober befahl Kaiser Karl I. im Völkermanifest die Umwandlung Österreichs in einen Staatenbund gleich berechtigte Nationalitäten, zusammengehalten durch das Haus Habsburg mit gemeinsamer Militär-, Außen- und Finanzpolitik. Doch die meisten Völker verlangten absolute Unabhängigkeit.

In diesem Augenblick kam die Großoffensiver der Alliierten am Piave. Bis zum 29. Oktober konnten die Italiener nur geringe Gebietsgewinne erzielen. Nunmehr befahl aber der neu entstandene Nationalstaat Ungarn die Rückführung seiner Truppen, wodurch in der Front unauffüllbare Lücken entstanden. Österreich erklärte deshalb am 30. Oktober die Räumung Venetiens und bat um Waffenstillstand. Bis zuletzt verteidigten die deutschsprachigen Einheiten und auch vor allem die Bosniaken die Südwestfront – und gingen im Felde unbesiegt in die Kriegsgefangenschaft. Während des Krieges wurde kein Fußbreit Tiroler Boden dem Feind Preisgegeben – durch den Frieden ging ganz Welsch - und Süd -Tirol bis zu Brenner verloren. Italien hat also nicht den südlichen Teil Tirols erobert.

Am 11. November 1918 trafen sich in der Villa Giusti bei Padua die militärischen Vertreter Österreich – Ungarns und Italien, um einen Waffenstillstand auszuhandeln, der einer bedingungslosen Kapitulation gleichkam. Nachdem die österreichische Delegation am 2. November um 22 Uhr nach Wien meldete, dass die Unterzeichnung des Vertrages (Artikel 1: „Sofortige Einstellung der Feindseeligkeiten.“) unmittelbar bevorstand, befahl Kaiser Karl I. am 3. November um 1:20 Uhr seinen Truppen die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, um weiters völlig unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Italien nutzte die Situation, drang mit schnellen Truppen bis zum Brenner vor und nahm in diesen 38 Stunden (verzögerter Beginn des Waffenstillstandes durch Italien) etwa 350.000 österreichische Soldaten gefangen (wovon ca. 30.000 in den Gefangenenlagern starben) – die nach obersten Befehl nicht mehr kämpfen durften. Dies ging als „Sieg von Vittorio Veneto“ in die italienische Geschichte ein. Italien erhielt nicht alle Gebiete, die ihm die Alliierten versprochen hatten – das Opfer der an der Südwestfront gefallenen Soldaten der österreichischen Völker und Deutschlands waren vergeblich gewesen, das südliche Tirol ging an Italien verloren.

Im fernen Feindeslande

Im fernen Feindeslande
Da liegt ein tiefes Grab.
Da senkten sie gar viele,
Zum Todesschlaf hinab

Im fernen Feindslande,
Wo raue Winde ziehn,
Gabst du dein junges Leben
Dem Vaterlande hin.

Im fernen Feindeslande
Ruhst du vergessen nicht:
Und auf dem Heldengrabe
Winkt ein Vergissmeinnicht.

 

F. d. R. d. W, Ing. Winfried Matuella Obmann des Andreas–Hofer–Bundes Tyrol

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